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Interview
Andreas Bourani hat mit 17 Jahren die Schule geschmissen und sich ganz der Musik verschrieben.
Er ist eine der überraschenden Entdeckungen des Musikjahres 2011: Andreas Bourani, Halb-Ägypter aus Berlin, der sich mit seinem Ohrwurm "Nur in meinem Kopf" nach nur wenigen Monaten Plattenvertrag bereits eine große Fangemeinde erarbeitet hat. Jetzt ist auch das Debüt-Album fertig: Zusammen mit seinem Freund und Gitarristen Julius Hartog hat Bourani nicht nur das Album "Staub und Fantasie" geschrieben, sondern auch NDR 2 Reporterin Kristina Bischoff Rede und Antwort gestanden. Hier das vollständige Interview.
Kristina Bischoff: Ich habe über Dich gelesen, dass Du mit 17 die Schule geschmissen hast um Musiker zu werden. Jetzt hast Du zehn Jahre danach Dein erstes Album auf dem Markt. Wie fühlt sich das an?
Andreas Bourani: Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ich die letzten zehn Jahre ununterbrochen Musik gemacht habe, so war das nicht. Aber ich habe die Schule geschmissen, weil ich diesen Traum hatte, auf der Bühne zu stehen, und das ist zehn Jahre her. Aber euphorisch bin ich schon. Ich bin dann auch in den Laden gegangen und habe geguckt, wie die CD im Regal steht, das war schon ein schönes Gefühl. Vor allem, wenn man weiß, was im Kleinen so alles stattfinden musste, das Artwork zum Beispiel, und dann die Texte im Booklet zu lesen, das war schon euphorisch.
Das macht Ina Müller zum Beispiel auch, hat sie uns erzählt.
Ja, das ist so ein Brauch. Ich weiß nicht, wer den erfunden hat, aber das soll Glück bringen, wenn man in den Laden geht und sich seine eigene CD kauft.
Über dich heißt es auch, dass Du schon mehrfach auf die Nase gefallen bist. Was ist Dir im Business widerfahren? Hast Du einen Tipp, worauf man achten sollte?
Ich würde niemanden vor Fehlern warnen. Man lernt aus Fehlern und schlechten Erfahrungen ganz viel - sogar mehr als aus Erfolgen. Erfolg haben ist wie gewinnen, das ist immer positiv, man kriegt den Zuspruch, aber wenn man merkt, ich bin gerade an einem Punkt, an dem man sich selbst verändern muss, da lernt man auf jeden Fall viel mehr. Ich habe da also kein Regelwerk.
Vorhin hat Martin Roschitz Dich gefragt, was Dich dazu bewegt hat, nicht aufzugeben. Warst Du denn stets frei von Zweifeln?
Nee, war ich nicht. Das habe ich auch nie behauptet. Ich habe auch gezweifelt. Das ist auch wichtig, um mal die Erfahrungen zu reflektieren. 'Bin ich auf dem richtigen Weg, was habe ich da gemacht, sind die Leute gut, mit denen ich zusammen bin, tun die mir gut?'
Und ich war dann auch mal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aber am Ende habe ich mich über Wasser gehalten und gesagt: 'Gib nicht auf!' Und ich habe auch super Freunde gehabt, und eine tolle Familie, die mich unterstützt hat, und nun hat’s geklappt.
Julius: Und ich glaube, es ist auch gut, wenn man zu zweit ist, wenn man Zweifel hat. Dann kann man sich gegenseitig aufbauen.
Andreas: Man hat einen guten Austausch, wenn man einen Freund hat, mit dem man darüber reden kann. Und wo man sich gegenseitig auffangen kann.
Dir sind die Texte wichtig - und sie sind auch schön. Was geht auf Deutsch sogar besser als auf Englisch?
Andreas Bourani live in Berlin im Januar 2011.
Ich bin in der englischen Sprache nicht so zu Hause, und ich finde, die deutsche Sprache ist absolut vielfältig, sehr bunt, und das empfinde ich bei der englischen Sprache nicht.
