Stand: 17.01.2012 20:13 Uhr  | Archiv

Zugunglück: Gegen Stallbesitzer wird ermittelt

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Am vergangenen Freitag war ein Regionalzug mit einer Rinderherde zusammengestoßen und entgleist.

Nach dem schweren Zugunglück auf der Strecke von Westerland auf Sylt nach Bredstedt ermitteln die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Flensburg die genauen Umstände. Der Zug war am vergangenen Freitag in eine Rinderherde gefahren und entgleist. Der Halter der Herde ist ein Landwirt aus Stedesand. Ihm drohen wegen der sogenannten Tierhalterhaftung zivilrechtliche Konsequenzen. Sollten die Ermittler zu dem Schluss kommen, dass er seine Sorgfaltspflicht verletzt hat, muss er mit hohen Schadenersatzforderungen rechnen.

"Die gesamten Kosten könnten dann auf ihn zukommen", erklärte Hanspeter Schwartz von der Bundespolizei. Experten beziffern die Kosten für den Rettungseinsatz, die komplizierte Bergung der zwei entgleisten Waggons und den Austausch der Schienen auf mehrere Millionen Euro.

Tiere sollen Gitter heruntergedrückt haben

Der Tierhalter hatte seine Herde bei einem befreundeten Landwirt untergestellt. Dessen Hof liegt direkt an der Bahnstrecke und rund 500 Meter von der Unfallstelle entfernt. Nach einem Bericht der "Husumer Nachrichten" haben die Tiere ein Gitter heruntergedrückt. Außerdem stand eine Stalltür offen. Gegen den Stallbesitzer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Das bestätigte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Dienstag auf Nachfrage der NDR 1 Welle Nord.

Strecke Sylt-Hamburg wieder regulär befahrbar

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Die Reparaturarbeiten an dem zweiten Gleis wurden am Montag abgeschlossen.

Die Bahnstrecke ist seit Montag wieder regulär befahrbar. Die Gleisarbeiten seien beendet, die Strecke wieder freigegeben, teilte die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) am Montagabend mit. Auf einer Länge von 350 Metern mussten Schienen und Schwellen erneuert werden.

Bis Donnerstag kann es allerdings noch zu Verspätungen von drei bis fünf Minuten kommen, da die Züge bei Bargum bis dahin langsamer fahren müssen.

Bergungsarbeiten nach dem Zugunglück

Bergungsarbeiten am Sonntag beendet

Am Sonntag war der zerstörte Steuerwagen von zwei 100-Tonnen-Kränen auf einen Tieflader gehoben und in das Betriebswerk der NOB gebracht worden. Die anderen Waggons waren bereits am Sonnabend abtransportiert worden. Am Montag wurde daran gearbeitet, Schotter und 350 Meter Schienen auszutauschen.

Ein Toter und zwei Verletzte

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Die bei dem Zugunglück getöteten Rinder wurden zu einem nahegelegenen Bauernhof gebracht.

Am Freitag war der Zug der NOB gegen 17.45 Uhr trotz einer Schnellbremsung in eine Rinderherde gefahren und entgleist. Bei dem Unglück zwischen Stedesand und Bargum rund zehn Kilometer südlich von Niebüll gab es laut Bundespolizei einen Toten. Ein 38 Jahre alter Fahrgast aus Langenhorn wurde aus dem Zug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Außerdem wurden der Lokführer und der Zugbegleiter verletzt. Sie kamen ins Husumer Krankenhaus, konnten die Klinik aber schnell wieder verlassen. 22 Fahrgäste des Regionalzuges wurden von der Feuerwehr unverletzt in Sicherheit gebracht.

Auf der Bahnstrecke zwischen Stedesand und Bargum hatte es vor einigen Jahren einen ähnlichen Unfall gegeben. Damals fuhr nach Angaben von Stedesands Bürgermeister Christian Steensen eine Lokomotive der Deutschen Bahn in eine Rinderherde und entgleiste. Es wurde aber niemand verletzt.

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