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Interview
Ben Howards Debüt-Album "Every Kingdom" ist am 3. Februar 2012 erschienen.
Sein Debütalbum "Every Kingdom" ist am 3. Februar 2012 erschienen. Grund genug für den 23 Jahre alten Folk- Musiker aus Südengland, zu einer Akustik- Session und einem anschließenden Interview bei NDR2 vorbeizuschauen. Mit an seiner Seite: India Bourne, Cellistin und Mitglied seiner Band.
Ben und India. Euer Debüt Album ist jetzt draußen. Nun seid ihr dabei, eure Songs endlich einem großen Publikum vorzustellen. Wie geht ihr die Sache an? Mit Mut oder eher mit Vorsicht?
India Bourne: Na ja, jetzt wissen wir, dass die Leute uns zuhören wollen. Ich würde schon sagen, dass das Lampenfieber zunimmt.
Ben Howard: Man muss schon mutig sein, um sich auf eine Bühne zu stellen und eine große Show zu machen. Ich habe es immer damit verglichen, ein hübsches Mädchen in einer Bar anzuquatschen. (India lacht). Wenn man erst mal bei ihr steht und mit ihr redet ist es leicht. Aber den Mut aufzubringen, um zu ihr rüberzugehen und sie anzusprechen, ist, worauf es ankommt.
Findest du es zeitgemäß, Folk zu machen?
Ben: Das ist keine Frage der Wahl, ob man diese Musik macht oder nicht. Ich spiele die Musik, die ich mag, die ich schon immer gemocht habe. Uns hat da auch keiner rein gequatscht. Wir hatten das Sagen über die Aufnahmen und was wir uns so vorgestellt haben. Ich spiele also die Musik, von der ich schwer beeinflusst wurde und es heute auch noch bin. Ich habe mir nicht bewusst vorgenommen, etwas zu machen, dem ein Genre anhaftet. Dass einem ein Genre verpasst wird, passiert dann von selbst.
Die Highlights aus dem Interview mit Ben Howard und India Bourne.
Ich habe gehört, ihr habt das Album in einer Scheune aufgenommen?
Ben: Ja, ganz in der Nähe von Indias Wohnort in Devon. Da steht die Scheune, die ihrer Mutter gehört. Eineinhalb Jahre waren wir da drin, haben alle Jahreszeiten miterlebt. Deshalb denke ich, dass der besondere Vibe, der auf diesem Album ist, stark von der Umgebung beeinflusst wurde.
India: Und wir haben uns alle dabei weiterentwickelt. Wir und auch die Songs. Jeder ist an sich eigenständig. Das kriegen wir auch von den Leuten zu hören. Von Woche zu Woche ändert sich der Favorit. Das Album scheint sich also auch jetzt noch zu ändern, weil unsere Hörer immer noch neue Seiten daran wahrnehmen. Und uns geht das auch so.
Eure Hörer kennen und schätzen das Resultat - nach langer Zeit und viel Arbeit.
Ben Howard trägt ständig ein Notizbuch mit sich, um Ideen für seine Musik aufzuschreiben.
Ben: Oh doch, man kann auch ganz schön frustriert sein. Wir haben ziemlich bald ein Whiskey-Verbot in der Scheune ausgesprochen. Ich hatte einen Abend mal etwas zu viel davon getrunken und dachte aber, das ist die entspannte Stimmung, die ich brauche, um einen bestimmten Song aufzunehmen, den ich auch gut spielen konnte. Ich wollte ihn also aufnehmen und ich habe es nicht hinbekommen. Dann fing der Frust an in mir hochzuschießen und dann brach ich zusammen und habe angefangen zu heulen. (Lacht.) Auch das kann passieren, gerade wenn man so intensiv an etwas arbeitet. Ich weine sonst nie, ich bin nicht der emotionale Typ. Wenn überhaupt, dann lege ich meine Emotion in die Musik. An dem Abend aber kam beides zusammen. Frust und Emotion. Zum Glück ist das aber nicht an der Tagesordnung.
Ben, wie schreibst Du Deine Songs?
Ben: Ich trage ständig ein Notizbuch mit mir rum. Aber meistens fehlt mir im entscheidenden Moment ein Stift. Ist echt wahr, am Anfang einer Reise stecke ich mindestens drei Stifte ein und verliere sie dann. Ich weiß nicht, wo die abbleiben, sie sind einfach weg. Gitarren-Griffe oder Melodien schreibe ich erst gar nicht auf, weil ich auch nicht wüsste wie.
Man darf eben nicht so zimperlich mit seinen Ideen sein. Ich glaube daran, dass die besten Ideen bleiben. Anderweitig hätte man ein Problem. So oft bin ich mit einer schönen Melodie im Kopf ins Bett gegangen und habe gedacht: Ach, an die erinnerst du dich morgen, dann kannst du sie festmachen. Und am nächsten Morgen war sie dann natürlich weg. Darüber darf man sich nicht ärgern. Das passiert.
Du scheinst dich sehr um Balance zu bemühen. Dazu passt, dass Du ein großer Surf-Fan bist. Hat sich die Erfahrung aus dem Surfen auf die Musik übertragen?
Ben: Da gibt es schon Ähnlichkeiten. Den Fokus auf etwas legen, zum Beispiel. Wenn du auf der Bühne stehst, dann kannst du nur an das denken, was in dem Moment zu tun ist. Ich glaube auch, dass das der Kick ist, den man aus Sport ziehen kann. Wenn man klettert, kann man an nichts anderes denken, als daran, wohin man am nächsten greifen wird. Oder wenn man eine Mannschaftssportart spielt wie Fußball, ist man so involviert, dass man sich auch nicht während des Spiels fragt, was man zum Frühstück gegessen hat. Dieser Fokus ist es, um den es dabei geht. Beim Surfen und der Live-Musik.
Ich gehe aber auch überhaupt gerne nach draußen. Und Surfen In England ist eine ganz andere Angelegenheit. Es ist kalt und dunkel im Winter, und das Meer ist braun statt blau. Also voll entgegen der Vorstellung vom Surfen in Kalifornien, wo man hinterher Ukulele am Lagerfeuer spielt. Hier sitzt man danach im Reisebus und raucht selbstgedrehte Zigaretten, während der Regen auf das Dach hämmert.
Letzte Frage: Wenn man Euch so erlebt, hat man den Eindruck, dass Ihr nicht nur Band sondern auch wirkliche Freunde seid!
Folk-Musiker Ben Howard (li.) im Interview mit NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff, re. Bandmitglied India Bourne
Ben: Quatsch. Alles Lüge! (Beide Lachen.) Wir kommen überhaupt nicht miteinander zurecht. Das liegt nur an unserer Plattenfirma, die uns tonnenweise Geld zahlt, dass wir nett zueinander sind. Und wenn nicht, dann gibt es ne Ansprache vom Boss.
Okay, ernsthaft...
Ben: Es macht Spaß miteinander. Es ist lustig. Der Punkt ist der, dass man die Dinge nicht zu ernst nehmen darf. Es ist wirklich schön, dass wir hier als Freunde zusammen sind, die sich schon so lange kennen.
Vielen Dank fürs Gespräch!
Das Interview führte Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion am 6. Februarar 2012.