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Pink bei einem Auftritt. © dpa
 

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Interview

Interview

Brooke Fraser: "Ich komme rüber wie eine warme Tasse Tee"

Die Sängerin Brooke Fraser vor schwarzem Hintergrund mit Indianderschmuck im Haar © Nirrimi Hakanson Detailansicht des Bildes Brooke Fraser ist am 15. Dezember 1983 geboren. Am 17. März heiratete sie den australischen Musiker Scott Ligertwood. Bereits drei Alben hat sie veröffentlicht. In ihrem Heimatland Neuseeland ist sie total angesagt. Aber auch Europa und die USA konnte Brooke Fraser bereits für sich begeistern. Kristina Bischoff traf die Sängerin im NDR 2 Studio:

Deine Stimme erinnert zum Teil an Joan Baez, der Sound auf "Something In The Water" hat was aus der Folk-Szene der 60er. Dann engagierst Du Dich für Umweltprojekte wie "Charity Water". Ist die Musik ein Vehikel, Dich auch für ernste Themen einzusetzen?

Ja, das stimmt so. Mir ist es wichtig, dass ich am Ende meines Lebens nicht darauf zurückblicke, wie viele Alben ich verkauft habe, sondern ob es mir gelungen ist, in der Welt etwas verändert zu haben.  

Es gibt einen älteren Song von Dir, der heißt "Albertine". Das Video wurde in Ruanda gedreht. Was kannst Du uns darüber erzählen?

Als ich 2005 dort war, wurde ich von einem Mann namens Joel herum geführt. Er hat mir einige Dörfer gezeigt, damit ich sehen konnte, wie die Menschen dort leben, und was sie am Nötigsten brauchen. Am letzten Tag meiner Reise teilte er mir ein Geheimnis mit, von dem noch nicht mal seine Kollegen wussten. Während des Genozids in Ruanda gehörte er zu den Tutsis. Und er hatte ein Mädchen von den Hutu gerettet, das Albertine hieß. Er hat sie mir sogar vorgestellt, ich habe sie in ihrer Schule besucht. Er hat mir das Versprechen abgenommen, von ihr zu erzählen, ich sollte einen Song über sie schreiben, und beschreiben, wie die Menschen dort leben. Das wurde zu einem Auftrag für mich, den ich dann angenommen habe.

"Flags" ist Dein drittes Album, das Deinen Star-Status  in Neuseeland und Australien untermauert hat. Hier in Deutschland wird es erst im Juni erscheinen. Aber vielleicht kannst Du uns schon ein bisschen Appetit aufs Album machen. Was hat es zum Beispiel mit dem Titel auf sich?

Den Großteil der Stücke darauf habe ich in den USA geschrieben. Ich habe einige Jahre dort getourt, und wann immer es mal längere Pausen gab, bin ich alleine umher gezogen, um zu schreiben. Ich war in den Bergen von Nord-Carolina und auch in Nordkalifornien. Da stehen unheimlich viele verlassene Hütten und alte Scheunen. Ich habe angefangen, mir Gedanken über die Menschen zu machen, wie sie einst dort gelebt haben. In meiner Vorstellung wurden sie zu so etwas wie wehende Fahnen. Fahnen sind für mich die Verkörperung von Identität, Kultur und Glaubenssystemen, die scheinbar andauern. Auf der anderen Seite sind sie auch sehr zerbrechlich, denn sie bestehen aus Stoff, an denen der Wind knabbert, bis sie zerfallen, und eine neue Fahne an ihrer Stelle aufgezogen wird. Es ist dasselbe mit uns Menschen. Wir haben alle ein reiches Leben, haben eine Identität, sind in der Lage, was aus unserem Leben zu machen. Und gleichermaßen sind wir so zerbrechlich.

Was sind Deine Lieblingssongs auf "Flags"?

