Stand: 12.01.2016 12:51 Uhr

Wie die Wikinger die Sandklaffmuschel retteten

Sie ist weiß, wenige Zentimeter groß und vergräbt sich gern im Schlick - die Sandklaffmuschel gehört zum Wattenmeer wie Strandkörbe oder Möwen. Doch das war nicht immer so. Ein Blick auf ihre Geschichte lohnt sich, denn dass sie heute an nordischen Küsten zu Hause ist, gelang ihr nur, weil sie auswanderte - oder besser ausgewandert wurde. Denn die letzte Eiszeit raffte die Schalentiere dahin. Fortan gab es sie an Nord- und Ostsee nicht mehr.

Proviant im Wikingerschiff

Bildergalerie
5 Bilder

Zurück aus Amerika

An den Stränden der Nord- und Ostsee ist sie heute überall zu finden: die Sandklaffmuschel. Doch nach der Eiszeit war sie hier ausgestorben. Die Wikinger brachten das Schalentier zurück. Bildergalerie

Wenn, ja wenn nicht die Wikinger gewesen wären. Die machten sich vor 1.000 Jahren bekanntlich auf, um neues Land zu entdecken - und landeten an der Küste Nordamerikas. Dort hatte eine kleine Population der Sandklaffmuschel überlebt. Als Proviant für die Rückfahrt, nahmen die Nordmänner einige davon mit. Doch nicht alle der Schalentiere landeten in den Bäuchen der Krieger. Als sie wieder in ihrer Heimat ankamen, warfen sie die restlichen Muscheln einfach über Bord, wo sich die Muscheln wieder in der Region ansiedelten, in der sie schon 30.000 Jahre zuvor gelebt hatten.

Muscheln aus dem 13. Jahrhundert

Lange glaubte man, dass die Muscheln erst nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus wieder in das heutige Schleswig-Holstein kamen. "Bis eines Tages Wissenschaftler im Kattegat Schalen von Sandklaffmuscheln fanden, die sie mit der Radiokarbonmethode auf das 13. Jahrhundert datieren konnten, also deutlich bevor Kolumbus Amerika entdeckte", berichtet Dirk Brandis vom Zoologischen Museum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo die Muschel zurzeit Thema ist. Die Forscher vermuten nun, dass die Wikinger die Schalentiere wieder mit zurück brachten - und so für eine unserer typischsten Strandmuschel verantwortlich sind.

Weitere Informationen

Zu Besuch bei den Wikingern in Haithabu

Wie lebten die Menschen in der Wikinger-Siedlung Haithabu im frühen Mittelalter? Das Wikinger-Museum gibt Antworten und lädt in den Nachbau eines Teils der Siedlung ein. mehr

Haithabu: Stadt der Wikinger

Die Siedlung an der Schlei war in ihrer Blütezeit im 10. Jahrhundert das größte Handelszentrum Nordeuropas. Die Wikinger lebten hier als Handwerker und Kaufleute. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.01.2016 | 19:30 Uhr