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Interview
Philipp Poisel beim Reeperbahn Festival 2008.
Mit seinem "Projekt Seerosenteich" ist Philipp Poisel gerade auf ausverkaufter Deutschlandtour unterwegs. In diesem Programm gibt es seine Songs akustisch arrangiert, in Wohlfühlatmosphäre und mit Kunst und Akrobatik venetzt auf die Bühne gebracht. Bald wird er aber einen ganz anderen Gig spielen, den auf dem NDR 2 Plaza Festival am 24. Mai in Hannover, Open Air und vor Zehntausenden von Zuhörern. Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion hat schon mal vorgefühlt, wie sich Philipp auf das Konzert vorbereitet.
Auf deiner aktuellen Tour geht’s ja eher kuschelig und intim zu, auf der Plaza Party erwartet dich eher das Gegenteil. Bist du dafür bereit?
Wenn es sowas gibt wie ein allgemeines Bild von mir, denkt man, "der Typ macht eher ruhigere Musik". Aber ich mag es auch, wenn es abgeht. Und es gibt auch bei uns Lieder wie "Als gäb’s kein Morgen mehr" oder "Zünde alle Feuer an", bei denen wir uns mega freuen die Sau 'rauszulassen und abzugehen. Dafür ist der Sommer da, die offene Bühne und Plätze, wo man sich ein bisschen mehr behaupten muss, aber wo man auch ein bisschen mehr Gas geben kann.
Wenn so ein großer Auftritt bevorsteht, wacht man da morgens schon ganz anders auf?
Philipp Poisel tritt inzwischen nicht nur in kleinen Location auf, sondern auch vor großem Publikum.
Das ist wie vor einer Matheklausur. Es gibt verschiedene Arten der Aufregung: Es gibt tatsächlich die, die morgens anfängt, wenn man aufwacht und man hat den ganzen Tag so ein leicht flaues Gefühl im Magen, bis zu dem Moment, wenn man auf die Bühne geht und denkt, das Herz explodiert gleich. Sachen wie das Plaza Festival gehören auf jeden Fall mit dazu. Allein schon, wer da mit uns an dem ganzen Tag noch auf der Bühne steht. Wenn es gut läuft, dann fällt es aber schnell von einem ab und man kann einfach eine gute Zeit auf der Bühne haben und die Musik genießen. Meistens ist es dann eh so, dass die Musik mich beruhigt oder mich in eine Stimmung versetzt, die dann mit Aufregung und Angst gar nichts mehr zu tun hat.
Jetzt spielst du auf der Plaza, bist einer der Headliner. Das hättest du dir vor ein paar Jahren auch nicht vorstellen können, oder? Anfangs hattest du es nicht leicht - du hast dich mal für ein Musikstudium beworben, den Platz aber nicht bekommen und bist auch schon im Chor gehänselt worden für deine Aussprache. Jetzt sind deine Konzerte ausverkauft – und die Menschen hören dich gern singen. Wie geht es dir damit?
Da bin ich auch sehr ambivalent. Es gibt wirklich Tage, da bin ich beim Soundcheck, sehe die leeren Plätze vor mir und denke "Ach, du grüne Neune, das kann doch nicht sein. Da sitzen heute Abend überall Leute, die hören sich an, was ich gerade so versuche zu machen". Und dann fällt es mir unheimlich schwer, mir vorzustellen, dass das jemand gut finden kann. Aber ich schwanke auch bei dem Gedanken, wie ich das finden soll.
Es gibt auch solche Tage, da bin ich begeistert, erstaunt und überrascht, was passiert ist. Man muss dann aber auch wieder, wenn man was Neues macht, vergessen, dass man so einen Status hat - sonst kommt man nicht dahin, wo man herkommt, an diese ursprüngliche Quelle, dieses Bedürfnis Songs zu schreiben. Das ist dann die Herausforderung, wenn man schon einen gewissen Erfolg erreicht hat.
Herbert Grönemeyer und sein Label haben dir dabei geholfen und dir einen Plattenvertrag angeboten. Was war das für ein Gefühl, dort aufgenommen zu werden?
Philipp Poisel am 11. Mai 2009 bei Hamburg Sounds in den Fliegenden Bauten.
Ich war immer offen für das, was passiert und habe auch immer gern mal Sachen ausprobiert. Es gab aber auch Leute, die haben gesagt, das ist Quatsch, das brauchst Du gar nicht erst zu versuchen. Und dann habe ich eine CD aufgenommen und habe ich mir nicht die Frage gestellt, was damit passieren soll oder wo das hingeht. Ich habe habe das gemacht, worauf ich in dem Moment Lust hatte. Dass ich damit aber mal Herbert Grönemeyer zu uns ins Konzert holen würde (lacht), daran habe ich mein ganzes Leben nicht geglaubt. Ich finde es heute noch absurd, aber es ist umso schöner sich mit Herbert zu treffen - ich denke mal, dass er bis heute nicht bereuen muss, was er da gemacht hat (lacht). Das ist natürlich ein cooles Gefühl, dass ich diese Chance bekommen habe.
Da sind wir alle froh!
Und dass sich auch beide Seiten so freuen, dass es den anderen gibt. Das sind sehr schöne Bedingungen, wenn man bei einer solchen Plattenfirma ist. Gerade Herbert, der auch Künstler ist, der aus dieser Ecke kommt und aus dieser Warte sein Label betreibt. Er lässt Freiraum für die Künstler auf seinem Label - das ist ein großartiges Geschenk, sich so frei bewegen zu dürfen.
Letzte Frage: Wie geht es dir, wenn du deine Lieder spielst?
Philipp Poisel beim Interview mit NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff.
Also im Idealfall ist da eine Offenheit, dass man sich diesem Moment nicht verschließt. Das bringt mich auch immer ein Stück weit zurück in die Balance. Die Gefühle und die Ängste und Sehnsüchte, die in einem sind, gehen ja dadurch nicht weg, dass man sich nicht mit ihnen beschäftigt, sondern sie gehen dadurch weg, dass man ihnen Raum gibt. Und Musik ist eine super Möglichkeit, sich ganz bewusst damit auseinanderzusetzen, die Dinge zu spüren und sich gleichzeitig auch wieder zu beruhigen, die Spannung aufzulösen. Deshalb kann ich mich in Musik sehr gut fallen lassen.
Danke für das Gespräch.