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George Michael - präsentiert sich gewohnt lässig und souverän auf der Bühne.
"Ladies and gentlemen, the diva himself: George Michael!" - so soll Pop-Queen Madonna die verbliebene Wham!-Hälfte einmal anmoderiert haben. Wäre George Michael vor einem Jahr auf Tour gegangen, hätte es wohl heißen müssen: "Voilà, die Skandal-Queen!" Aber anstatt vor ausverkauften Hallen zu spielen, musste George Michael damals ins Gefängnis, weil er bekifft Auto gefahren war. Es war der letzte einer ganzen Serie von Skandalen. Jetzt, ein Jahr später, ist das alles Schnee von gestern. "Ladies and gentlemen, der großartige George Michael" hätte nun die Ansage in der Hamburger Arena lauten müssen.
Der großartige Musiker
"Der Gipfel meiner Karriere liegt hinter mir. Da kann man etwas riskieren", sagt George Michael über seine aktuelle Tournee. Und das tut er. Anstatt sich den Mainstream-Erwartungen zu beugen und seine nicht mehr ganz taufrischen Gassenhauer feiern zu lassen, hat der Brite ein eigenwilliges Programm gestrickt. Eigene Stücke, aber auch Songs, die er selber gerne mag, lässt er von einem Symphonie-Orchester spielen. Es ist ein ruhiger Abend in der Hamburger Arena, stimmungsvoll und getragen.
Sein Hüftschwung macht so einige Fans auch heute noch ganz wuschig.
Wer von den etwa 11.000 Fans auf Tanzbares wie "Fast Love" oder "Outside" gehofft hatte, wird gleich zu Beginn auf das richtige Gleis gesetzt. Statt laut und schrill startet die Show im Halbdunkel mit dem nachdenklichen "Through" - George Michaels Rückblick auf seine turbulente Musikerkarriere. "Plötzlich ist das Publikum so grausam", heißt es darin. Aber die Fans in Hamburg sind es nicht - sie jubeln als endlich der Vorhang fällt. Schließlich war George Michael seit fünf Jahren nicht mehr auf Tour und hatte sich ja ohnehin schon längst verabschiedet.
Ein Orchester als Begleitung
Gut 40 Musiker begleiten George Michael auf seiner "Symphonica"-Tour. Umklammert von einem Laufsteg in Form eines "M" stehen sie auf der Bühne im Mittelpunkt. Licht- und Videoeffekte begleiten die Show nur sparsam. Es geht um die Musik. Violinen, Kontrabass, Hörner, Saxofon oder Piano geben George Michaels Musik einen neuen Klang - und immer wieder gibt es Szenenapplaus für die Musiker, etwa wenn der Kontrabass verspielt das Intro zu "Cowboys And Angels" zupft. Wo andere Künstler sich von klassischer Begleitung verführen lassen und ihre Popnummern etwa mit Streichern geradezu überfrachten, geht George Michael ganz behutsam vor. Die Instrumentierung ist gelungen und zurückhaltend. Nur manchmal zeigt das Orchester wie viel Wumms in ihm steckt - etwa bei "Going To A Town", einem Rufus Wainwright Cover.
Mehr Tempo für den Schluss
Mit dem Pop-Duo Wham wurde George Michael weltberühmt.
Die geballte Kraft der Instrumente und ein Background-Sänger holen aus der Abrechnung mit Amerika die düsteren und kämpferischen Seiten hervor. Wegen solcher Momente wünscht man sich hin und wieder, George Michael würde dem Orchester mehr Raum geben und mehr Tempo machen. Doch der Brite lockert die Bremse erst zur Zugabe. "Are you ready to shake some ass?", ruft er und sämtliche Fans in der Arena sind auf den Beinen und reißen zu "Freedom" die Arme in die Höhe. Vorher dagegen lautet die Devise Augen schließen und genießen.
Für die Tour hat George Michael viele Stücke vom Album "Songs From The Last Century" aus dem Jahr 1999 ausgewählt - etwa Nina Simones Swing-Perle "My Baby Just Cares For Me" oder Bing Crosbys "Brother Can You Spare A Dime". Auch bei aktuellen Popstars bedient sich George Michael. Der New-Wave-Hit "True Faith" von New Order etwa kommt befreit von allen treibenden Rhythmen geradezu sphärisch daher. Selbst vor R&B-Diva Rihanna schreckt George Michael nicht zurück. Mit einer Mischung aus Streichern, Blechbläsern, sanften Elektrowabern und pulsierendem roten Licht gelingt ihm eine ganz ungewohnte Version von "Russian Roulette".
George Michaels Stimme überzeugt
Andere Songs wiederum verlieren an Glanz, weil George Michael zu sehr auf der Bremse steht. "Roxanne", der frivole Rotlicht-Klassiker von The Police wird bei ihm zur unverfänglichen Dinner-Untermalung. Für seinen Tourauftakt hatte sich George Michael Ende August mit der Prager Staatsoper eine spektakuläre Kulisse ausgesucht. Auch andere berühmte Konzerthäuser stehen auf dem Tourneeplan. Häuser, mit denen die Hamburger Arena in punkto Akustik eindeutig nicht mithalten kann. Trotzdem beeindruckt der 48-Jährige mit seiner glasklaren Stimme, die kraftvoll wie eh und je klingt.
Stillstehen ist nicht erlaubt: George Michael weiß, wie er die Stimmung unter den Hamburger Fans anheizen kann.
In Hamburg sitzt George Michael im eleganten schwarzen Anzug auf einem Barhocker, wirkt gereift und mit sich im Reinen. Kaum zu glauben, dass dieser Mann einmal mit einer unglaublich albernen Haartolle über die Bühnen hüpfte und Teenie-Mädchen schwach werden ließ. Und kaum zu glauben, dass das der Mann aus den Skandalblättchen sein soll. Die Fans in der Hamburger Arena kümmern solche Fragen wenig – George Michael überzeugt sie als großartiger und mutiger Musiker. Im ARD-Interview wunderte er sich zuletzt selbst über seine Fans: "Ich bin immer wieder erstaunt über ihr - wie soll ich sagen - Durchhaltevermögen", sagte George Michael.