Dieses Thema im Programm:
Im Publikum überwogen die kritischen Stimmen zu dem DOW-Projekt.
Dow Chemical in Stade gehört zu den größten Stromabnehmern in Deutschland. Deshalb will es nun zu 100 Prozent Selbstversorger werden. Geplant ist ein Kraftwerk das vor allem mit Kohle befeuert wird, zu einem kleinen Teil kommen auch Holzschnitzel und Wasserstoff zum Einsatz. Kritiker bezeichnen die Anlage als "Klimakiller".
"Kombikraftwerk" nennt Dow die Anlage, die vieleicht 2018 in Betrieb gehen wird. Neben Kohle sollen nämlich auch Wasserstoff und Biomasse zum Einsatz kommen. Ein kleines Gaskraftwerk soll das Projekt abrunden. Der Schwerpunkt liegt auf Kohle, weil sie günstig zu haben und auch für die kontinuierliche Versorgung der DOW-Betriebsanlagen geeignet sei. Der Kniff: Das Unternehmen nutzt auch die entstehende Wärme, so dass der Wirkungsgrad des neuen Kraftwerks wahrscheinlich bei annähernd 60 Prozent liegt. Bei so vielen Vorteilen lässt sich Projektleiter Rolf Nettersheim auch nicht von dem Scheitern anderer Kohlekraftwerke abschrecken, wie etwa in Brunsbüttel.
V.l.n.r.: Adolf Meyer, Bürgerinitiative Stade-Altes Land, Daniela Setton, Klima-Allianz Deutschland, NDR 1 Niedersachsen Moderator Hans-Jürgen Otte, Rolf Nettersheim, DOW, und Kersten Schröder-Doms, Stadt Stade.
Schon der Begriff "Kombikraftwerk" ist den Kritikern des Projekts ein Dorn im Auge. Er diene nur zur Verschleierung sagt Adolf Meyer von der Bürgerinitiative Stade-Altes Land. 5 Mio t CO2 im Jahr zusätzlich - das spreche für sich. Viel zu betriebswirtschaftlich gedacht ist das Projekt in den Augen der Bürgerinitiative. Dabei könne Dow mit seinen Kenntnissen der Wasserstoffhandhabung und den vorhandenen Salzkavernen im Umfeld etwa beitragen zu wirklich modernen Technologien, z.B. der Speicherung überschüssigen Windstroms durch Umwandlung in Wasserstoff. Daniela Setton von der Klimaallianz möchte Dow zum Umdenken ermuntern, damit das Unternehmen nicht die wirklichen Innovationen verschläft. Die Stadt Stade wird das Projekt wohl durchwinken, um den Industriestandort an der Unterelbe nicht zu gefährden. Dann ist das Land als Genehmigungsbehörde dran. Die rot-grüne Koalitionsvereinbarung sieht ein Kohlekraftwerk vor, wenn der Wirkungsgrad hoch genug ist - wie bei DOW eben.
Die ganze Diskussion heute abend ab 20 Uhr 5 auf NDR 1 Niedersachsen