Ihr Lieblingshit im NDR 2 Hit-Mix
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Interview
In Hanau geboren, aber schon mit sechs Monaten nach Großbritannien umgezogen: die britische Sängerin Arlissa.
In ihrer Heimat Großbritannien zählt die BBC die Musikerin Arlissa zu den Künstlern des Jahres, mit denen man rechnen sollte. Und auch hierzulande sorgt die Newcomerin mit ihrer ersten Single "Sticks & Stones" für Aufregung. Im NDR 2 Hit der Woche konnte sich Arlissa damit zum Beispiel gegen Bastille durchsetzen. Nun hat sich die sympathische 20-Jährige Zeit für einen ausgedehnten Besuch im NDR 2 Studio genommen - inklusive Unplugged-Aufnahmen und eines gelösten Talks mit Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion.
Bald gibt es dein erstes Album "Battles". Erinnerst du dich auch noch an deinen ersten selbstgeschriebenen Song?
Den habe ich mit vierzehn geschrieben. Da hatte ich nämlich auch meinen ersten Freund. Obwohl der streng genommen noch nicht zählt...
Mit ihrer Debüt-Single geht die 20-jährige Arlissa gerade auf Erfolgskurs. Im NDR 2 Studio sang sie eine gefühlvolle Unplugged-Version ein.
Also nur knutschen. (Beide lachen)
Trotzdem habe ich beschlossen, einen Song über diese Beziehung zu schreiben. Den habe ich "Falling For You" genannt, einfach lächerlich. Zu der Zeit gab es Youtube noch nicht, aber eine andere Webseite,"Meta-Café" hieß die, dort habe ich dann den Song gepostet. Und dafür habe ich dann richtig viele gute Kommentare bekommen, so dass ich beschlossen habe, weiter Songs zu schreiben. Auch wenn dieser hier echt grauenhaft war. (lacht).
Das erste Mal richtig aufgefallen bist du in einem Duett mit US-Rapper NAS. Da hast du ihm auf dem Song "Hard To Love Somebody" ja fast die Show gestohlen. Müsste das Duett nicht heißen Arlissa feat. NAS?
Wir nennen uns ja auf diesem Track Arlissa vs. NAS. Und das, obwohl das nicht mal mein eigener Song ist. Ein Freund von mir hat ihn ursprünglich geschrieben und mich gefragt, ob ich auf dem Demo singen wollte. Ich habe gesagt: "Klar, mache ich." Ohne mir was dabei zu denken. Und dann wollte NAS den Track auf einmal machen. Zwei Wochen nach der Demo-Aufnahme rief er an. Die ganze Sache mit ihm hat Spaß gemacht, obwohl der Song mit meinem Zeug nicht so viel zu tun hat.
Aber du bist dann ja doch zu ihm nach L.A. geflogen, um den Song aufzunehmen. Sicher kein schlechter Karriereeinstieg.
Auch darüber habe ich mir erst mal keine Gedanken gemacht. Eine Woche nach seinem Anruf bin ich nach L.A. geflogen, habe ihn getroffen, die Aufnahmen gemacht und zugesehen, wie auf einem bekritzelten Blatt Papier seine Raps entstehen. Er ist auch ein ganz entzückender Typ. Irgendwann war's vorbei. Er ging seiner Wege, ich dann meiner. Und erst im Flugzeug auf dem Rückweg kam ich zu mir und dachte: "Oh, mein Gott, ist das alles wirklich passiert? Das ist doch nicht normal!" Da war ich dann echt geplättet.
Hattest du zu dem Zeitpunkt eigentlich schon einen Plattendeal?
Schon in Aussicht, aber noch nicht unterschrieben. Da war diese Sache ein echter Glücksfall, der genau zur richtigen Zeit kam.
Wie kommen deine Songs eigentlich zustande?
Nachwuchssängerin Arlissa trifft NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff.
