Sendedatum: 04.09.2017 17:00 Uhr

Ein Duell gegenseitiger Dankbarkeit

von Albrecht Breitschuh, NDR 2

Es war ein Duell gegenseitiger Dankbarkeit: Angela Merkel war Martin Schulz dankbar, weil der von "Krieg und Frieden" gesprochen hatte. Und der Herausforderer war der Kanzlerin dankbar, weil diese sich für "diplomatische Lösungen" einsetze. Wenn die beiden Kontrahenten sich mal nicht dankbar waren, herrschte entweder Einigkeit oder Schulz versuchte so verkrampft wie vergeblich, sich als Alternative zu präsentieren.

Solche Duelle braucht niemand

Ich war auch dankbar. Darüber, dass Angela Merkel schon vorher hatte verkünden lassen, dass sie für weitere Treffen mit dem SPD-Spitzenmann nicht zur Verfügung stehe. Recht hat sie. Duelle wie das gestern Abend braucht niemand, jedenfalls nicht zur politischen Willensbildung.

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Kommentar von Albrecht Breitschuh aus dem NDR 2 Aktuell Team.

Was aber  nur zum Teil den Hauptdarstellern anzulasten ist. Beide eierten erwartbar beim großen Thema Flüchtlinge rum, attackierten aber umso meinungsstärker Trump, Erdogan oder Orban. Kann man ihnen nicht vorwerfen. Warum aber haben die Moderatoren nicht stärker nachgehakt, um die inhaltlichen Widersprüche sichtbar zu machen? Gelegenheit dazu gab es reichlich.

Schade auch, dass die Vertreter der kleinen Parteien draußen vor bleiben mussten. Gut möglich, dass sie für die nötige Trennschärfe gesorgt hätten. Heute abend können CSU, Linke, Grüne, FDP und AfD zeigen, dass Streit auch produktiv sein kann. Und als Vorbild dienen für künftige Duelle, die diesen Namen dann auch zu Recht tragen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | 04.09.2017 | 17:00 Uhr

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