Stand: 19.05.2013 16:39 Uhr  | Archiv

Schutz für bedrohte Schweinswale geplant

Schweinswale in Nord- und Ostsee sollen künftig besser vor Unterwasserlärm und Fischerei geschützt werden. Vor allem in der östlichen Ostsee gelten die knapp zwei Meter langen und 80 Kilogramm schweren Tiere als vom Aussterben bedroht. Schätzungen zufolge gibt es dort von den Tieren nur noch 200 bis 600 Exemplare. Mit dem Tag des Ostsee-Schweinswals, der am Sonntag begangen wurde, wird auf die Bedrohung aufmerksam gemacht.

Bundesamt will Schweinswale besser schützen

Wissenschaftler in Stralsund erforschen im sogenannten Sambah-Projekt mit allen EU-Ländern rund um die Ostsee den Bestand der Meeressäuger. Sie konnten Schweinswale bereits in der gesamten Ostsee nachweisen. Für das Projekt sind rund 300 Unterwassermikrofone in der Ostsee verankert, um die sogenannten Klick-Laute der Wale zu erfassen. Die so gewonnenen Informationen über die Tiere sollen in Vorschläge zu Schutzmaßnahmen einfließen. Das Bundesamt für Naturschutz erarbeitet derzeit solche Pläne, die weit über die Meeresschutzgebiete hinausreichen sollen.

Stellnetzverbot umstritten

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In solchen Stellnetzen verfangen sich auch Schweinswale.

Umstritten ist vor allem ein geplantes und von den Ostseefischern kritisiertes Stellnetzverbot in den Schutzgebieten. Die Fischereibetriebe befürchten das Aus für die Berufsfischerei entlang der Ostsee. Doch Experten halten das Verbot für erforderlich, da sich immer wieder Schweinswale in den Netzen verfangen.

Maximaler Lärmpegel für Schifffahrt

Eine zweite Gefahr für die Tiere sei laut Forschern der Unterwasserlärm. Schweinswale orientieren sich per Echo-Ortung und reagieren besonders sensibel auf Lärm, der durch Schiffsschrauben und das Rammen von Offshore-Anlagen entsteht. Beim Bau der Windparks schreibt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie bereits einen maximalen Lärmpegel vor. Experten fordern nun die Ausweitung dieser Vorschrift auf andere Lärmquellen - zum Beispiel auf die Schifffahrt.

Schweinswale in der Elbe gesichtet

In der westlichen Ostsee und in der Nordsee leben noch deutlich mehr Schweinswale: Laut Bundesamt für Naturschutz rund 60.000 Tiere in der deutschen Nordsee und 2.500 Tiere in der deutschen Ostsee westlich der Darßer Schwelle. Auch in der Elbe werden Schweinswale gesichtet. "Es ist eine Rückeroberung seines ursprünglichen Lebensraumes", sagt Veit Hennig, Biologe vom Zoologischen Institut der Universität Hamburg.

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Schweinswale gelten als äußerst scheue Tiere.

Noch vor hundert Jahren tummelten sich die Meeressäuger in der Weser bis südlich von Bremen und in der Elbe sogar bis hinauf nach Magdeburg. Durch Jagd und Umweltverschmutzung waren die Schweinswale Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus den Flüssen und Teilen der Nordsee verschwunden. Da mittlerweile die Jagd auf sie verboten ist und sich die Wasserqualität verbessert hat, siedelten sie sich wieder an. "Seit 2007 haben wir jedes Jahr Meldungen von Schweinswal-Sichtungen erhalten", erzählt Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.05.2013 | 14:00 Uhr

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