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Interview
"I Blame Coco" alias Eliot Paulina Sumner.
Am Tag ihres Hamburg-Konzerts war sie zu Gast in den NDR 2 Studios: I Blame Coco alias Eliot Sumner, Tochter von Superstar Sting. 24 Stunden vorher war sie bereits in Hamburg angekommen und hatte ihren freien Tag mit einem Pub-Besuch gekrönt. Mit bleibendem Ergebnis: reichlich müde kam sie zum Interview, das aber trotzdem noch stattfinden konnte.
I Blame Coco lautet Dein Bandname. Wie bist du darauf gekommen?
I Blame Coco: Das hat viele Gründe. In den Fünfzigern gab es Coco den Clown, mein Bruder hatte so eine Puppe. Da kommt es wohl her. Aber mein richtiger Name ist Eliot, Coco ist nur ein Spitzname.
Wie möchtest du denn hier im Interview genannt werden?
Wie immer Du möchtest. Du kannst mich auch "Nigel" nennen.
Erinnerst Du dich noch an deinen ersten selbstgeschriebenen Song?
Ja, tue ich. Der hieß "Cato", war aber in sich nicht schlüssig. Ich war gerade 14, eben einfach noch zu jung, es gab nichts, worüber ich hätte wirklich schreiben können. Aber ich kann ihn noch spielen.
Zwischen dem Song und deiner Debütsingle liegen sieben Jahre. Jetzt hast du etwas zu sagen, deine Single "Selfmachine" ist derzeit unter den Top 40 der deutschen Singlecharts. Wie fühlt sich das an?
Großartig, auch merkwürdig, aber ich freue mich sehr. Schön ist es auch, dass ich dadurch in Deutschland Konzerte geben kann. Ich fühle mich nämlich sehr wohl hier.
Was kommt bei deinen Songs zuerst - die Geschichte oder die Musik dazu?
Es fängt mit einer Melodie an. Dann greife ich zur Gitarre. Und dann ist es so, dass die Melodie ihre Texte selbst schreibt. Die Musik erzählt die eigene Geschichte, eher als man sich vornimmt, eine Geschichte zu erzählen. Das Songschreiben ist ein unbewusster Vorgang: Sobald der Verstand zu sehr eingreift, ruiniert er alles Romantische.
Du spielst Klavier, Gitarre, Bass und Drums und bist deine eigene Rhythmus-Abteilung. Wie bist Du auf deinen eher elektronischen Sound gekommen?
Auf den bin ich erst gekommen, als ich die Songs zum Album schon fertig hatte. Wie war das noch? Ich habe Kraftwerk für mich entdeckt, eine meiner Lieblingsbands. Außerdem war ich zu dem Zeitpunkt noch in einer Phase, in der ich meine Meinung häufig geändert hatte. Ich wusste nicht genau, was ich wollte. Und so ist das Album ein Rock'n-Roll-Album mit Elektro- und Dance-Einflüssen geworden.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ein Porträt der britischen Sängerin I Blame Coco.
Ich bin echt schlecht darin, eine Bezeichnung zu finden. Vielleicht sowas wie dunkle Popmusik. Denn unter allem liegt etwas Dunkles, auch wenn sie vordergründig fröhlich klingt. Eigentlich handeln die meisten Songs von Traurigkeit - dahingehend sind sie wie eine optische Täuschung. Du glaubst einen fröhlichen Song zu hören, der ist es aber gar nicht.
Thema Eigenständigkeit: Wie unverwechselbar ist dein Sound?
Nun, ich denke, jeder Künstler versucht sich zu unterscheiden, man will doch nicht klingen, als sei man von anderen geklont. Das gibt es schon zu viel im Radio, ganz besonders in Großbritannien, alle Songs haben da dieselbe Akkordabfolge, nur die Melodien weichen etwas voneinander ab. Aber das reicht auch schon, ich möchte mich nicht weiter über Popmusik im Allgemeinen beschweren.
Wie kommt deine Musik in deiner Heimat an?
Was das betrifft, ist Großbritannien sehr langsam. Die Leute werden erst dann auf etwas aufmerksam, wenn man es ihnen direkt ins Gesicht hält. Das ist schon traurig. Ich hoffe, dass ich Amerika für mich knacken kann, und es dadurch auch zu Hause besser läuft. Allerdings haben wir in diesem Jahr für Großbritannien keine Pläne.
Was können wir bei der Live-Umsetzung deiner Songs erwarten?
Mir geht es so, dass ich eine Band erst wirklich beurteilen kann, nachdem ich sie live gesehen habe. Meine Band und ich, wir lieben Live-Shows. Wir werden reichlich Energie versprühen, rumrennen, ach ja, und auch Musik machen. (lacht)
Du machst den Job ja noch nicht so lange auf der Bühne, und selbst so alte Hasen wie Sharon Corr haben zum Beispiel noch Lampenfieber- wie sieht's bei dir damit aus?
Ich schlage mich sowieso schon jeden Tag mit Angst herum. Ja, ich habe Angst, die dann in Aufregung umschlägt. Einer der Gründe, warum ich keinen Kaffee mehr trinke. Also, nervös bin ich auf jeden Fall, aber das muss ich auch sein. Sonst gibt es keine gute Show.
Hast du einen Lieblingssong auf "The Constant"?
Die britische Sängerin I Blame Coco.
Die variieren. Für mich ist das aber so, wenn ich mir ein Album anhöre, dann überspringe ich immer ganz schnell die Singles. Dann fängt man an, die Tracks zu hören, die man vorher noch nicht gehört hat. Die Lieblingssongs auf meinem Album sind "The Constant" und "Play Right Fate".
Würdest du auch sagen, dass diese Songs dich am besten repräsentieren?
Ja, auf jeden Fall, Singles langweilen mich.
Was strebst du als Musikerin für Deine Entwicklung an?
Ich möchte gerne mal Zufriedenheit erlangen. Es geht darum, die Musik, die man macht, zu lieben - mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Und dass die Menschen sie dann gerne hören und sich damit verbinden können. Das möchte ich gerne schaffen.
Was macht dich glücklich?
Essen! Das macht mich sehr glücklich. Auf Tour bekommen wir nie ausreichend zu essen. Und heute hatte ich Lasagne. Die war super. Als Kind konnte ich die überhaupt nicht leiden. Das war immer so eine Sauerei, so schwabbelig, das war mir nicht ganz geheuer.
Letzte Frage: Wie hat sich dein Leben verändert, seitdem du als Musikerin im Leben stehst? Gibt es auch Nachteile?
Nein, ich sehe hauptsächlich Vorteile. Ich arbeite gerne, reise gerne, ich liebe Musik, ich spiele gerne Konzerte. ( kurze Pause) - nur der Kater am Morgen danach bringt mich um!
Danke für das Gespräch!
Das Interview führte Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion am 23.03.2011.