Seitentitel

Das Beste am Norden
NDR Fernsehen / NDR Info

Bankfilialleiter nach Nazi-Vorwürfen suspendiert

Von Andrea Jedich, NDR Fernsehen Kiel, und Stefan Schölermann, NDR Info

Krawattenknoten © dpa Fotograf: Marijan Murat
große Bildversion anzeigen Über Monate verfolgten NDR Reporter die Spur des "A.K. Busch". (Archivfoto)

Die Volks- und Raiffeisenbank Pinneberg hat den Leiter einer Filiale in Schenefeld suspendiert. NDR Reporter hatten herausgefunden, dass der Mann in dem Buch "Blutzeugen" NS-Schergen ein Denkmal setzte. Der 36-Jährige räumte ein, der Autor zu sein. Er war wegen seiner Aktivitäten auch ins Visier des Hamburger Verfassungsschutzes geraten. Am Donnerstag teilte die Bank dem NDR schriftlich mit, dass der Mann mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt sei. Vorstand und Aufsichtsrat duldeten keine rechtsextremen Tendenzen in ihrem Kreditinstitut.

Täter werden zu Opfern stilisiert

Auf mehr als 500 Seiten befasst sich das Buch des 36-Jährigen mit Tätern des NS-Regimes, die dort zu "Opfern" und damit zu "Blutzeugen" erklärt werden. Monatelang hatten NDR Reporter versucht herauszufinden, wer sich hinter der Bezeichnung "A.K. Busch" auf dem Buchrücken verbirgt. Am Ende waren die zusammengetragenen Recherche-Ergebnisse so erdrückend, dass dem Banker keine andere Wahl blieb, als die Autorenschaft zuzugeben. Erschienen ist das Buch im Nordland-Verlag des aus Göttingen stammenden Rechtsextremisten Thorsten Heise.

Zu Gast bei NPD-Veranstaltungen

In rechtsextremen Kreisen wird das Buch gefeiert - schließlich war der Banker mit seinem Werk auch bei NPD-Veranstaltungen zu Gast. Autoren wie der 36-Jährige und ihre Bücher haben in der rechtsextremen Szene eine wichtige Funktion, sagt Dr. Manfred Murck, Vize-Chef des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz: "Der intellektuelle Teil des Rechtsextremismus liefert jenen eine Rechtfertigung, die nachts üble Taten auf der Straße vollbringen." Anders ausgedrückt: Die in dem Buch beschriebenen "Blutopfer" wie die des SA-Schlägers Horst Wessel könnten Vorbild sein für junge Leute.

"Es hat sich einfach kein anderer Verlag gefunden"

So sieht es auch der emeritierte Politologe der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg, Prof. Wolfgang Gessenharter. Für ihn weist das Buch des Bankers eindeutige Bezüge zur Nazi-Ideologie auf. Wer schon den Schutzumschlag des Buches mit den Silhouetten von SA-Männern schmücke und das Signet eines SS-Verlages auf dem Einband abdrucke, müsse sich diese Ideologie auch zurechnen lassen, sagt der Professor. Den Autoren ficht das nicht an: Weder glorifiziere sein Buch die NS-Weltanschauung, noch sei der rechtsextreme Verlag Beleg für eine braune Gesinnung. Es habe sich einfach kein anderer Verlag gefunden, der sein Werk drucken wollte, sagt er.

Hitlerputsch-Teilnehmer steuerte Vorwort bei

Eine wenig stichhaltige Begründung, sagt Gessenharter. Schließlich habe sich Busch das Vorwort von einem Mann schreiben lassen, der bei den Pogromen des 9. November 1938 einer der schlimmsten Aktivisten der Nazischergen gewesen ist. Er heißt Emil Klein, ist mittlerweile 104 Jahre alt und wird in dem Buch gepriesen als "letzter lebender Teilnehmer des Marsches auf die Feldherrnhalle am 9.11.1923 in München".

"Alter Herr" bei fragwürdiger Burschenschaft

Auch der 36-Jährige selbst ist in rechten  Kreisen kein Unbekannter. Er ist sogenannter "Alter Herr" der Hamburger Burschenschaft "Chattia Friedberg". Sie feiert sein Buch auf ihrer Internetpräsenz überschwänglich. Bei dieser Vereinigung gebe es, so der Hamburger Verfassungsschutz, "Anhaltspunkte für Verbindungen zum Rechtsextremismus". Die Burschenschaft hat offenbar nichts dagegen, dass sich NPD-Aktivisten auf ihrer Mitgliederliste finden. Außerdem wird der 36-Jährige mehrfach in einem Magazin als Autor genannt, das in zweifelhaftem Ruf steht - es heißt "Der Freiwillige" und ist das Magazin der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS.

Autorin/Autor: Andrea Jedich / Stefan Schölermann
Stand: 13.11.2009 14:14
Video
Anhänger der NPD © picture-alliance
NDR Fernsehen | 13.11.2009

Mitarbeiter des Filialleiters in Schenefeld sind entsetzt über die Enthüllungen.

Länge: 02:29 Minuten

Radio & Fernsehen
Gorch Fock © Archiv

Schleswig-Holstein Magazin / Schleswig-Holstein 18:00

Aktuelles aus Schleswig-Holstein - täglich um 19.30 Uhr und wochen- tags bereits um 18.00 Uhr im NDR Fernsehen.

NDR 1 Welle Nord

In Schleswig-Holstein zu Hause.

Schleswig-Holstein im NDR Fernsehen

Programmübersicht mit Sendungen aus und über das Land.

Termine

Schulferien 2010

Die Ferientermine der norddeutschen Bundesländer auf einen Blick.