Interview

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Robert Francis: "Musik für harte Zeiten"

Der Sänger Robert Francis © Pressefoto Atlantic Records Fotograf: Pressefoto Atlantic Records Detailansicht des Bildes "Ich höre mich manchmal ziemlich mitgenommen und alt an," sagt der US-amerikanische Sänger Robert Francis. Deinen Song "Junebug" kennen unsere Hörer aus dem Radio. Kannst du uns ein bisschen über seine Entstehung erzählen?

Alle Lieder auf dem Album stammen aus der Phase, in der ich mich von 'nem Teenager in Richtung Mann entwickelt habe, besser kann ich das gerade nicht ausdrücken.
"Junebug" [zu Deutsch: "Maikäfer"/die Red.] schrieb ich, als ich es so richtig krachen ließ. Ich rauchte und trank 'ne Zeitlang so viel, dass ich irgendwann eine Lungenentzündung bekam. Da lag ich zu Hause auf dem Sofa, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, und spielte die Melodie auf der Bassgitarre. Dann hatte ich noch einen Text geschrieben, der hervorragend dazu passte. Der Song handelt vom Aufwachsen in einer schnelllebigen Stadt wie Los Angeles, wie die Zeit einen auseinander treibt, und wie solche Hollywood-Typen daran mitwirken. Das ist mir nämlich in einer fünfjährigen Beziehung passiert. Tja, das ist die Geschichte.

Du bist ja selbst noch nicht sehr alt - aber du klingst so reif. Was hat dich so reifen lassen?

Stimmt, ich höre mich manchmal ziemlich mitgenommen und älter an. Ich glaube, ich habe in jungen Jahren auch schon einige verrückte Erfahrungen gemacht. Ich komme aus einem Haus, das von Musik bestimmt wurde. Als ich zehn war, wollte ich schon die Schule schmeißen und lieber Musik spielen, um die Welt reisen. Aber, ich bin auch ein melancholischer Typ geblieben. Interessant eigentlich, dass die Songs so reif klingen. Muss wohl so sein.

Welches Gefühl motiviert dich mehr einen Song zu schreiben - Freude oder Traurigkeit?

Leider ist es so, dass Angst und Depressionen für die meisten Künstler den Antrieb bilden, kreativ zu werden. Das ist bei meinen Lieblingskünstlern nicht anders. Egal, ob Musiker oder Schriftsteller. Wenn ich froh bin, denke ich nicht ans Schreiben, dann hüpfe ich lieber durch die Gegend, oder was weiß ich. Ich schreibe, wenn ich nachdenklich bin, dann blicke ich auf Geschehenes zurück.

Was kannst du mit Musik und Texten ausdrücken, das anders nicht geht?

Robert Francis (Pressefoto/Atlantic/2010) © Pressefoto Atlantic Records Detailansicht des Bildes Der US-amerikanische Singer/Songwriter Robert Francis ist mit Musik aufgewachsen. Als ich sechs Monate alt war, legte mich mein Vater auf seinen Schoß und spielte dann stundenlang Klavier. Meine Mutter sang ständig. Meine Schwestern waren in Bands. So kam ich als Kind früh in Bars, um ihnen beim Spielen zuzuhören. Als ich neun oder zehn war, war ich mal in einem Club in Los Angeles, "The Mint". Und dort wurde ich erwischt, wie ich draußen auf einer Gitarre des Bandgitarristen von Harry Dean Stanton, meinem Lieblingsschauspieler, rumdudelte. Der trat da nämlich auf, mit einem Bluesprogramm, im weißen Anzug, mit 'nem Glas Whiskey. Zur Zugabe winkte mich dann sein Gitarrist auf die Bühne, hing mir Knirps eine riesige Gibson-Gitarre um. Und dann habe ich mein Solo gespielt. Dann kam auch noch Chaka Khan auf die Bühne und sang mit. Die musste sich zu mir runterbeugen. Ich spielte also als Neunjähriger mit diesen lebenden Legenden. Da wurde mir klar: Das ist, was ich unbedingt machen will!

Wo wir gerade bei großen Namen sind - hast Du Vorbilder?

Jemand wie Townes Van Zandt hat mir gezeigt, wie man sich in puncto Songschreiben weiterentwickeln kann. Also wie man die Furcht verliert, sein Inneres zu zeigen, auch wenn es düstere Gefühle sind. Und Bob Dylan. Und Bluesmusiker wie Mississippi John Hurt.

Wie kam der Blues zu Euch ins Haus?

Durch meine Schwestern. Aber auch durch einen frühen Mentor: Ry Cooder - einen der größten lebenden Blues- Gitarristen aller Zeiten, wie ich finde.

Da muss ich noch mal nachhaken. Hast Du wirklich von Ry Cooder gelernt, oder hast Du Dir seine Technik abgeguckt?

Sänger Robert Francis und NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff im April 2010 © NDR 2 Detailansicht des Bildes Sänger Robert Francis und NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff im April 2010 Nö, er hat mir schon ein paar Sachen auf der Gitarre gezeigt. Aber hauptsächlich habe ich ihn beobachtet. Und ich hatte die Möglichkeit, mich mit ihm zu unterhalten. Denn ich finde, man lernt am besten von einem Künstler, wenn man ihn beobachtet und sich sein Verhalten ansieht. Statt nur auf die Technik zu achten. Auf diese Weise habe ich 'ne ganze Menge gelernt.

Dein Album klingt zum Teil nach den 60ern. Hattest du dir das von vornherein vorgenommen?

Nein, das war nicht beabsichtigt. Das hat eher am Aufnahmestudio gelegen. Wenn wir diesen Raum betraten, war das so, als würden wir durch eine Art Zeitschleuse in die Sechziger eintreten. Wir waren in dem Studio, wo die Doors und Janis Joplin seinerzeit aufgenommen hatten. Es gab 35 Gitarren, 25 verschiedene Verstärker, und noch mehr altes Zeug. Wenn man auf solchen Originalen rumspielen kann, kommt der Sound auf ganz natürliche Art zustande.  

Wie klingt dein Sound? Wie würdest du deine Musik beschreiben? 

Schwer zu sagen. Manche Leute erinnert mein Live-Auftritte an Bruce Springsteen. Das ist natürlich nett, aber ich finde, ich interpretiere meine Musik auf meine eigene Art. Daher sehe ich mich selbst gerne als Frontmann, der zwar eine ganze Menge Stile kennt, aber sich mit niemand vergleichen muss. Jemand, der sein eigenes Ding macht.

Letzte Frage: Wie ist die Resonanz auf Dich? Was sagen Deine Fans?

Eine Mutter schrieb mir, dass sie sich wegen meiner Musik jetzt besser mit ihrer Tochter versteht, dass sie ihre Beziehung, neu zu schätzen weiß.
Einige Fans haben sich meine Songzeilen auf den Arm tätowieren lassen. Das schmeichelt mir sehr! Und es scheint, dass manche Fans sich von meiner Musik durch harte Zeiten haben begleiten lassen. Das freut mich natürlich auch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Kristina Bischoff im April 2010.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ndr2/musik/interviews/robertfrancis108.html
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