Stand: 17.03.2009 16:10 Uhr  | Archiv

Salzgitter AG - eine Stadt für den Stahl

Manche Unternehmen kennt man weniger wegen ihrer Produkte, sondern vielmehr auf Grund politischer Rettungsaktionen. So wurde die Salzgitter AG in der breiten Öffentlichkeit nicht wegen ihrer Bleche für Kühlschränke, Schiffe oder Autos bekannt, sondern wegen zweier staatlicher Eingriffe Ende der 1980er- und 1990er-Jahre. Erst verkaufte der Bund den Stahlerzeuger, dann stieg das Land Niedersachsen wieder ins Unternehmen ein und führte es schließlich zu neuer Selbstständigkeit. Traditionelles Geschäft der Salzgitter AG ist die Produktion und Weiterverarbeitung von Stahl, der in Form von Blechen und Rohren in verschiedensten Industrien und Branchen zum Einsatz kommt.

Anfänge im Dritten Reich

Wenig ruhmvoll sind die Wurzeln des Unternehmens in der NS-Zeit. Im Streben nach Unabhängigkeit von Importen und der Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg beschloss das damalige Regime 1937, ein gigantisches Hüttenwerk zu errichten. Es entstand als Teil der "Reichswerke Hermann Göring" dort, wo es das größte Erzvorkommen Deutschlands gab: im nördlichen Harzvorland. 1943 wurde direkt nebenan die Stadt "Watenstedt-Salzgitter" gegründet. Außer deutschen Arbeitern setzte die Werksleitung Zwangsarbeiter zum Aufbau des Industriekomplexes und für die Kriegsproduktion ein.

Wechselvolle Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg demontierten die Alliierten große Teile der Anlagen, doch 1952 wurde das Werk Salzgitter wieder aufgebaut. Als Tochterunternehmen der staatlichen Holding Salzgitter AG schloss sich das Hüttenwerk 1970 mit der Ilseder Hütte in Peine zusammen. 1989 verkaufte der Bund das Hüttenwerk an Preussag, die heutige TUI AG. Damit schien die Geschichte des Stahlherstellers als Staatsbetrieb zu Ende zu sein. Doch es kam anders: Als sich Preussag neun Jahre später von seiner Stahl-Tochter wieder trennen wollte, trat der damalige Ministerpräsident Niedersachsens, Gerhard Schröder, als Retter auf und bewahrte das Werk vor dem Aufkauf durch ein ausländisches Unternehmen. Wieder selbstständig, ging der Stahlhersteller 1998 an die Börse, wo er seit Dezember 2008 im DAX notiert ist. Niedersachsen hält 26,5 Prozent der Aktien.

Das neue Gesicht der Salzgitter AG

Im Jahr 2000 übernahm die Salzgitter AG den Röhren-Bereich von Mannesmann. Außerdem wurden junge Unternehmen aus der Stahlverarbeitung in den Konzern geholt. 2007 dann nächste große Zukauf: Mit der weltweit agierenden Duisburger Industrieholding Klöckner-Werke AG stieg Salzgitter unter anderem in das Geschäft mit industriellen Abfüll- und Verpackungsanlagen ein. Weltweit gehören inzwischen etwa 200 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften zu dem Stahltechnologie-Konzern, der zu den größten Europas zählt. Dabei profitierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren von der steigenden Nachfrage nach Stahl insbesondere aus China, die für hohe Preise und Rekordgewinne bei Salzgitter sorgte.

Was man aus Stahl alles machen kann...

Heute ist die Salzgitter AG unter Vorstandschef Wolfgang Leese in fünf Geschäftsfelder gegliedert: Stahl, Röhren, Handel, Dienstleistungen und Technologie. Im Unternehmensbereich Stahl werden unter dem Stichwort Flachstahl Feinbleche hergestellt, die beim Autobau zum Einsatz kommen oder in Kühlschränken und Eimern stecken. In der sogenannten Warmbreitbandproduktion entstehen Grobbleche für den Schiffbau, Schwermaschinen und die Lkw-Konstruktion. Darüber hinaus verlassen T-Träger für den Gebäudebau das Stahlwerk. Von kleinsten Präzisrohren für den Einsatz in Motoren oder in der Medizin über Wasser- und Gasleitungsrohre bis hin zu riesigen Röhren für Öl-Pipelines reicht die Produktionspalette im Bereich Röhren. Auch im Handel mit dem eigenen Stahl ist die Salzgitter AG aktiv. Der Bereich Technologie wird von den Klöckner-Werken abgedeckt. Neben Abfüll- und Verpackungsanlagen ist die Unternehmensgruppe in den Bereichen Kunststoff-Maschinenbau sowie Nahrungsmittel-Prozesstechnik aktiv.

Hilfe für die Heimat

Der Stahlerzeuger kümmert sich darüber hinaus auch um seine finanz- und strukturschwache Heimat: Zusammen mit Volkswagen und Preussag hat das Unternehmen eine im Juni 2002 gegründete Bürgerstiftung, die gemeinnützige Projekte in Salzgitter fördern will, mit dem nötigen Startkapital ausgerüstet. Auch an der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hat der Stahlkonzern seinen Anteil, wenngleich nur indirekt: Als der Bund die Salzgitter AG privatisierte, floss der Gewinn von 1,29 Milliarden Euro in die Stiftung.

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