Stand: 01.09.2017 14:57 Uhr

Tanztheater: Etabliertes Festival mit gutem Ruf

von Agnieszka Zagozdzon

Zum mittlerweile 32. Mal hat in Hannover das Festival Tanztheater International begonnen. Zwölf zeitgenössische Produktionen mit Ensembles aus zehn Ländern zeigen noch bis zum 9. September in ihren Arbeiten, zu welchen erzählerischen und künstlerischen Mitteln die Bewegungen des menschlichen Körpers in der Lage sind.

"Boys" ("Jungs") nannte der israelische Choreograf Roy Assaf seine Produktion, die in diesem Jahr beim Festival zu sehen sein wird. Darin setzen sich fünf Tänzer - durchaus humorvoll - mit verschiedenen Männlichkeitsbildern in der heutigen Zeit auseinander. Die Zuschauer werden dadurch nicht zuletzt mit ihren ganz eigenen Erwartungen und Ansprüchen an Männlichkeit konfrontiert.

Choreografen aus aller Welt zu Gast in Hannover

Tänzer aus der ganzen Welt

Auch in den anderen diesjährigen Produktionen wird es um ganz grundsätzliche Fragen des menschlichen Lebens gehen, erzählt Festivalleiterin Christiane Winter: "Der rote Faden liegt darin, dass es um unsere Geschichten geht: um Männlichkeitsbilder, um die Facetten des Mutterbildes. Es geht aber auch um Flüchtlingsthematiken."

Christiane Winter war von Anfang an beim Festival dabei. Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren leitet sie dieses Festival, das sich bewusst nicht nur an Tanz-Experten richtet, sondern ein möglichst breites Publikum dazu einladen will, sich mit dem zeitgenössischen Tanz zu befassen. Das Festival Tanztheater International hat sich mittlerweile in Deutschland fest etabliert und genießt einen sehr guten Ruf; aus der ganzen Welt werden Choreografen und Tanzkompanien nach Hannover eingeladen, um ihre neuesten Arbeiten zu zeigen.

Publikumsliebling aus Belgien: Peeping Tom

Nur die Finanzierung stellt Festivalleiterin Christiane Winter jedes Jahr auf Neue vor Herausforderungen: "Ich bin manchmal mehr auf der Jagd nach jungen Gruppen, die vielleicht noch nicht so viel Gage kosten, wie eine ganz alteingesessene Company." Dennoch gibt es auch Ensembles, die schon mehrmals eingeladen wurden. In diesem Jahr wird - zum mittlerweile siebten Mal - ein ausgesprochener Publikumsliebling wieder dabei sein: die belgische Gruppe Peeping Tom. In ihrer neuesten Produktion setzen sie sich mit den verschiedenen Mutterbildern in der heutigen Gesellschaft auseinander.

Ein Auftritt, auf den sich Harald Härke, Kultur- und Personaldezernent der Landeshauptstadt Hannover, freut: "Die haben mich so berührt bei den ersten Malen, als ich sie gesehen habe. Die machen mich immer neugierig: Wie ist deren Entwicklung?"

Zeitgenössischer Tanz wird überall verstanden

Doch ganz gleich, wie thematisch vielfältig die Auftritte beim diesjährigen Festival sein werden, ob es darin um die Mutterrolle, um Männlichkeitsbilder, um körperliche Schönheitsideale oder um die Familiengemeinschaft gehen wird: Der zeitgenössische Tanz kann immer und überall verstanden werden. Davon ist Christiane Winter überzeugt: "Was der Körper ausdrückt, das ist etwas Rudimentäres, was in uns allen da ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 30.08.2017 | 09:20 Uhr