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Interview
Der Brite Newton Faulkner wurde als Sam Netwon Battenberg Faulkner geboren. Zwar ist er adlig, aber durch und durch Musiker.
In seiner Heimat Großbritannien ist Newton Faulkners drittes Album schon ein Nummer eins Hit, hierzulande steht "Write It On Your Skin" noch frisch in den Startlöchern. Mit seinem Bruder Toby und einer eigens für ihn angefertigten Gitarre im Schlepptau, kam er aus London zum Gespräch mit NDR 2, und zeigte neben viel Witz auch beim Live-Spiel reichlich Können.
Ich habe gelesen, du bist ein Gitarren-Virtuose. Papier ist ja geduldig, und ich habe das für PR-Gerede gehalten. Eben war ich hingegen von deinem Spiel beeindruckt. Erzähl einmal, was du alles machst, während du spielst.
Faulkner: Das, was ich mache, machen andere mittlerweile auch. Ich dachte einmal, ich hätte diesen Stil erfunden. Aber nur eine Woche lang. Also, der Gitarrenkörper lässt sich auch als Perkussionsinstrument benutzen. Neben dem Schallloch habe ich eine kleine Folie aufgeklebt, mit der man Kratz-Geräusche machen kann, wie man es auf meinem Album "Clouds" hören kann. Und dann probiere ich abgefahrene Saiten-Stimmungen aus und noch ein paar andere Tricks. Das macht ziemlich viel Spaß und ist so ähnlich, als wenn man mit dem Mund ein "Beatbox" macht. Du versuchst, aus einem Ding möglichst viele verschiedene Sounds herauszubekommen.
Du arbeitest mit Deinem Bruder, Toby, zusammen. Hat das Vorteile?
In seiner Heimhat Großbritannien hatte Newton Faulkner schon zwei Nummer-1-Alben.
Ich habe beinahe das ganze Album zusammen mit meinem Bruder geschrieben. Ich schreibe übrigens seit meinen Anfängen mit ihm zusammen. Meine Schwester hat angefangen, Fanartikel wie T-Shirts zu verkaufen. (Sie ist seine Managerin, Anm. d Red.) Ich habe es auch mit anderen Managern versucht, wirklichen Schwergewichten in der Branche. Aber das hat nicht gut funktioniert. Meine Art und das, was ich möchte, verwirrt sie einfach. Mir geht es nämlich nicht ums Geld. Und deshalb bin ich froh, jetzt mit Leuten zusammen zu arbeiten, die das, was sie machen, auch wirklich in der besten professionellen Absicht für mich tun und darauf achten, dass es mir dabei gut geht. Eine sehr schöne Abwechslung.
Alternativ leben und in den Charts auftauchen: Wie verträgt sich das?
Das kann ganz schön intensiv sein. Gerade die letzten Wochen hatten es in sich. Wir haben ein Baby und hatten zu Hause Motten in den Teppichen. Um die Viecher loszuwerden, wurden wir alle buchstäblich ausgeräuchert. In der Zeit waren wir auch noch mit Umbau beschäftigt. Und das war genau die Zeit, wo dann auch noch das Album rauskam. An dem Tag war ich in zu Hause, hatte die Gasmaske auf und war dabei, alles zu reinigen und in Kartons zu packen. Das war mit Sicherheit der Tag im meiner Geschichte, der am allerwenigsten mit Rock'n'Roll zu tun hatte (lacht). Da eine Balance zu finden ist schon nicht leicht.
Was hast du musikalisch dazu gelernt?
Ich mache es mir gerne schwer, vor allem beim Spielen.
Wieso?
Ich weiß nicht, wo das herkommt, weil ich sonst in allen Lebensbereiche versuche, es mir so leicht wie möglich zu machen. Nur beim Live-Spielen nicht. Da gehe ich gerne an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Ich glaube, dass es den Leuten gefällt, wenn sie merken, dass ich nicht etwas aus dem Hut zaubere, das für mich bequem erscheint. Die höchsten Noten, die ich singen kann, singe ich auf meinem Album in gleich vier Stücken. Meine Konzerte dauern auch immer länger, als sie sollen. Ich spiele meist zwei Stunden lang und auf drei Instrumenten gleichzeitig. Frag mich nicht, warum ich das tue. Ich glaube, die Herausforderung macht mir Spaß. Denn so komme ich weiter.
Wie schaffst du es, die Leute zwei Stunden lang bei Laune zu halten? Was sind deine Erfahrungen?
"Beim Spielen gehe ich gerne an die Grenzen meiner Möglichkeiten", sagt Gitarrenvirtuose Newton Faulkner.
Manchmal ist es total schön. So wie kürzlich in London. Da habe ich an zwei Abenden hintereinander gespielt. Die Leute am ersten Abend haben mitgesungen, total harmonisch, aber am zweiten Abend waren sie schon beinahe abstoßend. (Lacht). Nun, vielleicht nicht alle. Aber es gab da eine Frau, bei der kamen einige schlechte Eigenschaften zusammen. Sie hatte das Musikgefühl eines toten Wiesels, konnte keinen Ton halten. Noch schlimmer: Sie dachte, sie sei Pavarotti und hat in einer Lautstärke gesungen, die sogar die Anlage übertönt hat! Das hat dann nicht nur die Leute genervt, die ihr zuriefen, sie möge aufhören, sondern hat dann auch noch mich streckenweise rausgebracht. Das war aber auch komisch.
Deine Kollegen wie Ed Sheeran oder Ben Howard brauchen auch keinen Glamour, um mit ihren Songs zu überzeugen. Braucht es überhaupt Glamour in deinem Business?
Ich bin das totale Gegenteil von glamourös. Neulich fuhr ich mit meinem Bruder, meiner Schwester, meiner Freundin und unserem Sohn nach Cornwall, um dort einen Gig zu spielen. Da war mein neues Album gerade eine Woche draußen. Wir saßen in diesem Zug, eine siebenstündige Fahrt, das war ganz schön anstrengend. Und wir waren schwer bepackt, mit einem großen Rucksack, zwei Gitarren, Kindersitz und Kinderwagen. Wir kommen in den Zug, der auch noch überfüllt ist, und finden nur noch Plätze direkt neben der Toilette. Und mein Bruder und ich wundern uns: "Guck mal, wir hatten zwei Nummer-Eins-Alben und eins auf Nummer drei, und wir reisen immer noch in der Bahn neben dem Toilettenwagen, genau wie vor 15 Jahren. Das ist doch zum Totlachen!" Aber das gehört anscheinend zu mir. Ich mag Züge, ich mag es, zu den Menschen unterwegs zu sein. Darum bleibe ich wohl auch dieser Art des Reisens treu.
Danke für das Gespräch.
Das Gespräch führte NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff.