Stand: 28.10.2016 10:53 Uhr

Warum ist der Nord-Ostsee-Kanal so wichtig?

von Matthias Friedrichsen
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Die Schleusen, wie diese in Brunsbüttel, sind die "Herzklappen" des NOK: Ohne funktionierende Schleusen keine Kanalpassage.

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) gilt als eine der Hauptverkehrsadern im Norden Europas. Er ist für Schiffe der schnellste Weg von und nach Skandinavien und in die Häfen der baltischen Staaten. Wer sich gegen die NOK-Passage entscheidet, muss den Umweg über das Skagerrak in Kauf nehmen. Der kostet Reedereien mehr Treibstoff, mehr Zeit und damit auch mehr Geld. Laut Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt werden mit dem Weg durch den NOK durchschnittlich 250 Seemeilen abgekürzt, für die ein Schiff 14 bis 18 Stunden benötigt. Die Kanalpassage dauert hingegen nur sechs bis acht Stunden.

Gut 32.000 Schiffspassagen im Jahr 2015

Wie attraktiv die Bundeswasserstraße NOK für Reeder nach wie vor ist, zeigen Zahlen der Generalidrektion Wasserstraßen und Schiffahrt. So nutzten trotz der andauernden Krise in der Branche im Jahr 2015 mehr als 32.000 Schiffe den Kanal und transportierten dabei 90,6 Millionen Tonnen Güter. Im Vergleich zu früheren Jahren nutzen inzwischen zwar weniger Schiffe den Kanal, aber viele sind größer und länger. Angeführt wird die Liste der dicken Pötte auf der Kanalpassage von dem Massengutfrachter "Aeolian Vision", der 229 Meter lang und gut 32 Meter breit ist. Damit ist die im NOK zurzeit maximal erlaubte Schiffsgröße praktisch erreicht.

Immer mehr Güterumschlag im Ostseeraum

Dass viele Waren durch den NOK transportiert werden, liegt maßgeblich am zunehmenden Bedarf in den baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen, aber auch an Polen und Russland. Experten gehen davon aus, dass dieser Trend bis 2025 ungebrochen bleibt - vorausgesetzt, es wird in Sanierung und Modernisierung der Bundeswasserstraße investiert. Denn Schiffsrouten müssen für Reeder nicht nur günstig, sondern auch verlässlich sein. Wenn NOK-Schleusen immer häufiger und oft lange gesperrt werden, ist das ein großes Problem. Deshalb befürchtet die maritime Wirtschaft, dass mittelfristig die Reedereien anstelle von deutschen Häfen lieber in Rotterdam oder Antwerpen umschlagen und statt der Route durch den Nord-Ostsee-Kanal lieber den Seeweg um die Nordspitze Dänemarks nehmen. Diese Alternative wird auch bei sinkenden Mineralölpreisen attraktiv.

NOK ist auch für Hamburger Hafen unverzichtbar

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Hochbetrieb vor der Kieler Schleuse: Im Sommer nutzen auch viele Sportboote den Kanal.

Neben Schleswig-Holstein ist der NOK vor allem für Hamburg wichtig. Denn sollte für Reedereien die Kanalpassage nicht mehr erste Wahl sein, lohnt sich für ihre Schiffe auch der lange Weg die Elbe hinein bis zum Hamburger Hafen nicht mehr. Jeder dritte Container, der dort umgeschlagen wird, passiert zurzeit den NOK. Das liegt an den Warenströmen. So steuern viele riesige Frachter mit Gütern aus dem Atlantikraum zunächst den Hamburger Hafen an. Dort wird die Ladung auf sogenannte Feederschiffe verteilt, die dann Kurs auf verschiedene Ziele in Skandinavien und im Baltikum nehmen. Diese "Feeder" nutzen dafür den schnellsten Weg - den Nord-Ostsee-Kanal. Um ein Feederschiff zu ersetzen, würden 700 Laster benötigt. Keine Perspektive bei dieser Prognose: Der Umschlag der deutschen Seehäfen soll von 276 Millionen Tonnen im Jahr 2010 auf 759 Millionen bis 2025 steigen.

Studie: Kanalpassage viel günstiger als Alternativroute

Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft gibt ein Beispiel, und zwar für die Fahrt eines Frachters von Hamburg nach Helsinki durch den Kanal oder außen herum. Danach war es Mitte 2008 unterm Strich rund 70.000 Euro teurer, die Route um Dänemark zu wählen. In dieser Rechnung sind die Gebühren für Lotsen und Kanalsteurer sowie für die Kanalpassage schon inbegriffen. Die Durchfahrt selbst kostet Reeder zwischen 1.500 und rund 5.800 Euro, je nach Größe eines Schiffes.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 27.10.2016 | 16:30 Uhr

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