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"Bücher lesen mit NDR 2" heißt es am Sonntag im NDR 2 Wochenende. Um 8.40 Uhr stellen wir Ihnen populäre Neuerscheinungen vor - unsere Reporter haben die Bestseller-Listen im Blick und suchen aktuelle Bücher heraus. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, aber auch Sachbücher lernen Sie bei NDR 2 kennen.
Aktuelle Folge: Bastian Wünsch aus dem NDR 2 Team stellt Ihnen "Diese Dinge geschehen nicht einfach so" von Taiye Selasi vor.
"Diese Dinge geschehen nicht einfach so" ist ein wunderbarer Familienroman.
Die ersten beiden Romane von Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling? Sind niemals veröffentlicht worden. Selbst Rosamunde Pilcher musste mehr als 20 Jahre auf ihren Durchbruch warten. Umso erstaunlicher ist, was Taiye Selasi geschafft hat: 33 Jahre alt - aus Ghana - hatte sie bisher nicht mehr als ein paar Zeitungsartikel geschrieben, aber jetzt stürmt sie mit ihrem allerersten Roman weltweit die Bestsellerlisten: "Diese Dinge geschehen nicht einfach so".
Bastian Wünsch aus dem NDR 2-Team hat die autobiographisch geprägte Geschichte gelesen und sagt: "Das ist der modernste Familienroman aller Zeiten." Es geht um eine Familie, die aus Afrika in die USA eingewandert ist. Die Kinder - hübsch und gebildet, Vater Kwaku ist ein Star-Chirurg - bis eines Tages eine Frau stirbt, die er operiert hat. Eigentlich war schon vor dem Eingriff klar, dass sie keine Chance hat, aber ihre Familie, die das Krankenhaus schon seit Jahren finanziell unterstützt, fordert trotzdem ein Opfer. Kwaku wird entlassen - und in der Folge zerbricht auch die Familie. Er verlässt seine Frau und seine vier Kinder. 16 Jahre später stirbt er - und hier setzt der Roman ein.
Autorin und Fotografin Taiye Selasi ist die Tochter einer nigerianisch-schottischen Mutter und eines ghanaischen Vaters.
Die Familie, mittlerweile über drei Kontinente verteilt, findet sich wieder zusammen und erkennt: Die Dinge, die uns seitdem geschehen sind, sind uns nicht einfach so passiert. Die Mutter wollte die Familie nach der Trennung von ihrem Mann zusammenhalten und hat sie dabei nur noch mehr auseinandergetrieben. Der älteste Sohn wollte dem Vater nacheifern und wurde ebenfalls Chirurg. Er will ebenso ein perfekter Ehemann sein, kann seine Frau aber gar nicht wirklich lieben, weil er immer die zerbrochene Ehe seiner Eltern im Hinterkopf hat. So haben die Ereignisse von damals das Leben jedes Familienmitglieds anders geprägt, bis hinunter zur jüngsten Tochter. Das Nesthäkchen. Die süße Kleine. Wohl behütet. Aber sie leidet sehr unter dieser scheinbaren Idylle.
Taiye Selasi beschreibt aufgrund ihrer eigenen Erfahrung alle Schicksale - besonders die Gegensätze, die ja irgendwie in jedem von uns stecken - sehr ausführlich und spannend. Damit bietet sie ihren Lesern so zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten an, dass sich vermutlich jeder in einem der Familienmitglieder wiederfindet. Dazu kommt die zweite Stärke des Buches: Selasis besondere Gabe, Geschichten zu erzählen. Sie schreibt so berührend, fast poetisch, dass es ihr gelingt, Fantasie und Gedanken ihrer Leser anzuregen wie es nur ein Buch vermag.
Einziger Wermutstropfen: dass das Buch überhaupt nicht chronologisch erzählt ist. Los geht’s mit dem Tod des Vaters, seine Beerdigung dagegen kommt erst am Ende, dazwischen gibt es Rückblicke, Sprünge zwischen den einzelnen Familienmitgliedern hin und her. Das macht es dem Leser am Anfang nicht leicht, sich an Selasis Schreibstil zu gewöhnen. Aber am Ende des Romans fügen sich die Dinge dann zusammen. Durchhalten lohnt sich also in jeder Hinsicht. Von mir gibt es vier von fünf Sternen für Taiye Selasis "Diese Dinge geschehen nicht einfach so".

Taiye Selasi