Stand: 30.10.2013 10:13 Uhr

Das Problem mit der Rettungsgasse

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So läuft's im Idealfall: Die Autos bilden eine Rettungsgasse für den Krankenwagen. (Archivbild)

Blaulicht scheint der Schrecken jedes Autofahrers zu sein. Immer wieder erleben Rettungskräfte und Polizei, wie das Freiräumen einer Gasse die Verkehrsteilnehmer komplett überfordert, sagt Jan Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg: "Da treten manche auf die Bremsen und bleiben mitten auf der Fahrbahn stehen, andere werden immer langsamer, fahren aber weiter vor dem Rettungswagen her." Wertvolle Minuten gehen dabei verloren. Was die meisten Autofahrer nicht wissen: In jedem Stau muss auf mehrspurigen Straßen eine Rettungsgasse quasi vorsorglich gebildet werden - unabhängig davon, ob es einen Unfall gab. Denn ist der Verkehr erst einmal zum Stillstand gekommen, tun sich die meist dicht stehenden Autofahrer noch schwerer, Platz zu machen.

Der Seitenstreifen ist keine Rettungsgasse

Unwissenheit herrscht auch bei der Umsetzung. "Es ist zum Beispiel ein Irrglaube, dass Rettungskräfte den Seitenstreifen nutzen", sagt Krüger. Der könne schließlich durch liegengebliebene Fahrzeuge ebenso verstopft sein. Stattdessen sieht die Straßenverkehrsordnung vor, bei einer zweispurigen Straße eine Gasse zwischen linker und rechter Fahrbahn zu bilden, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen zwischen dem linken und dem mittleren Streifen. Zu kompliziert?

Aufklärung überflüssig?

Eigentlich gar nicht so kompliziert: So soll der Weg für die Retter freigemacht werden - auf Österreichs Straßen hilft diese Grafik. (Quelle: ASFINAG)

Bei der Neueinführung der verpflichtenden Rettungsgasse in Österreich Anfang 2012 investierte das Land rund drei Millionen Euro, um mit Aufklärungsvideos und Flyern das richtige Verhalten im Stau zu demonstrieren. Aufklärung, die hierzulande vielerorts für überflüssig erklärt wird. Bei der Rettungsgasse handele es sich um Fahrschulwissen, meinen etwa unisono Olaf Rothardt von der Polizeiinspektion Heidekreis und Nicole Winterbur von der Polizeiinspektion in Lüneburg. Die Pressesprecherin fügt hinzu: "Das steht alles in der Straßenverkehrsordnung und die sollte jeder Autofahrer kennen."

Vorbild Österreich

Anders in Österreich. Dort funktioniere die Gassenbildung im stockenden Verkehr bereits gut, berichtet Christoph Pollinger, Pressesprecher der österreichischen Autobahn- und Schnellstraßengesellschaft. "In der Theorie haben wir fast alle Österreicher mit unserer Kampagne erreicht, in der Praxis hapert es nur bei den drei- und vierspurigen Straßen noch manchmal."

Wie soll ein Verstoß geahndet werden?

Neben Aufklärung setzt der österreichische Staat allerdings auch auf hohe Strafen. Wer den Rettungskräften keinen Platz macht, zahlt mindestens 700 Euro, im schlimmsten Fall kann die Behinderung den Fahrer 2.180 Euro kosten. "Ohne Strafen klappt es nicht", meint Pollinger. In Deutschland droht beim Verstoß gegen das Gebot der Rettungsgasse ein Bußgeld von 20 Euro. Verhängt wird das nur selten, ist doch die Ahndung im Ernstfall kaum umzusetzen, wie Jan Krüger erklärt. "Wenn wir schnellstmöglich zum Unfallort müssen, bleibt keine Zeit, um vorher Personalien aufzunehmen."

Jan Krüger steht vor einer Werbewand der Polizeiinspektion Harburg. © NDR Fotograf: Ann-Krisitn Mennen

Rettungsgasse: Autofahrer häufig überfordert?

Wie war das nochmal mit der Rettungsgasse? Jan Krüger von der Polizeiinspektion Harburg erklärt, wie sich Autofahrer bei Stau verhalten sollten.

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