Da ist die Vielfalt an Adjektiven - man kann für jedes Gefühl Begriffe finden. Ich musste mich auch nie entscheiden, ob ich zwischen Deutsch oder Englisch wähle sollte. Ich habe halt angefangen auf Deutsch zu schreiben, weil ich wusste, dass ich mich so am besten ausdrücken kann. Wenn man etwas so Komplexes wie Emotionen ausdrücken möchte, dann kann man das wohl am besten in der Muttersprache.
Was ist Dein Traum, was möchtest Du mit Deiner Musik bewegen?
Was mich bewegt hatte, wenn ich aus einem Konzert kam, das war die Abwechslung. Da hört man einen Song, danach möchte man am liebsten Bäume ausreißen, ist völlig hin und weg, will tanzen. Danach gibt’s ein Lied, wo man nachdenkt, wo man in sich geht. Und das würde ich mir auch wünschen für die Konzerte: Menschen zu inspirieren. Für mich ist Musik auch Inspiration, und das wünsche ich mir auch von meiner Musik, dass man sich davon tragen lässt. Wenn die Leute die Platte einlegen und dann für eine Stunde ihren Alltag vergessen, dann ist das für mich ein Riesengeschenk.
Was sind deine Favoriten auf dem Album?
Es gibt einen Song, der heißt "Sicher". Der hat für mich auch eine bestimmte Bedeutung, da heißt es im Chorus "Das ist Dein Weg nach Haus". Für mich war der Weg nach Hause der Weg zurück auf die Bühne. Mein Traum halt. Ich finde, die Leute sollten an sich und ihre Träume glauben, an ihre Ideen glauben und nicht zu schnell aufgeben, wenn sich mal Hindernisse in den Weg stellen. Wenn man dranbleibt, zahlt sich das aus. Ich mag "Mit Der Zeit“ auch gerne, da geht es um Veränderung. Allgemein geht es auf der Platte viel um Veränderung, um Träume, darum, an sich zu glauben, um Fantasie. Und das sind zwei Songs aus dem Repertoire, die das gut zeigen.
Du klingst wie ein gesetzter Sänger, der sich auch schon mal traut, die Kopfstimme zu benutzen. Was ist denn typisch "Bourani"? Beschreib mal deinen Sound.
Das ist schwierig. Das ist genau so, wie wenn man sagt, wer bist du denn? Das ist genau die gleiche Frage. Oder wie, wenn man sich ein Bild anguckt und sagt, beschreib das mal: Wenn man sich das ansieht, dann hat man sein Gefühl dabei. Und das ist bei der Musik nicht anders. Ich würde sagen, es ist gute deutsche Popmusik mit 13 Titeln auf der Platte.
Auf "Du Und Ich Und Sie" singst Du: "Lass deine Träume blühen - kaputte Träume sind teuer". Würdest Du Deine Musik grundsätzlich als hoffnungsvoll bezeichnen?
Ja, die Texte handeln definitiv auch von Hoffnung, vom Weitermachen. Die haben eine positive Grundstimmung. Das finde ich immer wichtig. Das man nicht aufgibt. In jeder Hinsicht. Das zeichnet sich auch in der Musik ab.
Wenn du nicht gerade in Sachen Musik unterwegs bist, was treibst du dann?
Momentan ist es schwierig, da ich ja genau in dieser Mission unterwegs bin. Aber sonst mache ich das, was andere Leute auch machen. Ich fahre mit dem Fahrrad zum Baden an den See. Ich gehe gern ins Kino. Ich gehe joggen. Und ich koche sehr gerne. Da habe ich auch so eine zweite Leidenschaft für mich, ein Rezept herauszufinden, da habe ich Riesenfreude daran, das umzusetzen, und jedes Mal schmeckt’s anders. Das mache ich gerne abseits von Musik.
Letzte Frage: Was wünscht Du Dir für Deinen Weg?
Mit seinem Freund Julius (re.) war Andreas Bourani zum Interview mit Kristina Bischoff gekommen.
Ich wünsche mir, weiter Musik machen zu können. Und für den Sommer, dass wir viel spielen und ich auf den Bühnen die Menschen erreichen kann mit den Texten und ihren Inhalten. Die Songs live zu präsentieren, darauf freue ich mich besonders.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Kristina Bischoff aus der NDR 2 Musikredaktion am 14. Juni 2011.