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Pink bei einem Auftritt. © dpa
 

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Interview

Interview

Christina Perri im NDR 2 Interview

von Kristina Bischoff

Sängerin Christina Perri.  Detailansicht des Bildes Mit italienischem Temperament und noch mehr Gefühl versehen, stellte sich Christina Perri den Fragen von Elke Wiswedel im NDR 2 Nachmittag, im Anschluss des Interviews traf sie auf NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff. Nebenbei spielte die Sängerin Songs aus ihrem aktuellen Album "Lovestrong" ein.

Ich war sehr gespannt, dich zu treffen, weil ich die Künstlerin kennen lernen wollte, die derart in der Lage ist, Gefühle in ihre Musik zu legen.

Oh danke, das freut mich.

Wie du bei Elke Wiswedel in der Sendung erzählt hast, begann deine Karriere am 30. Juni 2010, als deine Single "Jar Of Hearts" in der Tanzsendung "So You Think You Can Dance" gespielt wurde. Wie ist das, wenn man den Start der eigenen Karriere vor dem Fernseher betrachtet?

Ich war bei der Aufzeichnung sogar im Publikum dabei. Allerdings in der letzten Reihe. Aber ich muss sagen, dass ich da schon das Gefühl hatte, dass das Universum da etwas für mich startet. Ich hätte Dir nicht genau sagen können, was. Ich hätte nicht zu träumen vermocht, wie meine Karriere von dort an verlaufen würde. Aber ich hatte da so ein Bauchgefühl, dass etwas Gigantisches passiert.

Eine Freundin hat dir dazu verholfen. Hat die jetzt einen Ehrenplatz in deinem Leben?

Sängerin Christina Perri.  Detailansicht des Bildes Christina Perri lernte bereits mit acht Jahren Klavier zu spielen. Ich werde wohl mein erstgeborenes Kind nach ihr benennen. Sie hat so viel für mich getan, durch sie landete mein Song nicht nur in der Sendung, sie hat mir auch zu meiner Managerin verholfen. Mir Klamotten geliehen, mich gepusht, an mich geglaubt, und mich gesehen. Hinter die Barriere meiner Angst geschaut. Als ich nach Los Angeles kam, habe ich mich auch mal ausprobiert - hatte dann aber Schiss gehabt, wollte mich zurückziehen - aber sie hat das nicht zugelassen. Ohne sie wäre ich definitiv heute nicht hier.

Wie heißt die Dame?

Keltie Colleen. Die Allerbeste auf der ganzen Welt.

Was hat dich denn damals zurückgehalten?

Meine Nervosität. Deshalb dachte ich damals, ist es besser, wenn ich diesen Job erst gar nicht mache. Dann habe ich aber verstanden, dass es genau andersrum ist: Das Universum gibt Dir einen Hinweis, dass Du Dich genau um das kümmern solltest, wovor Du am meisten Angst hast. Ich habe schon mit 15 Jahren angefangen Songs zu schreiben, bin aber bis zu meinem 23. Lebensjahr nicht damit rausgegangen. Bis dahin habe ich die Furcht über mich siegen lassen. Bis ich dann schließlich losgelassen habe. 

Und jetzt können wir über den nächsten Hammer reden.  Ich weiß, dass du ein großer Twilight Fan bist. Jetzt hast Du den Titeltrack für den neuen Film gesungen. Ist es nicht großartig, dass dein Song über einen Ex dich bis zu einem Film mit Deinem Schwarm Robert Pattinson gebracht hat?

Sängerin Christina Perri.  Detailansicht des Bildes Schon als Jugendliche ließ sich Perri zahlreiche Tätowierungen stechen. Oh Mann, irgendwas muss ich richtig gemacht haben. Und ich weiß noch, dass die Herangehensweise an den Song für mich eher untypisch war. Ich musste mit Optimismus schreiben, wahnsinnig romantisch, und mit der Idee verbunden, dass es so etwas wie einen Seelenpartner gibt - was sich in meiner Erfahrung so noch nicht abgespielt hatte. Aber da ich so ein Twilight Fan bin, habe ich jeden Moment der Arbeit daran genossen.

Erzähl mal im Detail: Wie hast du den Song geschrieben? Hast Du dich vom Drehbuch inspirieren lassen oder warst du sogar am Set?

Also, im Juni des Jahres bekam ich einen Anruf - ob ich mir den Film vorab mal anschauen wollte. Ich habe daraufhin einen Kreischer ausgestoßen, den ich wohl nie wieder in meinem Leben so hinbekommen werde. Dann habe ich geheult, ein bisschen rumgeschwitzt, und als ich dann wieder runter gekommen war, dann ganz cool meiner Managerin gesagt: "Ach ja, den kann ich mir ja mal angucken."