CD-Cover Brooke Fraser - Something In The Water © Warner Detailansicht des Bildes Die Single "Something In The Water" erschien am 20. Mai 2011 in Deutschland. In Frasers Heimat Neuseeland landete die Single bereits auf Platz eins der dortigen Charts. "Something In The Water". Der macht mir immer noch Spaß ihn zu singen, ihn live zu spielen, und dann zu hören, wie die Leute ihn mitsingen. Er ist mein "Türöffner", wenn man so sagen will. Er hat es mir ermöglicht, an Orte wie diese zu kommen. Dann gibt es noch einen, der das genaue Gegenteil davon ist: "Crowes And Locusts". Der erzählt vom Leben in einer verlassenen Gegend, eine Art "Land- Tragödie". Dazu ist er episch lang, der längste Song vom Album. Als ich den fertig geschrieben hatte, habe ich festgestellt, dass dieser Song einen weiteren Schritt meiner Autorenqualität markiert. Darum mag ich den auch sehr gerne.   

Was hast Du noch für Stärken?

Oh. Also diese Stärke ist meine Schwäche zugleich. Ich denke, ich werde niemals eine Künstlerin sein, die Stadien rocken wird und einen großen Auftritt macht. Weil ich lieber auf der Bühne stehe und quatsche. Ich rede, rede und rede. Erzähle Geschichten, reiße Witze. Mein Publikum hat mir schon die Rückmeldung gegeben, dass es sich im Konzert bei mir anfühlt, als säßen sie zu Hause auf der Couch!

Dein Papa Berny Fraser war ein Stadienfüller. Der ist in ein Neuseeland berühmter Ex-Rugbyspieler. Hat das Deiner Karriere eigentlich eher genützt oder geschadet?

Ich glaube, das hatte sein Gutes. Musik und Sport sind doch eh zwei verschiedene Dinge, so gesehen bin ich nie in seine Fußstapfen getreten. Klar, am Anfang meiner Karriere hat das geholfen, dass mein Vater so ein bekannter Typ vom Sport war und die Leute mich als Tochter von Berny Fraser vorgestellt haben. Aber dann hat meine Musik angefangen, für sich zu sprechen. Heute wird mein Papa angesprochen:  Ach, Sie sind Brooke Frasers Vater? Jetzt ist es also genau andersrum.

Aus reiner Neugier- du bist Sängerin, aber in einem Video habe ich Dich ein Zungenpiercing tragen sehen. Hindert das nicht bei der Arbeit?

Ich habe es rausgenommen, war dann ein paar Monate unterwegs, dann ist es zugewachsen.

Als ich 13, 14 Jahre alt war, war meine Mutter gerade auf Geschäftsreise, da hab ich’s heimlich machen lassen. Ich hatte es, bis ich anfing, öffentlich aufzutreten. Ich habe nie einen Unterschied gemerkt, aber jemand anders schon. Als ich neulich auf 'nem Festival gespielt habe, hat der Soundmann meine Crew gefragt, ob ich ein Zungenpiercing hatte. Der konnte das nämlich hören, das fand ich schon sehr interessant.

Wie würdest Dich und Deinen Sound beschreiben?

Ich komme rüber wie ein warme Tasse Tee, zu der man Ingwerkekse reicht.

Interessant. Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Als Musikerin möchte ich mich weiter verbessern. Persönlich hoffe ich, dass ich stets bereichernde Verbindungen mit Menschen haben werde. Ich bin verheiratet, und ich hoffe, dass meine Ehe auch gut verläuft. Und in ein paar Jahren möchte ich auch gerne Mutter sein. Ich möchte auf jeden Fall noch ein paar gute Dinge machen, ehe ich diese Erde verlasse.

Letzte Frage: Wenn Du nicht Musikerin geworden wärest - wie hätte Dein Berufswunsch dann ausgesehen?

NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff mit Brooke Fraser © NDR 2 Detailansicht des Bildes Brooke Fraser im Interview mit Kristina Bischoff aus dem NDR 2 Team Ich habe immer geglaubt, ich würde mal Journalistin werden. Ich habe schon immer gerne geschrieben, ich liebe Worte und Geschichten. Das wird auch immer so bleiben, egal was in meinem Leben noch kommt. Ich hab mir immer vorgestellt, ich würde auf der anderen Seite des Mikrofons sitzen und all die Fragen stellen. Kann schon sein, dass ich das eines Tages noch machen werde. Das ist schon ein Wunsch von mir. Also falls ich mal was anderes machen möchte, dann das.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion am 23.05.2011.

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NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff © NDR 2 Fotograf: Jochen Moseberg
 

Kristina Bischoff

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