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"Bücher lesen mit NDR 2" heißt es am Sonntag im NDR 2 Wochenende. Um 8.40 Uhr stellen wir Ihnen populäre Neuerscheinungen vor - unsere Reporter haben die Bestseller-Listen im Blick und suchen aktuelle Bücher heraus. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, aber auch Sachbücher lernen Sie bei NDR 2 kennen.
Aktuelle Folge: Anouk Schollähn aus dem NDR 2 Aktuell-Team stellt Ihnen "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes vor:
Liebesgeschichte über zwei Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag erlebt haben.
Louisa Clark muss sich einen neuen Job suchen. Da sie keine Ausbildung hat, ist die Auswahl nicht sehr groß. Sie nimmt das Angebot an, bei einer wohlhabenden Familie deren querschnittsgelähmten Sohn Will zu betreuen. Der Job ist begrenzt auf ein halbes Jahr - daher der Titel des Romans von Jojo Moyes: "Ein ganzes halbes Jahr".
Auf den ersten Seiten fühlte ich mich ein bisschen an den Kinofilm "Ziemlich beste Freunde" erinnert. Da ist die Geschichte zu Beginn ähnlich. Unbeholfener Pfleger trifft auf querschnittsgelähmten Mann, und irgendwann raufen die Protagonisten sich dann zusammen. In "Ein ganzes halbes Jahr" geht es allerdings primär um die Liebegeschichte von Louisa und Will.
Louisa kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hat keine großen Hobbies und keine Ausbildung. Will war vor seinem Unfall und seiner Lähmung beruflich extrem erfolgreich - ein smarter Typ, Womanizer und Überflieger. Erst durch Louisa findet er wieder Gefallen daran, auch mal das Haus zu verlassen. Umgekehrt bringt er ihr unter anderem Kunst und Kultur näher.
Aber: Will hat einen Plan! Er will sterben, und zwar mit Hilfe der Organisation Dignitas in der Schweiz. Dazu braucht er die Hilfe seiner Mutter, da er allein keine Chance hat, in die Schweiz zu reisen. Die Bedingung seiner Mutter: er muss noch ein halbes Jahr durchhalten. Für dieses halbe Jahr wird Louisa als Gesellschafterin engagiert.
Sie hat zunächst keine Ahnung von diesem Deal und bricht völlig zusammen, als sie davon erfährt. Trotzdem tut sie alles, um Will bei Laune zu halten. Sie will ihn davon überzeugen, dass auch ein Leben im Rollstuhl lebenswert ist. Ob sie es am Ende schafft oder nicht, verrate ich nicht.
"Ein ganzes halbes Jahr" ist eine bezaubernde, aber auch bittere Liebesgeschichte. Das Thema Sterbehilfe ist natürlich ein extrem ernster Rahmen. Ich konnte beim Lesen für alle ein Verständnis entwickeln. Sowohl für Wills Wunsch zu sterben, aber auch für Louisas Bemühungen, ihn davon abzuhalten. Am Ende muss ich zugeben: Ich habe noch nie so viel bei einem Buch geweint!

Jojo Moyes