Stand: 03.03.2016 15:34 Uhr

Was wird aus den Kliniken im Kreis Nordfriesland?

Husum, Niebüll, Wyk auf Föhr und Tönning - noch gibt es im Kreis Nordfriesland vier öffentliche Klinikstandorte. Doch ihre Existenz ist bedroht. Der Grund: Das Klinikum Nordfriesland fährt hohe Verluste ein. Es muss deshalb dringend gespart werden. Aus Sorge um ihr Krankenhaus hatten die Niebüller deshalb am Wochenende für den Erhalt ihrer Klinik demonstriert. Am Donnerstag stellte der Kreis Nordfriesland ein neues Gutachten zur zukünftigen Krankenhaus-Struktur vor.

Zeit zum Durchatmen in Niebüll

Überraschend gaben die Wirtschaftsprüfer am Donnerstag für den Standort Niebüll Entwarnung - zumindest vorläufig. Die Experten widersprachen einem ersten Gutachten, das die Schließung der Geburtenstation und der HNO-Abteiling empfohlen hatte. Die Ersparnis würde die dann fehlenden Einnahmen nicht ausgleichen, so die Fachleute.

Klinikstandort Tönning unter der Lupe

Ein Abbau der 29 Klinikbetten in Tönning könnte nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer dagegen bis zu 800.000 Euro im Jahr einsparen. Das ist laut Kreis etwa die Hälfte des bisherigen Verlustes des gesamten Klinikverbundes. Um die andere Hälfte aufzufangen, will Landrat Dieter Harrsen (Wählergemeinschaft Nordfriesland) nun mit dem Land über Zuschläge verhandeln.

Neue Zentralklinik?

Die Geldmittel sollen nach Vorstellung des Landrates nur übergangsweise fließen. Denn Harrsen macht sich für ein neues Zentralkrankenhaus stark. Seine Idee: Der Neubau könnte die drei Klinikstandorte auf dem Festland ersetzen. Nur das Krankenhaus in Wyk auf Föhr hat laut Harrsen wegen der Insellage gute Chancen, erhalten zu bleiben.

Kreistag entscheidet am 23. März

Standort für eine neue Zentralklinik könnte die geografische Mitte des Kreises sein - die liegt bei Bredstedt. Doch noch ist nichts entschieden. Die geschätzten Baukosten liegen bei 65 Millionen Euro. Angewiesen wäre der Kreis deshalb auf Millionen-Zuschüsse vom Land. Und wenn es eine Zentralklinik geben sollte, müssten die Nordfriesen zum Teil lange Wege fahren. Der Kreistag will am 23. März über die zukünftige Struktur des Klinikums entscheiden.

Erstes Gutachten: Sparkurs und Kooperation mit Diako

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Ein Standort des Klinikums Nordfriesland: Die Inselklinik in Wyk.

In einem ersten, im vergangenen November vorgestellten Gutachten standen schon Vorschläge, wie das Klinikum Nordfriesland seine wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen könnte. Das öffentliche Unternehmen solle sich gesundschrumpfen, war der Vorschlag. Neben der Schließung des stationären Bereichs in Tönning empfahl der ehemalige Geschäftsführer des Flensburger Diako-Krankenhauses Karl-Heinz Vorwig, dass auch Niebüll mehrere Fachbereiche schließt, darunter die Geburtshilfe. Auch Husum müsste auf Spezialbereiche verzichten, würde aber insgesamt als zentraler Standort gestärkt, schrieb Vorwig. Wyk auf Föhr bliebe erhalten - stabile Landeszuschüsse für die Inselversorgung vorausgesetzt. Die Geburtenstation auf der Nordseeinsel musste allerdings schon geschlossen werden. Langfristig ist eine enge Zusammenarbeit des Klinikums Nordfriesland mit dem Diako-Krankenhaus in Flensburg angedacht.

Neben diesen öffentlichen Kliniken gibt es in Nordfriesland noch die Asklepios-Nordseeklinik in Westerland auf Sylt. Ein Verkauf des Klinikums Nordfriesland an private Krankenhauskonzerne lehnen viele Kommunalpolitiker aber ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.03.2016 | 17:00 Uhr