Stand: 28.10.2016 07:14 Uhr

Vorübergehend freie Fahrt im Rendsburger Tunnel

von Christian Nagel

Gute Nachrichten für Autofahrer im Großraum Rendsburg: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) gibt in der kommenden Nacht die Weströhre des Kanaltunnels frei. Autos und Lastwagen können dann wieder vierspurig unter dem Nord-Ostsee-Kanal hindurch fahren. Das hat es seit mehr als vier Jahren nicht gegeben. Im Sommer 2012 wurde die Oströhre für die Sanierung gesperrt. Seitdem kommt es am Kanaltunnel immer wieder zu langen Staus und Wartezeiten. "Bis wir wissen, wann es mit der Sanierung des Tunnels weitergeht, wollen wir die Verkehrssituation am Kanaltunnel entspannen", sagt Sönke Meesenburg, Leiter der Planungsgruppe Ausbau Nord-Ostsee-Kanal beim WSA Kiel-Holtenau. Frühestens Anfang 2017 können die Arbeiten am Tunnel nach seinen Angeben weitergehen, dann muss die Weströhre wieder gesperrt werden und die Oströhre wird vorübergehend zum Nadelöhr.

Rendsburger Kanaltunnel: Fertig ist anders

Vieles muss neu geplant werden

Bevor die Sanierung der Weströhre beginnen kann, verhandeln die Baufirma und das WSA neue Verträge. "Nach den Erfahrungen mit der Oströhre müssen wir vieles neu planen und besprechen", so Meesenburg. Zwei Dinge stehen dabei im Vordergrund. Ersten muss genau vereinbart werden, welche Arbeiten die Baufirma bei der Sanierung der Weströhre durchführen soll. "Wir waren in der ersten Röhre auf einige Überraschungen gestoßen, mit denen wir nicht hatten rechnen können. Vieles stand nicht in den Bestandsplänen und war nicht absehbar", so Meesenburg.

Ein Beispiel sind die sogenannte Schalungsanker. Dabei handelt es sich um eine Hilfskonstruktion aus Stahl, die die Arbeiter beim Bau des Tunnels in den 1960er Jahren nicht demontiert, sondern im Beton zurückgelassen hatten. 18.000 dieser Anker mussten in der Oströhre aufwendig freigestemmt und saniert werden, damit der neue Korrosionsschutz funktionieren kann.

Neuer Abfluss muss her

Ein weiterer Grund für die Verzögerungen: Bei der Kontrolle der Tunnelsohle stellten die Experten fest, dass die Bewehrung der Bodenplatte höher liegt, als in den Bestandsplänen eingezeichnet. Und so musste die neue Tunnelfahrbahn wenige Zentimeter höher gelegt werden. Mit der Folge, dass das geplante Abwassersystem in den Fahrbahnrändern nicht verwendet werden konnte. "Die Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunnel sehen vor, dass eine bestimmte Menge von Flüssigkeit innerhalb kürzester Zeit aus der Tunnelröhre ablaufen können muss", erklärt Meesenburg. "Dies ist zum Beispiel dann wichtig, wenn in der Röhre ein Tanklaster verunglückt und giftige Flüssigkeiten auslaufen. Die müssen schnell abfließen, damit sie für die Menschen im Tunnel nicht gefährlich werden können", so Meesenburg weiter.

Die dafür notwendigen Abläufe am Fahrbahnrand mussten von einer Fachfirma extra entwickelt und gebaut werden. "Das sind Sonderanfertigungen extra für den Rendsburger Kanaltunnel, die gibt es nicht im Baumarkt", meint Meesenburg.

Schäden in Oströhre schlimmer als erwartet

"Darüber hinaus waren dann noch die Schäden am Beton an vielen Stellen deutlich schlimmer, als wir zunächst angenommen hatten", erinnert sich Meesenburg. Um an die betreffenden Stellen zu kommen, mussten Arbeiter unplanmäßig die Wandanstriche und die Brandschutzverkleidungen entfernen. Erst dann konnten die Stahlelemente im Inneren der Tunnelwand begutachtet werden. "Dort stellte sich heraus, dass es viel Korrosion gab", sagt Meesenburg.

Letztlich hat nach seinen Angaben auch die Abnahme der Sicherheitstechnik viel Zeit in Anspruch genommen. "Das ist ein komplexes System. Die Steuerungstechnik ist hochmodern, die Prüfung der Anlagen aufwendig." Neben den vielen Sensoren, zum Beispiel für Rauch, musste auch die Software, die Lüftung, Ampeln und Licht steuert, genau überprüft werden. "Das sind sicherheitsrelevante Einrichtungen, da dürfen wir uns keine Fehler erlauben", sagt Meesenburg.

Verbindliche Vereinbarungen mit Baufirmen

Das WSA will in jedem Fall verhindern, dass bei der Weströhe wieder alles länger dauert, als geplant. "Wir haben bei der Sanierung der Oströhre viel gelernt und wir können jetzt die Arbeiten an der Weströhre besser abschätzen", meint Meesenburg. Einen Zeitpunkt, an dem der komplette Rendsburger Kanaltunnel fertig ist, will er aber nicht nennen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.10.2016 | 08:00 Uhr

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