Stand: 06.03.2016 14:24 Uhr

Wenn Modellbau Geschichte erzählt

von Andrea Schmidt

Kameras blitzen, es herrscht dichtes Gedränge. Jeder will einen Blick auf das Werk von Christian Labuch werfen. Der Bargteheider hat am Wochenende auf der Messe Modellbau Schleswig-Holstein in Neumünster zum ersten Mal sein Modell "Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg" ausgestellt. "Wow, sieht das echt aus", raunt ein Besucher. "Guck mal, so ist Deine Oma aufgewachsen, in diesen Trümmern", sagt eine Frau zu ihrer Tochter. Auf einer Länge von zwei Metern hat Labuch 5.000 echte Ziegelsteinchen verbaut. Die Häuser sind baufällige Ruinen, Trümmerfrauen und Militärpolizei bahnen sich ihren Weg. Durch die zerstörte Stadt fährt die Lorenbahn im Maßstab 1:35 und transportiert Geröll und Erde - vorbei an blechernen Nissenhütten und langen Schlangen beim Kolonialwarenhändler.

Trümmerfrauen, Indianer, Hightech-Autos

60 Figuren angemalt

Christian Labuch ist von Beruf Raumausstattermeister. Passt irgendwie. "Ich habe schon als Kind Modelle gebaut." Seine elfjährige Tochter Jannica macht es ihm nach und hat ihm dieses Mal beim Anmalen der 60 Figuren geholfen. Labuch hat drei Jahre an dem zerstörten Hamburg gearbeitet und schätzungsweise 5.000 Euro reingesteckt. Egal. Seine Augen leuchten. Klar ist das verrückt, aber das ist eben Leidenschaft.

Viel Konkurrenz für die Schiene

Von dieser Sorte Mensch gibt es in Neumünster unzählige. Mehr als 100 Aussteller sind dabei, präsentieren mit viel Stolz ihre Modelle. Selbstverständlich gibt es noch die klassische Eisenbahn, doch Schiffe, Panzer, ferngesteuerte Hubschrauber, Drohnen und Tourenwagen machen ordentlich Konkurrenz. "Der reine Modell-Eisenbahner scheint langsam auszusterben", bemerkt der Organisator der Messe, Willi Breidenbach.

Indianer, die von Touris bestaunt werden

Zum Staunen bringen einen auch ausgefallene Dinge wie ein Indianerdorf. "Es muss nicht immer der hundertprozentige Nachbau sein. Modellbau soll einfach Spaß machen", meint Marco Stoffers vom Schiffsmodellclub Ahrensburg. Er und seine Vereinskollegen haben zum Beispiel Kanus für Indianer gebaut. Dann gibt es da noch Zelte, Hütten und einen Ochsen, der über dem Lagerfeuer gegrillt wird. Und die andere, die moderne Indianerwelt: "Heutzutage haben Indianer Handys oder werden von Touris in organisierten Bootstouren bewundert." All dies haben Stoffers und seine Kollegen mit viel Liebe zum Detail in den Holstenhallen aufgebaut.

Buckelpiste, Panzer und jede Menge Nebel

Wie ein Magnet scheint die Militärwelt das Publikum anzuziehen. "Wir haben hier zum Beispiel den ersten deutschen Panzer, den rostroten A7V, nachgebaut", sagt Bernd Flechsig von den Panzerjungs Neumünster. Auf einer unebenen erdigen Piste rollen die Radfahrzeuge und Versorgungswagen durch das Gelände. Eine Nebelmaschine sorgt für Dampf und Action. "Uns geht es vor allem um Bergung und Versorgung und um den historischen Hintergrund."

Rasante Rennen mit Hightech-Tourenwagen

Eine der Hallen wird nur von Rennfahrern benutzt. Nachgebaute Tourenwagen aus Carbon, Titan und Aluminium rasen auf 600 Quadratmetern über die Straßen aus Teppich. Insgesamt gibt es sechs Wertungsläufe. Einige der Teamfahrer verdienen mit dem RC Sport richtig Geld. Für ein Modellauto muss man schon mal 1.300 Euro hinblättern. Wenn es auf der Rennstrecke kracht oder sich ein Wagen überschlägt, freut das zwar das Publikum, verständlicherweise aber nicht die Teamfahrer.

Digitalisierung auf dem Vormarsch

Technisch Interessierte kommen bei der Messe voll auf ihre Kosten. Dank ausgefeilter Akku-Technologien sind dem Fahrspaß kaum noch Grenzen gesetzt. Überall wird getüftelt, gebaut, verbessert. Der Holländer Ton van Digk beugt sich konzentriert über seine Dampflok und optimiert die digitale Steuerung. "Ohne Digitalisierung geht es fast nicht mehr", sagt er.

Eine Messe für alle

Die Modellbau Schleswig-Holstein will aber nicht nur das Fachpublikum, sondern auch Familien glücklich machen. So sorgt ein 100 Quadratmeter großes Wasserbecken mit immer wieder neuen Schiffsmodellen für Begeisterung bei Jung und Alt. Und eine Legowelt samt Riesenrad lässt die kleinen Besucher strahlen. 60 Verkaufsstände bieten alles rund um das Thema Modellbau: neue und gebrauchte Modelle, Bausätze, Elektronik und Werkzeug.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 05.03.2016 | 19:30 Uhr