Musikwunsch
Udo Lindenberg live am 12. März 2012 in Hamburg © NDR 2 Fotograf: Mirko Hannemann
 

Ihr Lieblingshit im NDR 2 Hit-Mix

Hier geht's zum Musikwunsch-Formular für den NDR 2 Hit-Mix. mehr

 

Interview

Interview

The Lumineers: Aus Brooklyn in die ganze Welt

The Lumineers sind zur Zeit gefragt wie kaum eine andere Band: Ihr Folk-Rock-Sound ist äußerst erfolgreich. Das Debüt-Album "The Lumineers" schaffte es in den USA bis auf Platz 2 der amerikanischen Billboard-Charts. Ursprünglich startete die Band als Trio, mittlerweile werden die drei aber noch von zwei weiteren Musikern unterstützt. Mitverantwortlich für den Erfolg ist ihr Über-Hit "Ho Hey". Das war so aber eigentlich gar nicht geplant, wie Matthes Köppinghoff im Interview erfahren hat – er traf Wesley Schultz, Neyla Pekarek und Ben Wahamaki von den Lumineers zum Gespräch.

Euer Song "Ho Hey" ist nicht nur eure erste Single – es scheint auch der große Durchbruch zu sein. Was ist die Geschichte zu "Ho Hey"?

Matthias Köppinghoff mit Ben Wahamaki, Wesley Schultz und Neyla Pekarek von der Band The Lumineers. © NDR Fotograf: Gordon Harms Detailansicht des Bildes Jeremiah Fraites (l.), Wesley Schultz (2.v.r.) und Neyla Pekarek von der Band The Lumineers mit Matthias Köppinghoff aus der NDR 2 Musikredaktion. Wesley: Eigentlich war das als Song gedacht, der uns auf der Bühne ein bisschen helfen sollte, wenn uns mal keiner kennt. Ein Einheizer. Im Song gibt’s viele Rufe und Ausrufezeichen. Ich finde es lustig, und wir sind wirklich glücklich darüber, dass uns der Song so bekannt gemacht hat und wir jetzt von den Leuten gehört werden. Aber ich hätte niemals gedacht, dass es der Song sein wird, der uns Türen öffnet – oder überhaupt auf einem Album funktioniert. Ich dachte es wäre ein "Live Only"-Phänomen, und es würde auf einem Album gnadenlos untergehen. Ich dachte, es wäre zu nervig, aber anscheinend ist das nicht der Fall!

Worum geht es eigentlich in dem Song?

Wesley: Also, ich habe eine ziemliche harte Zeit hinter mir, habe eine Menge Nebenjobs gemacht. Ich bin nach New York gezogen und habe gehofft, dass der Traum von New York City als musikalisches Epi-Zentrum wahr wird. Wenn man da hinzieht, macht man das, um entdeckt zu werden und es dann zu schaffen. Aber als ich dahin gezogen bin, habe ich nicht wirklich die Gemeinschaft gefunden, die ich gesucht habe. Ich hatte keine Freizeit, weil die Miete so hoch war, und dann ist noch meine Beziehung zu Ende gegangen. Da kam vieles aufeinander und ich war ziemlich unten. Es schien, als würde ich nur etwas schreiben um des Schreibens willen. Eine sehr introvertierte Sache, aber ich habe damit weiter gemacht, in der Hoffnung, dass mich das aus meinem Loch wieder herausholt. Es gibt eine Zeile im Song: "I don’t know where I went wrong, but I can write a song" (Ich weiß nicht was falsch lief, aber ich kann immerhin einen Song schreiben) - für mich ist das die Essenz des Songs, darum geht es eigentlich.

Tatsächlich bist du dann ja mit Jeremiah Fraites von Brooklyn nach Denver gezogen, dort habt ihr Nely Pekarek, eure Cellistin kennengelernt, und die Lumineers waren geboren. Meine Frage: Warum seid ihr ausgerechnet nach Denver gezogen?