Das ist ganz unterschiedlich. Anfangs habe ich sie in Form von Briefen geschrieben. Entweder an mich selbst oder an die Person, um die es in dem Song auch ging. Auf diese Weise konnte ich schon mal alles auf Papier bringen, was ich sagen wollte. Danach habe ich einen Song daraus gebaut. Ich habe mich dafür mit meinem Nachbarn getroffen, der Gitarre dazu spielte. Manchmal haben wir auch so einfach herum gejamt, um Songs zu finden. Aber die Briefmethode gefällt mir doch besser.
Dazu passt ja auch, dass du einen ganz speziellen Sound für Dein Album gewählt hast.
Ja, der ist im Ganzen sehr perkussiv und im Stil der Single gehalten. Mit Tribal-Sounds. Als ich jünger war, habe ich viel die Musik meines Vaters gehört. Das waren Peter Gabriel und Kate Bush. Darauf bin ich abgefahren. Und nur, weil mein Vater weiß und meine Mutter schwarz ist, heißt das noch lange nicht, dass ich deswegen gleich R'n'B machen muss. Das kann schon nerven, dass Menschen mich gleich in diese Schublade stecken, ohne mich überhaupt gehört zu haben. (lächelt). Aber gleichzeitig ist das auch ein Grund, das weiter zu machen, was ich mache - um zu zeigen, dass diese Leute an dieser Stelle total falsch liegen!
Deine Stimme klingt echt ungewöhnlich. Wo kommt dieses spezielle Timbre her?
Ich weiß nicht, ich habe schon immer so geklungen. Allerdings wusste das lange Zeit nur meine Familie, anderen Menschen hatte ich nie vorgesungen. In meiner Schule gab's am Jahresende allerdings immer ein Theaterstück, in dem ich auch aufgetreten bin. Dort sagten sie, dass sie noch nie so eine Stimme gehört hätten. Ich wusste damals nicht, ob das nun was Gutes oder was Schlechtes ist. Ich hab das einfach so angenommen. Heute bin ich sehr stolz darauf, eine Stimme zu haben, die einen hohen Wiedererkennungswert hat. Anders sein macht eben Spaß!
Apropos Familie. Dein Onkel in Deutschland ist ein ganz besonderer Fan von dir. Der zieht auch schon mal los, um für dich zu werben, richtig?
Ja, damit ist er sogar meiner deutschen Plattenfirma in die Quere gekommen. Die haben nämlich Radiostationen mit meiner Single bemustert, auch in Hessen, bei HR3. Und die sagten meinem Label: "Die Single ist nicht neu, die kennen wir schon." Vorher hat nämlich mein Onkel wohl schon alle Radiosender in Hessen abgeklappert, nach dem Motto: "Das ist meine Nichte, die müsst Ihr spielen!"
Dein Onkel kommt aus Deutschland und du auch. Nämlich ursprünglich aus Hanau. Babbelst du Hessisch?
Nein. Ich bin zwar in Hanau geboren, aber mein Vater hat sechs Monate nach meiner Geburt einen Job in London angeboten bekommen, dann sind wir also schon weggezogen. Ich bekomme leider überhaupt keinen deutschen Akzent hin, und mein Vater hat mir auch nicht wirklich Deutsch beigebracht. (Schmollt ironisch) "Böser Papi".
Wie gehst du als Newcomerin mit den Anforderungen um, die das Business so mit sich bringt?
Es ist schon ein bisschen erschreckend, wenn man nicht genau weiß, was die Leute von einem denken, und dass man auch nicht voraussagen kann, was als nächstes kommt. Das kann stressen. Deshalb brauchst Du Leute um Dich, denen Du vertrauen kannst. Das nimmt dann schon die Last von den Schultern. Und dann kannst Du auch anfangen zu genießen, was Du tust. Dann brauchst Du auch nicht alles so ernst zu nehmen.
Danke für das Gespräch.