Stand: 15.02.2016 18:04 Uhr

Welle oder Wal - Forschung mit politischen Folgen

Werden neue Windparks in Nord- und Ostsee gerammt, suchen Schweinswale meistens schnell das Weite. Georg Nehls und seine Mitarbeiter haben das bewiesen - mit Klick-Detektoren, die Schweinswal-Geräusche aufnehmen. Auch Vögel und Fledermäuse beobachten sie mit wissenschaftlichem Gerät. Nehls Unternehmen BioConsult SH in Husum (Kreis Nordfriesland) erstellt Gutachten - unter anderem für das Land Schleswig-Holstein. Diese Beurteilungen sollen Hinweise geben, ob Offshore-, Windpark- oder Straßenbaupläne mit dem Artenschutz vereinbar sind.

Teure Kameras für einfache Methoden

"Das ist natürlich eine sehr große Verantwortung. Die Herausforderung ist, mit einfachen Methoden und geringer Aktivität gute Daten zu bekommen", sagt Nehls. Seine "einfachen Methoden" benötigen allerdings eine aufwendige Ausrüstung. Dazu gehören Fledermauserfassungsgeräte, Radargeräte zur Vogelerfassung bei Nacht, mehrere Hunderttausend Euro teure Kameras, die sich unter Flugzeuge schrauben lassen. Außerdem gehören auch eine Überlebensausrüstung für die Forschung auf hoher See und mehr als 200 Klick-Detektoren, die Schweinswal-Geräusche aufnehmen, dazu.

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Gutachten für den Artenschutz

Georg Nehls erstellt Gutachten, die über Leben und Tod entscheiden. Sie sollen Hinweise geben, ob Offshore- oder Straßenbaupläne mit dem Artenschutz vereinbar sind. Bildergalerie

Poller oder Basstölpel - das ist hier die Frage

"Die Technik ist sehr faszinierend, weil es einen Quantensprung in der Qualität der Datenerfassung bedeutet. Früher sind wir mit über 200 Kilometer pro der Stunde selber geflogen und mussten dann sagen, welcher Vogel das war", erzählt Nehls. Heute werden die Tiere mit hochauflösenden Flugkameras aufgenommen. Nehls Mitarbeiter werten das Material anschließend im Büro am Bildschirm aus. Sie müssen dann zum Beispiel erkennen, welcher weiße Punkt auf der Wasseroberfläche eine Welle oder ein Poller und welcher eine Ente, ein Basstölpel oder ein Schweinswal ist.

Auswertung mit politischen Folgen

Auf Grundlage ihrer Beobachtungen werden dann Gutachten erstellt, von denen große Infrastrukturprojekte in Norddeutschland abhängen - von der Fehmarnbeltquerung bis zur Autobahn 20. Ein Ergebnis von Nehls Auswertungen ist, dass keine Bau-Genehmigungen mehr an Orten erteilt werden, wo viele Sternentaucher leben. Zu sehen, dass seine Forschung konkrete politische Folgen habe, das sei das motivierende an seiner Arbeit, sagt Nehls.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.02.2016 | 19:30 Uhr