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Wolfgang Niedecken, Sänger und Songwriter der erfolgreichen Kölsch-Rock-Band BAP und das einzig noch verbliebene Gründungsmitglied, feierte vor wenigen Tagen im großen Stil seinen 60. Geburtstag. Ein gutes Alter, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. "Für 'ne Moment" heißt seine gerade erschienene Autobiografie. Das sind schon zwei von vielen guten Gründen, den Musiker für eine "Konzertlesung" im Rahmen der Reihe stars@ndr2 ins Rolf-Liebermann-Studio zu bitten. Niedecken las dabei nicht nur Passagen aus seinem Buch und lieferte dazu die passenden Lieder aus 35 Jahren BAP, mit dem NDR 2 Musikexperten Peter Urban sprach er über sein Leben und Projekte, die ihm wichtig sind.
Keine Zeit für Melancholie
Ob in Gesprächen oder in seinen Liedern - Wolfgang Niedecken sieht sich vor allem als Geschichtenerzähler.
Während des Gesprächs gab Niedecken einige Anekdoten zum Besten, erzählte zum Beispiel von einer skurrilen Begegnung im Zug ("Entschuldigung, sind Sie irgendwie prominent?"), die das Publikum mit einem herzlichen Lachen quittierte. Es gab aber auch nachdenklich Momente: Die Arbeit an seiner Autobiographie habe ihm in Erinnerung gerufen, dass ein großer Teil seines Lebens bereits verflossen sein. In eine längerfristige Melancholie verfällt die rheinische Frohnatur deshalb aber nicht. Solche Gedanken gingen auch wieder weg, sagt er: "Ich hab keine Zeit, ständig darüber nachzudenken: Wie lang hab ich wohl noch?"
Kein Wunder: Niedecken ist schwer beschäftigt, arbeitet nicht nur als Musiker und Künstler, sondern ist auch sozial engagiert: seit vielen Jahren setzt er sich für das Projekt "Rebound" ein, das Kindersoldaten in Uganda einen Weg zurück in die Gesellschaft ebnen will. Zwischen Arbeit und Freizeit trennt er dabei nicht. Muss er auch nicht, denn alles, was er tut, tut er mit Spaß: Der "schlimmste Moment" bei der Arbeit an seiner Biographie oder an einem neuen Album sei eigentlich, wenn alle sagen: "So, jetzt ist es fertig."
In seinem Buch erzählt Niedecken von seiner Kindheit im Nachkriegs-Köln ebenso wie von Konzerten mit den Rolling Stones.
Zeit, in Erinnerung zu schwelgen, hat der Kölner an diesem Sonntagvormittag aber doch. Ganze 45 Minuten dauerte es, bis der erste Song erklingt. Es ist "Für 'ne Moment" - "sozusagen meine Visitenkarte". Eigentlich merkwürdig, dass eine Band, die ausschließlich in kölscher Mundart singt, in ganz Deutschland mit so viel Begeisterung empfangen wird. Im Weiteren Verlauf wechselt Wolfgang Niedecken dann zwischn Gitarre und Lesepult hin und her und lies ausgewählte Passagen aus seinem Buch. Eine große Rolle in seinem Lebenserinnerung spielt natürlich sein Vater, der Lebensmittelhändler, der die Entbehrungen zweier Weltkriege erlebt hatte, und mit Besorgnis beobachte, wie sein jüngster Sohn sich für nichts interessierte außer Zeichnen und Musik. Um ein nie geführtes Gespräch mit Vater geht es auch in dem nach wie vor größten BAP-Hit "Verdamp lang her", der natürlich auch heute nicht fehlen darf.
Das Gespräch führte Moderator und Musikexperte Peter Urban (rechts).
Auch wenn ihm wahrscheinlich niemand böse war: Zum Schluss entschuldigte sich Wolfgang Niedecken noch bei seinem Publikum - leider habe er ein wenig überzogen. Und auch das, was er in den knapp zwei Stunden mitteilen konnte, wäre bloß die "Auswahl aus der Auswahl" aus dem, was er noch zu erzählen hätte ...
Für die Matinée im Rolf-Liebermann-Studio gab es keine Karten zu kaufen. Die Tickets wurden zu Beginn der Woche ausschließlich im Programm und online bei NDR 2 verlost.
Weitere Konzertlesungen mit Wolfgang Niedecken fanden am 11. April in Worpswede und am 12.4. in Oldenburg statt.
Folgende Lieder spielte Wolfgang Niedecken bei stars@ndr2: