Stand: 19.03.2016 10:24 Uhr

Wasserwerk in Wahlstedt - per App gesteuert

von Tobias Gellert

Vor knapp zwei Jahren platzte in Wahlstedt (Kreis Segeberg) eine Wasserleitung nach der anderen. "Da wussten wir, dass dringend etwas passieren muss", erinnert sich der Betriebsleiter des Wasserwerkes, André Herrmann. Das Problem waren alte Rohre, die an einigen Stellen marode waren und dem Wasserdruck nicht mehr standhielten. Nach und nach bekamen viele Straßen neue Rohre. Das war auch eine Aufgabe der Männer vom Wasserwerk in Wahlstedt, einem der modernsten in Schleswig-Holstein, das zuletzt vor eineinhalb Jahren umfassend modernisiert wurde.

Das modernste Wasserwerk Schleswig-Holsteins

Mobile Steuerung per App

"Modern" im Wasserwerk sieht heutzutage so aus: André Herrmann kann vom Tablet oder dem Smartphone aus sämtliche Funktionen des Wasserwerkes steuern. "Wenn wir einen Wasserrohrbruch in unserem Bereich haben, können wir alles hier auch von unterwegs, vom Smartphone per App steuern. Im Notfall können wir hier aber auch alles noch per Hand steuern, so dass wir garantieren können, dass die Wasserversorgung erhalten bleibt."

Daten automatisch erfasst

"Messwerte wie Fördermengen, Druck und Einspeisung werden hier alle fünf Sekunden gespeichert", sagt der Betriebsleiter. Aus der Steuerzentrale wird automatisch die Untere Wasserbehörde auf dem Laufenden gehalten, wieviel Wasser von hier aus gefördert, verarbeitet und weitergeleitet wird. Die vier Kollegen sorgen dafür, dass auch die Gesundheitsämter regelmässig Ergebnisse der Wasseranalysen bekommen. "Die Kollegen hier haben ständig alles im Blick, dank der hochmodernen Steuertechnik", ergänzt Wassermeister Heiko Ortmann.

Rohwasser aus bis zu 100 Metern Tiefe

Gefördert wird das Rohwasser aus einer Tiefe von bis zu 100 Metern an mehreren Stellen in und um Wahlstedt. "Wir haben hier allerdings auch Stellen, an denen wir schon in sieben Metern Tiefe sehr gutes Wasser haben", erzählt Ortmann. Im Gebäude neben der Steuerungszentrale stehen vier gewaltige Filter. Der letzte wurde vor knapp eineinhalb Jahren eingebaut. Dafür musste sogar das Dach abgenommen werden. Er wurde per Kran "reingehieft". 480 Kubikmeter Wasser werden seitdem hier stündlich aufbereitet.

Stolz auf gutes Grundwasser

Als Filtermaterial dient Quartzsand. 25 Tonnen davon sind in den vier Filtern. Belüftet mit Sauerstoff werden durch den Kies Eisen- und Manganbestandteile herausgefiltert. "Danach hat unser Wasser eine wirklich tolle Qualität", sagt der Geschäftführer der Energie und Wasser Wahlstedt/Bad Segeberg, Winfried Köhler. "Wir haben hier am Rande des Segeberger Forstes besonders viel und besonders gutes Grundwasser. Das kann von den Werten her mit so manchem Mineralwasser mithalten. Und das ist schon ziemlich ungewöhnlich", erzählt Köhler nicht ohne Stolz. 

Modernste Technik im Einsatz

Das Wahlstedter Wasserwerk

Die Energie-Wasser-Segeberg, kurz "ews", betreibt das Wahlstedter Wasserwerk. Daran sind die Städte Bad Segeberg und Wahlstedt und der Energieversorger e.on beteiligt.

Das Wasserwerk beliefert Bad Segeberg, Wahlstedt, Klein Rönnau, Klein Gladbrügge, Traventhal, Negernbötel und Schackendorf. Es für die Wasserversorgung von rund 38.000 Menschen zuständig. Der Bereich umfasst 190 Kilometer Versorgungsleitungen.

Ein Kubikmeter Wasser aus dem Wasserwerk Wahlstedt kostet aktuell 1,62 Euro. Damit liegt das Wasser im mittleren Preissegment in Schleswig-Holstein.

Das gefilterte Reinwasser kommt verbrauchsfertig in die nagelneuen High-Tech Edelstahlbehälter mit zwei Millimeter dünnen Wänden. Acht Meter sind diese hoch.  Jeder fasst 750 Kubikmeter. Durch kleine Fenster wirkt der Blick hinein wie der in ein Schwimmbecken. "Viele Wasserwerke speichern ihr Wasser in Betonbehältern. Wir haben hier die modernste Variante, die es im Moment auf dem Markt gibt", sagt André Herrmann. Damit können in Wahlstedt insgesamt 9.000 Kubikmeter Wasser bester Qualität gespeichert werden.

750 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Doch damit das letztendlich auch in allen Haushalten landet, bauen drei Pumpen einen Druck von 5,1 bar auf, um es ins Netz zu drücken. "Das ist wichtig, damit die Leute, die in oberen Stockwerken oder auf einer Erhebung wohnen, auch ihr Wasser bekommen", erklärt Herrmann. 750 Kubikmeter Wasser pro Stunde werden zu Stoßzeiten - meistens morgens - über die Pumpen von hier aus ins Netz abgegeben. Im Nachbarort Fahrenkrug steht eine Art "Zwischenstation", ein Hochbehälter, um die 18.000 Einwohner in Bad Segeberg kontinuierlich mit Wasser zu versorgen. Dort steht zudem eine große Pumpstation als Außenstelle des Wasserwerks.

Wie kommt die Luftblase in den Zähler?

"Wir sind hier auch ein bisschen Telefonseelsorge für die Kunden und sind im Notfall und bei Nachfragen direkt erreichbar - ohne dazwischengeschaltete Callcenter", sagt Wassermeister Heiko Ortmann. Wenn "braunes Wasser" aus den Leitungen zu Hause kommt oder gespült werden muss, sind die Spezialisten da. "Aber wir erklären auch, warum mal Wasser oder eine Luftblase im Zähler sein kann. Das ist völlig normal, aber woher soll man das auch als Nicht-Wasserwerker wissen", sagt Wasserversorgungstechniker Sven Lange.

Vielseitiger Job

Zu den Aufgaben der Männer vom Wasserwerk zählt auch das "Zählermanagement" und die Überwachung von Sanierungen, wenn beispielsweise alte Leitungen gegen neue ausgetauscht werden müssen. "Ein toller Job, sehr vielseitig. Mal ist man drin hier im Wasserwerk, mal sind wir draußen bei unseren Kunden oder auf Baustellen." Sven Lange,  mag die Abwechslung in seinem Job. Die bekommen er und seine Kollegen regelmäßig - im momentan wohl modernsten Wasserwerk Schleswig-Holsteins.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.03.2016 | 19:30 Uhr