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Interview
Vor ihrem Auftritt im Hamburger Grünspan am 9. Juni 2010 führte NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff das Interview im Tourbus der Band - sie sprach vor allem mit Roy Stride (Gesang, Keyboards, Gitarre und Songwriter) und Greg Churchhouse (Bass). Schlagzeuger Pete Allen leistete gelegentlich einen Einwurf.
Britische Band "Scouting For Girls" mit NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff (Juni 2010)
Ihr kommt als Band sehr natürlich rüber und habt euren Erfolg auch der Nähe zu den Fans zu verdanken. Geht das bei dem wachsenden Erfolg überhaupt noch?
Roy: Oh ja, wir bemühen uns, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Man kann uns an unsere E-Mailadresse schreiben - wir lesen jede einzelne und versuchen auch, alle zu beantworten.
Greg: In letzter Zeit war das schwierig, da war der Eingang regelrecht verstopft, aber wir halten uns ran.
Roy: Auf Konzerten stehen wir schon für Autogramme zur Verfügung und in Deutschland, wo es erst langsam mit uns losgeht, können wir auch mit den Fans zusammen abhängen. Gestern in Köln haben wir nach dem Gig noch ein Bier mit ein paar Leuten getrunken.
Greg: Wenn die Leute sich Zeit nehmen zu unseren Shows zu kommen oder unsere Platten kaufen, ist das das Mindeste, was wir ihnen zurückgeben können.
Roy: Es ist uns eine echte Ehre, das zu tun, was wir machen. Daher geben wir gut auf unsere Fans acht!
"Es ist uns eine echte Ehre, das zu tun, was wir machen." Die britische Band Scouting For Girls
Im Booklet zum neuen Album habt ihr auch davon gesprochen, dass ihr stolz auf die Produktion seid, aber dass ihr euch noch mehr freut, sie live vorzustellen. Was ist am Live-Spielen schöner?
Greg: Es ist ein so unglaubliches Gefühl auf die Bühne zu gehen. Egal, ob man dann vor 20 oder vor 20.000 Leuten spielt, man fühlt sich immer so wahnsinnig euphorisch.
Roy: Meistens. (Lacht) Wir haben uns immer gerühmt, eine gute Live-Band zu sein. Und was wir daran lieben, ist während des Auftritts eine Verbindung mit dem Publikum zu haben. Aber auch alles andere trägt dazu bei. Wir als Band sind Freunde, seit der Gründung vor 15 Jahren. Und so fühlt sich alles an wie ein Dauer-Urlaub. Mit ...
Greg: ...ganz netten Jungs.
Roy: (Lacht) Die nicht immer kompetent sind, aber sympathisch!
Ihr habt euch in der Schule als Band zusammengetan. Seid ihr dort schon mit der Einstellung rangegangen, eines Tages richtig berühmt zu werden?
Greg: Es ist toll, seine ganze Zeit damit zu verbringen. Manchmal fragen uns die Leute: 'Und, was macht Ihr in eurer Freizeit?' Dann sage ich: 'Ich will keine Freizeit ohne Musik, dafür liebe ich sie zu sehr!'. Schon abgefahren.
Roy: Ich war von Anfang an von unseren Songs überzeugt. Und davon, dass wir live gut sind. Klar, das sind andere Bands auch. Aber ich glaube, der Grund, dass wir heute hier sind, ist der, dass wir die ganze Zeit am Ball geblieben sind. Mit 15 bist du der Coolste in der Schule, wenn du in einer Band bist. Mit 17 auch noch. Aber wenn du das mit 21 oder 26 immer noch tust?
Greg: Das ist dann der Zeitpunkt, wo die anderen dich fragen, ob du dir nicht langsam mal 'nen vernünftigen Job suchen willst.
Roy: Aber dank unserer Fans und den Medien wie Internet (myspace) konnten wir aus unseren Teilzeitjobs aussteigen, uns schon mal die eine oder andere Unterhose neu kaufen und haben heute sogar einen Manager und alles, was eine Band sonst noch so braucht.
Ihr erstes Album landere prompt auf Platz eins der britischen Charts: die Poprock-band Scouting For Girls.
Für euer neues Album habt ihr 50 Songs zur Auswahl gehabt, jetzt hat das Album eine ganz normale Länge, zehn Songs. Wie wählt ihr die Songs aus?
Pete: Miteinander. Und mit unseren Managern.
Roy: Und wenn einer unserer Manager und meine Freundin denken, dass ein Song wirklich gut ist, dann muss er das sein. Denn Freundin und Manager haben sonst einen eher entgegengesetzten Geschmack. Findet hingegen meine Freundin einen Song schlecht, der Manager aber nicht, dann vertraue ich in dem Punkt meiner Freundin.
Die Songs auf eurem letzten Album waren fast alle Liebeslieder. Ist das auf dem neuen Album auch so? Oder seid ihr thematisch abgewandert?
Roy: Ich glaube, Phil Spector (Anm. d. Red.: britische Produzentenlegende der 1960er Jahre) hat mal gesagt, die besten Songs handeln von den ersten oder letzten fünf Minuten einer Liebesbeziehung. Das sind Erfahrungsmomente, die jeder kennt.
Greg: Wer interessiert sich für das, was dazwischen liegt? (Lacht).
Roy: Ich sehe das auch so. Und daher ist das immer ein guter Ausgangspunkt, einen Song zu schreiben.
CD-Cover von "Everybody Wants To Be On TV", das Debütalbum von Scouting For Girls.
Das Album heißt "Everybody Wants To Be On TV". Wie seid ihr auf den Titel gekommen? Besteht da eine Abneigung gegen schnellen Ruhm?
Greg: Nun ja, da draußen gibt es schon eine ganze Menge "Reality TV- Formate". Einige sind ganz gut, andere nicht so.
Roy: Du liebst doch alle!
Greg: Ja stimmt, einiges ist so schlimm, dass man schon wieder hingucken muss, und andere Formate sind sowieso richtig toll. Daraus können klasse Künstler hervorgehen. Nimm den Eurovision Song Contest.
Pete: Herzlichen Glückwunsch, übrigens. Toller Song von eurer Lena. (ironisch) Wir waren auch ganz annehmbar.
Greg: Also ganz offensichtlich mag ich daher Reality-TV.
Roy: Außerdem fanden wir, dass das ein zündender Titel für ein Popalbum ist.
Letzte Frage: Wie geht ihr mit Ruhm um, beziehunsgweise gibt es auch was, das an eurem Job negativ ausfällt?
Roy: Diese ganzen Interviews!! (Lacht) Nee, wir haben wirklich viel Spaß an dem, was wir tun.
Greg: (lacht) Noch.
Roy: Nee wirklich, Leute treffen, über Musik reden, das würden wir sowieso tun. Wenn wir uns in einer Bar begegnen würden, wäre ich mir sicher, dass wir am Ende auch über Musik sprechen. Nur mit dem Unterschied, dass hier noch ein Mikrofon mit dabei ist. Ich denke, wir können wirklich froh sein, von dem, was wir lieben, auch leben zu können.
Vielen Dank für das Gespräch.