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Mit Bettina Tietjen sprach Gerald Asamoah unter anderem über seine Autobiographie "Dieser Weg wird kein leichter sein"
Der Vertrag wird nicht verlängert. Egal, ob ein Fußball-Profi 17 oder 34 ist - dieser Satz ist das Schreckgespenst der Branche. Gerald Asamoah kennt dieses Gespenst bestens. Mit zwölf kommt er aus der ghanaischen Provinz nach Hannover, muss im Haushalt der Eltern helfen, auf die Kinder aufpassen, die Schule mit schlechten Sprachkenntnissen wuppen. Und er will Fußball spielen. Gut Fußball spielen. Am besten besser.

In Ghana geboren, in Deutschland zum Nationalkicker gereift - Gerald Asamoah hat sich trotz eines Herfehlers und rassistischen Anfeindungen durchgesetzt.
DownloadWerder Hannover ist sein erster Club, dann natürlich 96, er schafft den Sprung zu den Profis. Das Glück ist vollkommen: ein Vertrag. Doch dann kommt wieder etwas, das er in seiner frisch erschienenen Autobiografie "Dieser Weg wird kein leichter sein" nennt. Ein Herzfehler wird diagnostiziert, der Leistungssport scheint beendet. Gerald tut, was er kennt. Er fightet, findet in den USA Spezialisten, die ihm helfen können, kommt zurück ins Geschäft, wechselt zu Schalke 04, gewinnt Pokale und allerlei Vizemeisterschaften.
Rudi Völler will ihn 2002 bei der WM in Japan und Südkorea haben, 2006 wird er zu einer Art Maskottchen des Teams, der Xavier-Naidoo-Hit "Dieser Weg" wird zur Hymne. Gerald läuft nur einmal gegen Equador auf, dabei sein war aber viel. Schon deshalb viel, weil er im 21. Jahrhundert tief in Deutschland unfassbaren Fremdenhass in den Stadien erlebt, fliegende Bananen und Affenrufe, gern in Cottbus, wo der Club Energie zeitweise ohne einen einzigen Deutschen in der Mannschaft spielt.
Gerald Asamoah tut, was er am besten kann: Er "fightet".
Auf der Straße ist Asamaoh die Blicke und die gelegentlichen Beschimpfungen gewohnt. Schon seit seiner Kindheit. Aber vor und nach dem deutschen Sommermärchen? Er tut wie immer, was er kann, er fightet, er läuft trotzdem in Cottbus und Dortmund auf, wo ihn Keeper Weidenfeller schon als "schwarze Sau" beschimpft hat. Er geht gerichtlich gegen die Verdrehung der Kampagne "Du bist Deutschland" vor, wo die rechte Szene "Du bist nicht Deutschland, Gerald" verbreitet.
Und das Großartigste dabei: Asamoah bleibt ein lebensfroher Mensch. Er freut sich mit seiner Linde über zwei Söhne und eine Tochter, lebt im Ruhrgebiet, kümmert sich um eine Stiftung für herzkranke Kinder, setzt sich für Toleranz in einer Dortmunder Schule ein - und das als Kult-Schalker. Selbst wenn sein zunächst letzter Club Greuther Fürth gerade aus Liga Eins abgestiegen ist und ihn aussortiert hat, der Vertrag des tief gläubigen Gerald Asamoah mit einem glücklichen Leben ist schon lange unkündbar.