Dieses Thema im Programm:
"Bücher lesen mit NDR 2" heißt es am Sonntag im NDR 2 Wochenende. Um 8.40 Uhr stellen wir Ihnen populäre Neuerscheinungen vor - unsere Reporter haben die Bestseller-Listen im Blick und suchen aktuelle Bücher heraus. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, aber auch Sachbücher lernen Sie bei NDR 2 kennen. Aktuelle Folge: Ilka Petersen aus dem NDR 2 Morgen stellt Ihnen "Quasikristalle" von Eva Menasse vor.
Buchcover: Eva Menasse - "Quasikristalle"
"Femme Fatale, Drama Queen, Intellektuelle: das Kaleidoskop des Lebens einer streitbaren Frau“, urteilte der Spiegel vergangenen Monat über den neuen Bestseller von Eva Menasse "Quasikristalle". Ungeordnet strukturiert wie ein Quasikristall, wandelbar wie ein Kaleidoskop - so ist das Leben ja tatsächlich manchmal. Nur die Draufsicht hilft, es wirklich einordnen zu können. Ähnlich geht es in dem neuen Roman der Österreicherin zu. In 13 Kapiteln begleiten wir die Hauptdarstellerin Xane Moilin durch ihr Leben. In ihrer Jugend geht es los, bis sie letztendlich Großmutter wird. Dazwischen begleiten wir sie in Sachen Liebe, Beruf, Familie - mal als Femme Fatale, als Intellektuelle und manchmal auch als eine kleine Diva.

Ein Leben im Schnelldurchlauf - in 13 Episoden lässt uns Eva Menasse auf das Leben ihrer Heldin Xane Molin schauen.
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Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse.
In 13 Episoden wechselt der Blickwinkel auf Xane in jedem Kapitel, fast als würde man ihr Leben durch ein Fenster beobachten - oder vielmehr durch die Augen der Eltern, der besten Freundin, einem skurrilen Vermieter oder auch einem Menschenrechtler. Wobei Xane nicht immer so präsent ist, manchmal huscht sie auch nur durch das Kapitel. Nur einmal, ungefähr nach der Hälfte des Buches, wechselt die Perspektive in die einer Ich-Erzählerin. Sie zieht eine Zwischenbilanz ihres Lebens.
Ein sprachlich und stilistisch außergewöhnliches Buch. Mit Wörtern wird beinahe unbedarft gespielt, mit einem verrutschten Lachen beispielsweise eine Emotion beschrieben. Nur leider bewirkt das nicht immer, dass Menasse die Spannung halten kann. Da wirkt das ein oder andere Kapitel doch länger, als es wirklich ist.
Zudem ist dieser Roman kein Buch, das man abends im Bett mal eben so im Dämmerzustand zum Einschlafen liest. Wenn man sich als Leser allerdings darauf einlässt, schläft man mit einer interessante Frage ein: Sind wir tatsächlich die Personen, für die wir uns halten, wie wir uns sehen? Oder werden wir doch eher bestimmt durch das Denken anderer über uns, durch unsere Beziehungen und unsere Wirkung auf andere?

Eva Menasse