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Interview

Die Toten Hosen: Kein bisschen leise

Andy Meurer und Campino von den Toten Hosen beim Interview mit Kristina Bischoff © NDR 2 Detailansicht des Bildes 30 Jahre und kein bisschen leise - dafür im Herzen immer noch Punk. Wie die Toten Hosen Teil einer Jugendbewegung wurden, und wieviel dieser Ideologie noch heute in ihnen steckt, erzählten sie NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff.

Von Eurem Ausgangspunkt, dem "Ratinger Hof" in Düsseldorf ins Mainstream Radio - in 30 Jahren Bandgeschichte. Hättet Ihr Euch vorstellen können, dass es für Euch mal so weit kommt?

Campino: Auf diesem langen Weg lernste Radiostationen kennen, von außen, von innen und dann wieder von draußen, und du nimmst es einfach, wie es kommt.

Andy Meurer: Es war nicht unser Hauptbeweggrund, im Radio aufzutauchen, aber es gibt dann doch die eine oder andere sehr gute Sendung, und das macht dann auch Spaß, da was zu machen. Das ist schon in Ordnung.

Aber denkt Ihr nicht bei Mainstream an Musik, mit der Ihr eigentlich nichts zu tun haben wollt?

Campino: Man muss es ja nicht hören. Mein Junge zieht gerade beinhart das Chartprogramm durch - der ist acht. Weil der von 'nem Klassenkameraden den Tipp bekommen hat, was der heißeste Sender in Berlin sei. Was ich nie hören würde. Aber mit der Zeit hämmern da alle Melodien so auf dich ein und bleiben so im Ohr hängen, dass du merkst, da ist nicht alles schlecht. Und ansonsten gibt es ja immer noch die heimische CD-Anlage.

Ihr habt als Punks begonnen. Könnt Ihr mir die Haltung erklären, die hinter Punk steht?

Sänger Campino von den Toten Hosen © dpa Detailansicht des Bildes Campino: Ich glaube, heutzutage ist das total schwer, über Punk zu reden. Ende der Siebziger war das 'ne Jugendbewegung, die klar definiert war und die klare Regeln hatte. Und es fiel uns viel leichter, uns dazu zu bekennen und zu wissen, wo da die Grenzen waren. Heute ist das ein total verschwommener Begriff, den jeder für sich interpretiert, und es gibt tausende verschiedene Richtungen, die auf Augenhöhe und alle gleich legitim sind. Ich möchte auch gar nicht für andere Punkbands sprechen, ich fühle mich deutlich verbundener mit Menschen, die damit gar nichts zu tun haben, teilweise. Also denke ich, ist es schwer genug, Sprachrohr der Toten Hosen zu sein, da sind wir auch fünf Individuen, und dabei wollen wir das auch belassen.

Wieviel dieser Haltung ist Euch denn geblieben?

Campino: Tatsache ist: Früher haben wir diese ganze Ideologie und Philosophie mit Löffeln gefressen, und das kriegste aus uns auch nicht raus. Beispiel: Eintrittspreise auf Konzerten, eine total vorsichtige Position in Werbung - also dass wir unsere Musik nie für 'ne Fernsehwerbung verkaufen würden. Die Art und Weise, unseren Hörern zu begegnen, unseren Anhängern, dass man immer versucht, auf Augenhöhe zu bleiben, auch wenn das ziemlich schwierig ist. Solche Dinge.

Finde ich cool.

Andy: Auch die Tatsache, dass wir bis zum heutigen Tag versuchen, alles selber zu machen. Das ist ja 'ne Kernidee vom Punkrock gewesen. Jeder geht hin und macht sein eigenes Ding, wir sind unsere eigene Plattenfirma, unsere eigene Konzertagentur und haben das eben selbst unter Kontrolle. Weil wir dann selber sagen können, was wir wollen. Das ist nicht immer ganz einfach, weil es auch mit Nerv verbunden ist.

Campino: Oder wie mit den Bands, mit denen wir auf Tour sind. Da hat sich in England und den USA die Unsitte eingeschlichen, "pay to play". Jemand zahlt Geld dafür, dass man vor 'ner großen Band spielen darf. Das finde ich abartig und ist gegen jede moralische Vorstellung. Jeder Musiker hat 'ne Würde. Und das ist für uns selbstverständlich, jeden zu bezahlen, der mit uns unterwegs ist. Auch wenn das nur 'ne kleine und symbolische Summe ist.

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Die Toten Hosen zu Gast bei Elke Wiswedel im NDR 2 Nachmittag © NDR 2 Fotograf: Jochen Moseberg
 

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