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Dan Brown: "Inferno"

"Bücher lesen mit NDR 2" heißt es am Sonntag im NDR 2 Wochenende. Um 8.40 Uhr stellen wir Ihnen populäre Neuerscheinungen vor - unsere Reporter haben die Bestseller-Listen im Blick und suchen aktuelle Bücher heraus. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, aber auch Sachbücher lernen Sie bei NDR 2 kennen.

Aktuelle Folge: Michael Latz aus dem NDR 2 Team stellt Ihnen "Inferno" von Dan Brown vor.

Cover von Dan Brown - "Inferno" © Bastei Lübbe Verlag Detailansicht des Bildes Das Cover von Dan Browns - "Inferno". Der Rummel war schon mal gewaltig. Bestseller-Autor Dan Brown hat es sich nicht nehmen lassen, die Spannung vor seinem neuesten Thriller kräftig einzuheizen. Vorab-Exemplare für die Presse gab es nicht, und die Übersetzer mussten in einem abgeschotteten Bunker arbeiten. Gemessen an den Erwartungen, die auf diese Weise bei Fans und Journalisten geschürt wurden, fällt das Ergebnis nun aber eher mager aus.

Robert Langdon ermittelt wieder

In "Inferno" schickt Dan Brown wieder den Symbologen und Harvard-Professor Robert Langdon in ein haarsträubendes Abenteuer. Wie schon in "Das verlorene Symbol" oder "Illuminati" hat es der große Professor mit Vorliebe für Tweed-Sakkos mit Verschwörungen, Rätseln und einer ultimativen Bedrohung zu tun. Und natürlich ist die Zeit knapp. Schauplatz des Thrillers ist in erster Linie Florenz. Dort wacht Robert Langdon in einem Krankenhaus auf – mit einem Streifschuss am Hinterkopf. Und während er sich noch fragt, wie er überhaupt dort hingekommen ist, wird wieder auf ihn geschossen.

Der Schriftsteller Dan Brown in Rom © dpa/ Picture-Alliance Detailansicht des Bildes Der Schriftsteller Dan Brown in Rom. Von einem Moment zum anderen ist Langdon zusammen mit der blonden, gutaussehenden Ärztin Sienna auf der Flucht. Von einer unbekannten Söldnertruppe durch die beliebte Touristenmetropole gehetzt, muss Langdon zwischen den historischen Bauten und Renaissance-Kunstwerken allerlei Rätsel lösen. Das wichtigste von allen: Was ist eigentlich passiert? Langdon kann sich nämlich nicht mehr an die vergangenen beiden Tage erinnern. Erst ganz langsam wird klar, dass Langdon offenbar vor dem Attentat einem gefährlichen Bioterroristen auf der Spur war. Einem Wissenschaftler, der die Menschheit mit Hilfe einer gezielten Seuche gesundschrumpfen und so den Kollaps einer überbevölkerten Erde verhindern will.

Diesen Plan muss Langdon nun erst mühsam zusammenpuzzeln - aus den Bruchstücken seiner Erinnerung und einigen spärlichen Hinweisen. Viele diese Hinweise beziehen sich auf den großen italienischen Renaissance-Dichter Dante – und so irren und hetzen Langdon und Sienna auf den Spuren von Dantes Höllenvisionen durch Florenz.

Altbekannter Plot

Was nach einer typischen Dan Brown-Geschichte mit Potential zum Kassenknüller klingt, hat mich trotzdem enttäuscht. Dan Brown-Fans mögen mir das übel nehmen, aber ich habe den Eindruck, dass sich der Bestseller-Autor auf eine recht plumpe Art selbst kopiert. Da wird ein wenig an der erfolgreichen Langdon-Schablone herum geschraubt und der altbekannte Plot mit reichlich Lokalkolorit aufgebläht - und fertig! Nehmen wir zum Beispiel die für Dan Brown typische Flucht. Klar, das macht einen Thriller packend und dynamisch. Aber hier hatte ich den Eindruck, dass Langdon auf 50 Seiten durch die Stadt hetzt, damit möglichst viele italienischen Straßennamen und Sehenswürdigkeiten auftauchen können. Plakatives Name-Dropping, bei dem man sich schließlich einen Stadtplan wünscht.

Das gleiche gilt für Erwähnungen mancher Kunstwerke. Manchmal hatte ich den Eindruck, Dan Brown erwähnt diesen und jenen Künstler nur um zu zeigen, dass er ordentlich recherchiert hat. Die Geschichte aber bringt dieser Detailreichtum oft nicht weiter – im Gegenteil. Dort, wo Robert Langdon und Sienna durchaus mehr Tiefe vertragen könnten, bleibt Dan Brown an der Oberfläche. Den Streit der beiden über die These vom Überbevölkerungskollaps zum Beispiel würgt Dan Brown ab, bevor er überhaupt richtig in Gang kommt.

Mehr Tiefe hätte gut getan

Und auch Robert Langdon bleibt wie gewohnt blass. Natürlich taucht wieder seine Angst vor engen Fahrstühlen und Kellerräumen auf, ebenso wie die heißgeliebte und nun verschwundene Mickey-Maus-Uhr. Aber der nahezu allwissende Harvard-Professor fragt sich nicht einmal, warum er eigentlich immer wieder in solche haarsträubenden Geschichten reinrutscht. Ein bisschen weniger Schablonendenken und mehr Tiefe hätten der Geschichte gut getan. Eingefleischte Langdon-Fans werden das anders sehen, weil Dan Brown eben verlässlich liefert. Wer aber nicht dazu gehört, kann diese Langdon-Geschichte getrost auslassen, ohne etwas zu verpassen.

Cover von Dan Brown - "Inferno" © Bastei Lübbe Verlag

Inferno

Dan  Brown

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: ISBN 978-3-7857-2480-4
  • Verlag: Bastei Lübbe Verlag

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Buchtipp | 02.06.2013 | 08:40 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ndr2/programm/sendungen/buchtipp/brown159.html
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Autor
Michael Latz, Reporter und NDR 2 Aktuell © NDR Fotograf: Christian Spielmann
 

Michael Latz

Mehr Informationen über Michael Latz, NDR 2 Aktuell. mehr

Weitere Informationen
Der Schriftsteller Dan Brown © dpa
 

Der neue Wurf von Dan Brown

14.05.2013 | 18:20 Uhr
NDR Kultur

Der Bestseller-Autor legt seinen mit Spannung erwarteten Roman "Inferno" vor. mehr

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Der Lübbe Verlag bietet im Netz eine Leseprobe von Dan Browns "Inferno" an © Lübbe Verlag
 
Link

Der Lübbe Verlag hat den Prolog und das 1. Kapitel des neuen Thrillers von Dan Brown ins Netz gestellt.

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