Und dann habe ich den Film schließlich in so einem kleinen Vorführraum gesehen. Ich musste tausend Papiere unterzeichnen, durfte nichts verraten. Und dann saß ich da, mit lauter Business-Leuten, die gelangweilt auf ihren Telefonen herumtippten. Nur ich saß in der ersten Reihe, heulend, mitgehend, voll dabei. Es war wie in diesem Spiel - welches der Dinge gehört nicht hierher? Ich!  

Und dann ging ich raus und war voll zugedröhnt von diesem Film. Hast du den schon gesehen?

Nee, der ist hier gerade erst angelaufen!

Oh Mann, die erste Hälfte, gerade von der Hochzeit bis in die Flitterwochen - die Geschichte mit dem Vampirbaby mal ausgenommen, ist wohl die reinste Liebesgeschichte, die es je gab.

Sängerin Christina Perri.  Detailansicht des Bildes Für Christina erfüllte sich ein Traum, als sie den Titelsong "A Thousand Years" zum aktuellen Twilight-Film beisteuern durfte. Und das ist gut für mich und die Art, wie ich Songs schreibe. Ich muss voll eingenommen sein von Emotionen, sodass es mir den Atem raubt. Und dann kann ich mich ans Instrument setzen und loslegen. Und als ich aus dem Film kam, bin ich direkt nach Hause gegangen, randvoll mit Liebe, und habe den Song geschrieben.

Das hört man dem Song auch an.  Was meinst du, auf einer Skala von eins bis zehn, wie emotional bist du?

Eine Elfeinhalb! Aber daraus beziehe ich meine Inspiration. Also was macht's, wenn ich emotional und empfindlich bin. Ich brauche genau das.

Was meinst du, wenn es in deinem Leben diese Verletzungen, den Liebeskummer nicht gegeben hätte - könntest Du heute dann so schöne Lieder schreiben?

Nein. Ohne den Verlust und die Einsamkeit würde ich diese Stärke nicht haben. Darum heißt auch mein Album "Lovestrong", (Anm. d. Red.: etwa "liebesstark") was eine Wortschöpfung ist einerseits und dafür steht, dass ich bei allen Enttäuschungen nicht aufhöre zu lieben, immer wieder aufs Neue mit den Füßen zuerst in eine Begegnung einsteige. So lebt es sich auch besser, finde ich. Statt nur Mauern um sich zu errichten. Daher bedauere ich auch keinen einzigen Moment in meinem Leben.

Was waren für dich deine persönlichen Highlights bis jetzt?

Es gibt so viele, aber es sind wohl hauptsächlich die menschliche Verbindungen, die durch die Songs entstehen. Klar kann ich auch über schöne Schuhe und ein tolles Auto reden, aber wenn mir ein 14-jähriges Mädchen schreibt, dass da so ein Junge aus der Schule ihr das Herz gebrochen hat, und sie ihm daraufhin eine Zeile aus "Jar Of Hearts" entgegen schmettert:

"Just who do you think you are" ( Anm. d Red.: "Was glaubst du, wer du bist?") oder eine 40-jährige Frau während einer Scheidung Kraft daraus schöpft, dann habe ich das, was ich mir wünsche, und woraus sich meine Seele nährt.

Dein Song "A Thousand Years" hat mich zum Heulen gebracht. Gibt es Lieder, die das auch bei dir auslösen?

Christina Perri und NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff. © NDR 2 Detailansicht des Bildes Christina Perri und NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff. Natürlich. Ich hab schon als Kind damit angefangen. Vielleicht war ich ein bisschen neben der Spur, aber ich habe mich als ich klein war vor den Spiegel gesetzt, traurige Lieder angehört und dann angefangen zu weinen und mir dabei zugesehen. Das war meine Lieblingsbeschäftigung nach den Hausaufgaben. Meine Mutter dachte damals schon, dass aus mir mal ein ganz schräger Mensch werden würde. Und zu Songs zu heulen, die mich auf eine schöne Art berühren, das mache ich heute noch.  

Meine letzte Frage, was würdest du machen, wenn du dich nicht über Musik ausdrücken könntest?

Wow, ich glaube, dass ich ohne Musik nicht existieren könnte. Als ich drei Jahre alt war, habe ich mit dem Singen begonnen. Von ganz alleine, ich kann mich nicht an einen Moment erinnern, ohne Musik. Also, wenn es sie nicht gäbe, glaube ich, dann gäbe es keinen von uns.

Danke für das Gespräch!

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