Stand: 27.09.2017 08:43 Uhr

Händelarien und arabische Wiegenlieder

von Johannes Avenarius

Das Barockensemble Musica Alta Ripa wagt bei drei gemeinsamen Konzerten mit den Sopranistinnen Dima Orsho und Nuria Rial den Spagat zwischen Orient und Okzident und streift dabei die Mutterbilder in beiden Kulturkreisen. Ein Probenbesuch in der Klosterkirche Vechta.

Bild vergrößern
Das Ensemble Musica Alta Ripa begleitet die Sängerinnen auf barocken und orientalischen Instrumenten.

Zwei Welten begegnen sich bei den Proben - und obwohl die Instrumente aus unterschiedlichen Richtungen kommen, hört man die Verwandtschaft. Die gute alte Theorbe trifft auf die deutlich ältere Buzuq. Die Blockflöte lernt die Duduk kennen. Es ist ein Erlebnis für die Künstler, sich im Laufe des Programmes dem Thema "Mutter" über zwei Kulturen zu nähern.

Wiegenlieder als unzerstörbarer Schatz

Organisatorin Danya Segal hat sich auf der Suche nach einem Thema für das Konzert von der Situation der Flüchtlinge beeindrucken lassen: "Was nimmt man immer mit? Ich glaube, man nimmt immer seine Melodien, also vielleicht die Wiegenlieder oder die Volkslieder, die die Großmutter eingesungen hat, und vielleicht seine Rezepte."

Neben Wiegenliedern aus unterschiedlichen Kulturen werden auch Händelarien gesungen. Das passt wunderbar zum Thema "Mutter", meint Segal: "Es gibt unheimlich viel Musik bei Händel, die sich auf Mütter bezieht. Es gibt Aggripine, die Jungfrau Maria natürlich, also, Mutter ist immer wieder ein Thema."

Spannendes Zusammenspiel

Bild vergrößern
Die spanische Sopranistin Nuria Rial gilt unter anderem als Händel-Spezialistin.

Händel bleibt Händel an diesem Abend, er muss nicht arabisch lernen. Das Barockensemble Musica Alta Ripa ist auf diesem Gebiet zu Hause. Umso spannender für die Musiker sind die anderen Stücke, die aus dem Orient kommen. Die spanische Sopranistin Nuria Rial gibt zu, dass der andere Klang und die andere Herangehensweise für sie spanndend sind: "Es ist für mich aber auch sehr schwer. Meine Stücke sind mein Revier, Barock kenne ich. Das Neue und Interessante ist das Zusammenspiel mit Dima Orsho."

Dima Orsho gehört zu den bekanntesten Stimmen des Orients. Die Syrerin prägt den Abend, so dass auch ein Weltstar wie Nuria Rial ins Schwärmen gerät: "Ich finde sie unglaublich, also ich bin begeistert von dieser Frau. Sie kann beides, diese Bruststimme, diese arabische, und dann aber - klick - zwitschert sie und singt wahnsinnig auch klassisch!"

Die Mutter schützt in Syrien die Familie

Die so gepriesene Dima Orsho hat sich vor dem Abend überlegt, was eine Mutter in Syrien für eine Bedeutung hat: "Die Mutter ist in Syrien so etwas wie das Zuhause, die unbegrenzte Liebesspenderin. In Syrien kümmert sich die Mutter um alles, sie gibt bedingungslose Liebe und schützt die Familie."

Bild vergrößern
Nuria Rial und Dima Orsho bei den Proben mit dem Ensemble Musica Alta Ripa in der Klosterkirche Vechta.

Mit "Ishtar" hat Orsho ein Stück extra für den "Mutter"-Abend komponiert. Spätestens hier werden Orient und Okzident zusammengeführt. Denn die Komposition lässt sich in keine Ecke drängen, die Musik ist quasi das Ergebnis, wenn zwei Welten sich besuchen, und dann noch gut miteinander harmonieren.