Stand: 12.09.2015 01:25 Uhr  | Archiv

Cool, cooler, James Bay

von Patricia Batlle

Seit wenigen Tagen ist James Bay 25 Jahre alt. Ein nachträgliches Ständchen singen ihm die treuen Fans zwar nicht. Über mangelnden Enthusiasmus kann der Südengländer dennoch nicht klagen. Im Gegenteil. Nach dem ohrenbetäubenden Applaus, der ihm beim Gang auf die Bühne der Göttinger Stadthalle empfängt, gibt er mit der Band Tempo zu den Openern "Collide" und "Craving" - und muss das Publikum nach vier Liedern bremsen.

Erste Beruhigungsversuche nach vier Songs

"I'm gonna slow it down", ich kühle euch mal herunter, kündigt der schlaksige Brite mit seinem Markenzeichen, dem schwarzen Hut, an. Schade, es war gerade so schön. Eben noch gab man sich bei "If You Ever" den verlockenden Liedzeilen hin: "Wenn du jemals verliebt sein willst, komme ich vorbei". Stattdessen läutet der 25-Jährige bei "Move Together" das erste Balladen-Lichtermeer an.

Singend auf Zehenspitzen

Seine Energie ist auch in ruhigen Passagen ansteckend. Bei schnelleren Liedern beugt Bay sich derart auf die Zehenspitzen seiner Boots, dass man ihn im Konzertgraben wähnt. Der Hut und die dunkle Mähne bleiben dabei erstaunlich ruhig. Seine Grimassen indes wechseln zum Teil im Minutentakt. Sie signalisieren dem Publikum Coolness und Verschmitztheit. Und dennoch meint der Singer-Songwriter im nächsten Akkord seine Herzschmerztexte ernst - wie es sich für einen Vollblutmusiker gehört.

Steile Karriere in Großbritannien

Setlist

1. Collide
2. Craving
3. Fire
4. If You Ever Want To Be In Love
5. Move Together
6. Let It Go
7. Scars
8. Best Fake Smile
9. Hold Back The River

Nicht umsonst wird er als möglicher Aufsteiger in die Riege britischer Popgrößen wie Sam Smith (beim Soundcheck Festival 2014 ein absolutes Highlight) und Adele gehandelt. Sein mehrfach ausgezeichnetes Debütalbum "Chaos And The Calm" ist kein Jahr alt. Dennoch hat James Bay mit Größen wie Stevie Wonder und Neil Young auf der Bühne gestanden und für die Rolling Stones als Opener gedient.

Seine Musik, die er auf gefühlt zehn verschiedenen Gitarren spielt, reicht von kräftigem Rock über Folk mit Anleihen an Pink Floyd. Obwohl das zugegebenermaßen eine kleine musikalische Finte zum Schluss ist, um für ein paar Minuten vom offensichtlichen Finale abzulenken, auf das alle warmgesungenen Fans hinfiebern. Und dann gibt es kein Halten mehr und alle singen unisono im gelbroten Lichtermeer "Hold Back The River".

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