Stand: 05.10.2017 13:00 Uhr

"Condor"-Unglück: Gefahr für alle Fischkutter?

Den Ermittlern gab vor allem die Stabilitätsfrage lange Rätsel auf. Schließlich müssen alle Fischereifahrzeuge regelmäßig für die Berufsgenossenschaft Verkehr Stabilitätsgutachten vorlegen, um zur See fahren zu dürfen. Im Fall der "Condor" wurde ein solches Gutachten zuletzt 2005 angefertigt. Der Kutter lag im Hafen, Experten platzierten Gewichte auf Deck und maßen die Kippbewegungen des Schiffes. Diese Daten gingen dann zur weiteren Auswertung in die Computerprogramme des Germanischen Lloyd, eine sogenannte Klassifizierungsgesellschaft - oder einfacher gesagt: eine Art "Schiffs-TÜV".

Was geschah am 6. Februar 2016?

Fischkutter mit Stabilitätsproblemen

"Dort mussten die Daten dann in Relation zur Bauform des Kutters gesetzt werden. Da hat man aber nicht die individuelle Bauform der Condor mit ihren exakten Abmessungen und Gewichtsverteilungen zugrunde gelegt, sondern einfach Standard-Werte eines Beispiel-Kutters genommen", beschreibt Ferenc John das Problem. "So wurde der Condor eine trügerische Stabilität im Wasser bescheinigt, die sie überhaupt nicht hatte." Im Gegenteil. Der Sachverständige der BSU, Jan Hatecke, errechnete mit der tatsächlichen Bauform der "Condor" eklatant andere Werte: "Dieser Kutter war bei Weitem nicht so stabil, wie durch das offizielle Gutachten 2005 bescheinigt."

BSU rät: Fischkutter auf mögliche Berechnungsfehler überprüfen

Das bedeutet, dass das Kenter-Risiko der "Condor" deutlich höher war, als die Fischer annahmen. Das Verstauen des Fisches ausschließlich an Deck statt unten im Rumpf hat zusätzlich dazu beigetragen, dass der Kutter noch instabiler wurde und bei der harten Wende kenterte.

Die BSU hat nicht die Befugnis, Vorschriften zu machen. Ihre Abschlussberichte dürfen lediglich Empfehlungen aussprechen. "Wir raten der Berufsgenossenschaft Verkehr dringend dazu, sämtliche Stabilitätsgutachten aller deutschen Fischkutter in der Klasse unter 24 Metern Länge auf mögliche Berechnungsfehler zu überprüfen", meint Ferenc John zum Ende dieser Unfalluntersuchung: "Aus Sicht der BSU könnten zahlreiche Kutter von ähnlich falschen Gutachten betroffen sein. Somit sei "Gefahr im Verzug" und es sollten sofort alle Fischkutter auf Nord- und Ostsee überprüft werden, um eine weitere Tragödie wie im Fall "Condor" zu verhindern.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.10.2017 | 19:30 Uhr

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