Musikwunsch
Udo Lindenberg live am 12. März 2012 in Hamburg © NDR 2 Fotograf: Mirko Hannemann
 

Ihr Lieblingshit im NDR 2 Hit-Mix

Hier geht's zum Musikwunsch-Formular für den NDR 2 Hit-Mix. mehr

 

Interview

Foals: Kaum noch ein Geheimtipp

Die englische Band Foals, 2012. © Warner Music Group Detailansicht des Bildes Die Indie-Band Foals gastierte im März 2013 in der Markthalle Hamburg. In ihrer Heimat England sorgen sie auf der aktuellen Tour für ausverkaufte Häuser. Auch hierzulande sind die Foals auf dem besten Weg, ihren Status als Geheimtipp hinter sich zu lassen, was sie auch auf der aktuellen Deutschland-Tour beweisen werden. Sänger Yannis Philippakis saß zwar noch im Flugzeug, aber NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff hat seine Bandkollegen Walter Gervers (Schlagzeug) und Jimmy Smith (Gitarre) vor ihrem Gig in der Hamburger Markthalle interviewt.

Schön, dass Ihr da seid. In Deutschland seid Ihr noch Newcomer, in England ist Eure Tour ausverkauft. Wie fühlt sich das an, sich hier noch beweisen zu müssen?

Walter: Obwohl  wir schon seit ein paar Jahren in Deutschland spielen und auch Fans haben, haben wir den Durchbruch noch nicht geschafft. Da wartet noch harte Arbeit auf uns. Trotzdem sind wir froh, wieder hier zu sein.

Jimmy: Natürlich ist es großartig, ausverkaufte Konzerte zu spielen und ein Publikum zu haben, das von Anfang an bei der Sache ist. Aber manchmal fehlt mir die Herausforderung, die Leute erst mal für mich gewinnen zu müssen. Denn am Ende der Show ist es wie eine Belohnung, wenn man merkt, dass man alle von sich überzeugt hat.

Ihr habt im letzten Jahr für die Red Hot Chili Peppers die Konzerte eröffnet, europaweit und auch in Deutschland. Erzählt mal was über Eure Erfahrungen, bitte.

Jimmy: Wir waren in Berlin und München.

Walter: Und in Hamburg auch.

In gigantisch großen Arenen.

Die englische Band Foals, 2012. © Warner Music Group Detailansicht des Bildes 2011 spielte die Band um Sänger Yannis Philippakis als Vorgruppe der Red Hot Chili Peppers. Jimmy: Mehr Herausforderung geht nicht. Wir haben nämlich nicht nur in Europa mit ihnen gespielt, sondern auch in Südamerika. Und dort gab es ganz andere Größenverhältnisse, da sind wir in Fußballstadien aufgetreten. In Peru waren wir sogar die erste Band, die das neue Stadion "einweihen" durfte - vor 60.000 Hardrock Fans (schmunzelt). Wir dachten, das kriegen wir hin, schließlich rocken wir auch ordentlich. In Europa war das Publikum dann aber doch noch etwas netter zu uns. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Musik vor so vielen Leuten spielen können, die uns sonst nie gehört hätten. Das war schon mal ziemlich gut.

Haben Euch die Chili Peppers ausgesucht?

Jimmy: In gewisser Weise ja. Schon möglich, dass man ihnen ein bisschen die Pistole auf die Brust gesetzt hat, wir haben nämlich das selbe Management wie sie. Aber die Band will schon wissen, wer mit ihnen spielt. Manchmal hört man Horrorstories über große Bands, die ihren Support wie Dreck behandeln. So wurden wir aber nicht behandelt, sondern eher mit dem größtmöglichen Respekt. So sollte es auch sein. Egal in welcher Band man ist, im Herzen sind wir doch alle Musiker.

Als Indie-Act einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu werden – wie geht Ihr damit um?

Walter: Das ist die nächste große Herausforderung: In einer Maschinerie wie der Musikindustrie überleben zu können und dabei integer zu bleiben. Man kann auch mit 40 Jahren Millionär sein, weil man mal in einer Band war, aber das heißt nicht, dass einen das auch zwangsläufig glücklich macht. Oder man verändert sich auch einfach mit der Zeit, passt sich den Gegebenheiten an und fängt an, sich entsprechend für ein größeres Publikum und größere Konzerte, höhere Plattenabverkäufe zu verändern. Wenn es Dein Wunsch ist, groß rauszukommen. Für uns ist das schon interessant. Wir versuchen, die ursprüngliche Vorstellung von dem, was die Foals sind, am Leben zu halten. Ohne uns zu verbiegen.

Heißt das, nicht groß und berühmt werden zu wollen?

Walter Gervers und Jimmy Smith beim Interview mit NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff. © NDR 2 Detailansicht des Bildes Walter Gervers und Jimmy Smith beim Interview mit NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff. Walter: Nein, wir wollen schon groß werden. Mit dem Ruhm haben wir es nicht so, aber wir möchten unsere eigenen Fußballstadien in Südamerika füllen. Aber zu unseren eigenen Bedingungen. Wir sind seit 2005 zusammen und wachsen beständig. Auf eine natürliche Weise. Wir brauchen keinen, der mit einer Spritze ankommt und uns Hormone einpumpt.

Wir von NDR 2 haben ein Newcomer-Festival in Göttingen, in das Ihr auch ganz gut passen würdet. Eure Heimat Oxford hat ja was mit Göttingen gemeinsam, beide sind Uni-Städte. Meint Ihr, da gibt es einen Zusammenhang, dass solche Städte für Musikszenen relevant sind?

Walter: Für unseren Sänger Yannis und Edwin (Congreave, Keyboard und Saxofon, Anm.d.Red.), die aus Oxford sind, kann man das nicht behaupten. Die waren schon zum Studieren dort. Aber vielleicht hat sie das in der Weise beeinflusst, dass ihnen klar wurde, dass sie gar nicht studieren wollten.

Jimmy: Und ich bin der Einzige, der einen Abschluss hat. Und das, obwohl mir auch während der Studienzeit klar wurde, dass ich Musiker werden wollte. Denn zu 80 % der Zeit lag ich zu Hause auf meinem Sofa rum und habe Sitar gespielt.

Letzte Frage: Was kann man von Euch live erwarten?

Jimmy: Viel Gutes. Wir haben inzwischen Material aus drei Alben, die wir alle live spielen wollen. Uns fällt es schwer, Setlisten zu machen, weil wir wirklich nicht gern etwas auslassen. Und ich kann mir vorstellen, dass es für unser Publikum spannend wird, die Live-Umsetzungen der Songs aus dem neuen Album zu hören. Denn die klingen schon anders als im Studio. Wir nutzen keine Hilfsmittel, wir wollen niemanden bescheißen, sondern einen Sound machen, der nur von uns Fünfen stammen kann.

Danke für das Gespräch!

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ndr2/musik/interviews/thefoals101.html
Übersicht

Interviews von A - Z

Alle NDR 2 Interviews sortiert nach Alphabet. mehr

Reporterin
NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff © NDR 2 Fotograf: Jochen Moseberg
 

Kristina Bischoff

NDR 2 Reporterin