Die Band The Lumineers © Lindsey Byrnes Detailansicht des Bildes Die Band The Lumineers sind gerade auf Deutschland-Tour. Wesley: Das frage ich mich immer noch. Ich mache glückliche Fehler, vermute ich mal. Ein paar Freunde von uns sind nach Denver gezogen und haben gesagt: "Wir haben dort ein Haus gefunden, und wenn ihr da wohnen wollt, kostet das so und so viel". Das war nur ungefähr die Hälfte von dem, was man in Brooklyn sonst zahlt. Ich habe darüber nachgedacht und gesagt: Lass es uns machen. Jeremiah und ich haben darüber gesprochen und sind dorthin gezogen. Als wir dann da waren, waren wir sehr glücklich über eine tolle Musikszene. Ich glaube, viel wissen gar nicht, dass es dort so etwas gibt. Allerdings existieren wohl viele Orte, die eine große Musikszene haben und von denen man das gar nicht weiß. Wir sind dort auf eine wahre Goldader gestoßen: Leute, Musik, all solche Sachen. Geplant haben wir das nicht, es war einfach günstig.

Mittlerweile haben sich eure Tonträger millionenfach verkauft, eure Konzerte sind ausverkauft. Meint ihr, dass ihr euch an diesen Erfolg gewöhnen könntet?

(Nely lacht)

Wesley: Na, was meint ihr?

Ben: Ich glaube, jeden Tag gewöhnen wir uns ein bisschen mehr daran. Der Erfolg wird jeden Tag größer und größer. Ich weiß nicht, ob wir uns davon ein bisschen distanzieren können. Wir holen auf, sagen wir es mal so.

Was habt ihr denn noch für Ziele?

Ben: Das, was wir gerade machen!

Nely: Ja, wir leben das gerade – wir haben eigentlich alles erreicht. (lacht)

Wesley: Es war wirklich ein tolles Jahr. Ich glaube, ein Ziel wäre wirklich noch, Songs auf der Straße, auf Tour schreiben zu können. Das ist nämlich ziemlich schwierig - für mich jedenfalls. Da ist eines meiner Ziele.

The Lumineers © Universal Music Fotograf: Universal Music Detailansicht des Bildes Der Sound von The Lumineers ist emotional, modern und bodenständig zugleich. Nely: Ich glaube generell, dass wir uns an das Leben auf Tour noch gewöhnen müssen. Das machen wir gerade eher gezwungenermaßen. Wir haben gelernt Musiker zu sein – aber wir haben nicht notwendigerweise gelernt alles andere zu machen (Wesley lacht). Es ist ein Lernprozess, sein Leben auch auf der Tour weiter zu führen – und es zu genießen, immer unterwegs zu sein.  

Eure Konzerte sind teilweise schon Monate vorher ausverkauft. Wenn man denn das Glück hat, mal ein Ticket zu einer Show zu ergattern, was erwartet einen dann als Zuschauer bei einem Lumineers-Konzert?

Wesley: Wir stehen zu fünft auf der Bühne – hier sind wir jetzt zwar nur zu dritt, aber sonst sind wir zu fünft. Es ist also sehr dynamisch, hört sich ein bisschen größer an und hat viel Energie. Es ist nicht unbedingt so, als würde man sich unsere Platte anhören, wir spielen unsere Songs nicht einfach so runter. Wir hoffen, dass es ein Erlebnis ist, das wir immer wiederholen wollen. Natürlich immer ein bisschen anders. Wir haben gerne eine gute Live-Show, wir machen das ja auch schon eine Weile und machen das mit Stolz und arbeiten da stetig dran.

Vielen Dank für das Gespräch!

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ndr2/musik/interviews/thelumineers115.html
Albumtipp
CD-Cover: The Lumineers – "The Lumineers" © UID/ Decca
 

Album-Check: The Lumineers

N-JOY

Folk-Musik aus den USA. mehr