Die glücklichen Ticket-Besitzer müssen einiges auf sich nehmen vor dem Konzert von Lukas Graham: Vor dem Feldstraßenbunker in Hamburg ist es eisig kalt und windig. Und bei diesem Wetter müssen alle in einer Warteschlange ausharren. Jeder ist glücklich, als der Einlass losgeht und alle durchgefroren in das auffällige Gebäude gehen dürfen – ins "Uebel und Gefährlich" zum Lukas Graham-Konzert!
Vorband ist die Gruppe Elias, doch der richtig große Jubel bricht erst los, als um 21:59 Uhr Lukas Graham die Bühne betreten. Die vier beginnen mit dem dramatischen "Better Than Yourself – Criminal Mind Pt. 2", und schon jetzt zeigt Sänger Lukas Graham Forchhammer, was er stimmlich drauf hat.
Der junge Däne sieht zwar aus wie ein Pfadfinder, hat aber eine unfassbar imposante, soulige Stimme. Jedes Mal, wenn der kleine Lukas losscheppert, jubelt das Publikum. Oder staunt mit offenen Mündern über die enorme Stimme. Stimmgewaltig ist er, aber eben auch recht klein. Deswegen müssen sich die Fans manchmal schon auf die Zehenspitzen stellen, um ihn überhaupt auf der Bühne zu sehen.
Aber auch der Rest der Band hat ordentlich was drauf. Schlagzeuger Mark Falgren ("Mr. Lovestick"), Keyboarder Kasper Daugaard und vor allem Bassist Magnus Larsson ("Mr. Magnum") überzeugen durch Talent und enorme Spielfreude. Wo man auch hinsieht im "Uebel und Gefährlich", alles tanzt, wippt und lächelt.
Aber es sind vor allem die sympathischen Ansagen von Lukas, die den Fans gefallen. "Letztes Jahr haben wir schon einmal hier gespielt – vor 70 Leuten. Und jetzt sind Tausend da!" Kein Wunder, schließlich sind Songs wie "Ordinary Things" oder "Nice Guy" groovende Ohrwürmer und sehr tanzbar.
Manchmal braucht Lukas auch nur mit seiner souligen Stimme loszulegen, schon spielt das Publikum verrückt. Gejubelt wird auch, als der Bassist sein Shirt auszieht; es ist eben doch recht heiß im "Uebel und Gefährlich", trotz der frostigen Temperaturen außerhalb des Bunkers.
Lukas erzählt zwischendurch, dass ihre Fans in Dänemark häufig gerade mal zwölf Jahre alt sind. Daher freut er sich, dass hier in Germany offensichtlich auch ältere ihre Musik mögen. Und die mögen nicht nur die Musik von Lukas Graham, sondern vor allem das Charisma, das der Sänger massig ausstrahlt.
Lukas sieht vielleicht aus wie ein braver Pfadfinder, er hat es aber faustdick hinter den Ohren. Würde man ihn nicht sehen, könnte man ihn schon für einen ziemlichen Angeber halten; aber man merkt Gott sei Dank, dass seine Sprüche nur Spaß sind. Vor allem beim Song "Red Wine", als er einen weiblichen Fan auf die Bühne holt und er sie auf Knien mit seiner sanften Stimme bezirzt, das hat schon was. Und die Dame hat sich mit Sicherheit vom kleinen Showman geschmeichelt gefühlt, spätestens beim Abschiedsküsschen!
Nach einer knappen Stunde steht fest, dass Lukas Graham die perfekten Entertainer sind. Kurz gehen die vier von der Bühne, aber wenig später sind sie schon für Zugaben zurück. "Are we allowed to come back?", fragt Lukas. Sofort schallt ein gewaltiges "JAAAA!" der Bühne entgegen. Ein noch größeres "JAAAAA!" folgt, als der Sänger nachhakt: "Are we allowed to play maybe one song? Or maybe two songs?"
Das traurige "Before The Morning Sun" widmet er zum einen seinem verstorbenen Großvater, aber auch seinem verstorbenen Vater. Es ist wohl das einzige Mal an diesem Abend, dass es ein wenig traurig wird im "Uebel und Gefährlich". Doch Lukas ist nun mal ein Entertainer und weiß, wie man ein Publikum im Handumdrehen wieder fröhlich stimmt: "From a sad song, to a very, very happy Song!" Und natürlich kommt jetzt das große Highlight des Abends.
Das ist natürlich ihr bisher größter Hit "Drunk in The Morning". Überrascherweise singt Lukas die ersten Zeilen "a capella", also ohne musikalische Unterstützung der Band – dafür aber mit Hilfe der Fans. Und die machen das so gut, dass Drummer "Mr. Lovestick" sein Shirt ausziehen und ins Publikum werfen muss. Vor dem Konzert hatten Lukas und er gewettet, dass die Fans nicht so textsicher seien würden. Aber "Mr. Lovestick" hat da offensichtlich falsch gewettet.
Nach der kleinen Showeinlage gibt's aber "Drunk In The Morning" in der "vollen" Version. Das Publikum singt vor allem beim Refrain euphorisch mit, so dass auch Lukas noch sein Shirt los wird.
Um 23:11 Uhr ist Schluss! Die Band verneigt sich vor dem jubelnden Publikum: "Thank you very much for tonight!" Dann gehen die Jungs von der Bühne und die Fans glücklich nach Hause – oder noch schnell zum Merchandise-Stand. Fazit: Trotz des kalten Winterwetters in Hamburg hat sich die Reise ins "Uebel und Gefährlich" gelohnt – Lukas Graham sind live der Knaller!