Stand: 29.04.2013 18:25 Uhr

WindEnergy in Husum wird kleiner

Das nordfriesische Husum wird künftig nur noch alle zwei Jahre eine Windenergie-Messe ausrichten. Darauf haben sich Schleswig-Holstein und Hamburg nach jahrelangem Streit geeinigt. Der Kompromiss sieht vor, dass sich Husum und Hamburg künftig abwechseln. Der große Unterschied: Während die WindEnergy in der Hansestadt als internationale Messe abgehalten wird, reduziert sie sich in Nordfriesland zu einer kleineren, nationalen Messe. Eine gemeinsame Dachgesellschaft soll zunächst für zehn Jahre beide Messen koordinieren.

Das neue Konzept für Husum wird 2015 erstmals zum Tragen kommen. Im kommenden Jahr findet die WindEnergy in Hamburg statt. Husum bekommt als Ausgleich eine millionenschwere Summe für die Planungsinvestitionen.

Meyer sieht guten Kompromiss

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ist mit der Einigung zufrieden. Er sieht in der geplanten neuen nationalen Husumer Messe durchaus Chancen. Die acht größten Unternehmen hätten bereits langfristig zugesagt, sagte er im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord. "Husum hat in Zukunft keine 'kleine Messe', sondern die nationale Windmesse. Der Kultstatus bleibt erhalten", betonte der Minister am Vormittag. Husum habe mit der gefundenen Lösung Planungssicherheit.

Bürgermeister Uwe Schmitz (parteilos) sieht das ähnlich: Hotels und Gastronomie seien auch mit einer kleineren Messe gut ausgelastet. Bislang hätten die Gäste der Ausstellung teilweise in ganz Schleswig-Holstein ein Quartier suchen müssen, das werde sich vermutlich ändern. "Ich denke mal, dass es sich rund um Husum konzentrieren wird", sagte er NDR 1 Welle Nord. Der Bundesverband Windenergie gab eine nüchterne Stellungnahme ab. Er zählte bislang eher zu den Befürwortern von Husum. Doch die neue Präsidentin Sylvia Pilarsky-Brosch betont, letztlich müssten die Unternehmen entscheiden. Und die hätten zuletzt zu Hamburg tendiert.

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CDU: "Feindliche Übernahme"

Die CDU hat den Kompromiss kritisiert. Landeschef Reimer Böge und der Fraktionsvorsitzende Johannes Callsen sprachen von einer "feindlichen Übernahme", die der ganzen Region schade. "Es ist eine Schande, dass SPD, Grüne und SSW sich für dieses Verhandlungsergebnis auch noch feiern lassen wollen", so Callsen. Harsche Kritik auch aus der FDP: Energie-Experte Oliver Kumbartzky bezeichnete die Einigung als herben Schlag für den Messestandort Husum. Der Kreisverband der Liberalen sprach von einem "Verrat an den Interessen Husums". "Wir stehen fassungslos vor dem Scherbenhaufen der weltweiten Leitmesse", erklärten der FDP-Kreisvorsitzende Jens Kieback und sein Stellvertreter Rüdiger Kohls.

Verträge sollen bis zum Sommer vorliegen

Die Einigung soll schnell endgültig unter Dach und Fach gebracht werden. Meyer und sein Hamburger Amtskollege Frank Horch (parteilos) haben am Nachmittag in Rendsburg eine Absichtserklärung unterzeichnet. Mit dabei: Die Messechefs aus Husum und Hamburg, Peter Becker und Bernd Aufderheide, sowie der Präsident des Unternehmerverbandes UV Nord, Uli Wachholtz. Bereits im Sommer sollen dann die Verträge unterzeichnet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 29.04.2013 | 19:30 Uhr