Same Same But Different
Der neue Film des deutschen Regisseurs Detlev Buck beruht auf einer wahren Geschichte: Es ist die ungewöhnliche Liebesgeschichte eines deutschen Journalisten mit einer Kambodschanerin.mehr
Die Mischung aus Gummistiefeln und Designerfrisur, aus staubtrockenem Humor und zartester Romantik, aus ländlicher Familienidylle und weltenbummelnder Neugier, aus norddeutscher Schweigsamkeit und hauptstädtischem Kultur-Geplapper hat einen kurzen Namen: Detlev Buck. Wenn dieser Mann in meterbreitem Dialekt über dramaturgische Nuancen flaniert und den besonderen Buckschen Blick auf Welt und Mensch ins Mikrofon doziert, dann kann man nur einen Fehler machen und ihn unterschätzen. Detlev Buck hat mit seinen wie selbstverständlich hinplätschernden Provinz-Epen wie "Erst die Arbeit und dann..", "Karniggels" und "Wir können auch anders" ein eigenes Genre erfunden und dazu Akteure wie Heike Makatsch, Anke Engelke, Joachim Krôl und Horst Krause an die Kinokamera gewöhnt.
Ewig sucht er nach dem richtigen Gesicht mit der richtigen Wirkung, dem richtigen Typen dahinter, der auch und vor allem erstmal für das Bild alles bringen muss. Buck ist ein Hingucker. Die Bilder, die Typen und im Zweifelsfall eher das Schweigen als der Dialog entscheiden über das Gelingen von Komik oder Rührung. Die mehreren Schichten von Heike Makatsch aus Witz und Monroe-Appeal haben sie als lispelnde Blondine in "Männerpension" gebracht. Dass Buck im Gesicht von David Kross lesen kann, was der denkt, haben den Sohn einer Freundin seiner Lebenpartnerin Lisa erst auf die Castingliste seines Jugendgewalt-Dramas "Knallhart" und dann in seine aktuelle Romanze "Same, same but different" katapultiert. Wie richtig Buck mit seinem Blick liegt, beweist schon die Tatsache, dass Kross nach "Knallhart" gleich anschließend mit Weltstar Kate Winslet in "Der Vorleser" durch die Kissen pflügte. Die Geschichte eines reisefreudigen Schulabsolventen, der sich in Kambodscha in ein aidskrankes Animiermädchen verknallt und mit Wucht in schwere Entscheidungen gedrückt wird, ist Bucks Thema in "Same, same but different".
Und wenn auch das Land tropisch und die Menschen in Asien anders sind, so geht es doch auch diesmal um Jungs, die von den Mädchen gedrängt werden, das war zwischen Marie Bäumer und Til Schweiger in der "Männerpension" schon genau so, jetzt aber ein bisschen anders, wie es der Titel sagt. Als nächstes will Buck sich "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann fürs Kino vornehmen - schon weil viele sagen, das geht gar nicht als Film. So ganz klar wird auch nicht, ob Buck nur von der schleswig-holsteinischen Scholle mit den drei Töchtern und Freundin Lisa in den südamerikanischen Urwald fliehen will. Oder ob er die im Buch nur spärlich beschriebenen Gesichter schon vor sich sieht und nur noch nach einer Steckdose für die Kamera sucht. Wer auf eine Mischung aus beidem tippt, ist sicher ganz dicht dran.