Stand: 06.01.2016 13:46 Uhr

Von streunenden Wölfen und vergifteten Seeadlern

2015 war das Jahr des Wolfes - zumindest in Schleswig-Holstein. Denn mehrfach wurden im Land Wölfe gesichtet: in Mölln und in Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg), im Segeberger Forst, bei Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und in Rendsburg zum Beispiel. Die große Frage: Wie geht das Land in Zukunft mit den Wölfen um? Darauf hat Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung des Jagd- und Artenschutzberichtes Antworten gegeben. Um eine Strategie zu erarbeiten, stärkt das Umweltministerium das sogenannte Wolfsmanagement mit einem eigenen Haushaltstitel von jährlich 100.000 Euro.

Weniger Schleiereulen, mehr Fischadler

36.000 Euro als Entschädigung für Risse

Laut Umweltminister Robert Habeck wurde das Wolfsmanagement neu organisiert und der Runde Tisch wieder einberufen. Geklärt werden sollen unter anderem Fragen rund um Gnadenschuss, Ausnahmegenehmigungen und Versicherungen. "Hier arbeiten wir intensiv an Lösungen", versprach Habeck. So melden sich immer wieder Schäfer und Züchter, die entschädigt werden wollen, weil Nutztiere gerissen wurden. Seit 2013 wurden insgesamt 36.000 Euro als Entschädigung gezahlt, allein 2015 waren es 32.000 Euro. In den wenigsten Fällen ließ sich aber ein Wolf als Verursacher nachweisen.

Seeadler, Rotmilane und Mäusebussarde vergiftet

Weiteres Thema des Jagd- und Artenschutzberichts war die Vergiftung von Greifvögeln. Seit 2008 sind in Schleswig-Holstein nachweislich 30 Greifvögel durch Gift ums Leben gekommen. "Das Ausmaß ist erschreckend", sagte Habeck. Er verwies darauf, dass es sich dabei um eine Straftat handele. Die Suche nach den Tätern sei schwierig, so der Minister. Konkret wurden in den vergangenen acht Jahren 70 Proben von toten Greifvögeln untersucht. Tödliche Vergiftungen wurden unter anderem bei neun Seeadlern, drei Rotmilanen und fünf Mäusebussarden nachgewiesen.

Habeck befürchtet hohe Dunkelziffer

Laut Bericht ist davon auszugehen, dass das reale Ausmaß größer ist, weil die untersuchten Tiere eher zufällig gefunden wurden. "Wenn sich diese Befürchtung bewahrheitet, können die Auswirkungen bestandsbedrohend sein", sagte Habeck. Er verwies insbesondere auf den Mäusebussard, bei dem die Bestände insgesamt dramatisch zurückgehen. So sank die Zahl der Brutpaare im Bereich Schleswig seit der Jahrestausendwende von mehr als 120 auf gegenwärtig nur 30 Paare.

Fischadler fühlen sich wohl

Die veränderte Agrarstruktur, der Ausbau der Infrastruktur und der Bau von Gewerbegebieten setzen der Artenvielfalt zu - auch das macht der Bericht deutlich. So gehen die Populationen der Wiesenvögel und der Schleiereulen zurück. Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: 2014 brütete erstmals seit 130 Jahren wieder ein Fischadler-Paar im Land. Die Tiere zogen in den beiden vergangenen Jahren vermutlich je drei Jungvögel groß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.01.2016 | 15:00 Uhr