Stand: 26.01.2017 21:04 Uhr

Von der Leyen: Schulschiff "Gorch Fock" bleibt

Vielen Stürmen und Unwettern hat die "Gorch Fock" schon getrotzt, doch zuletzt drohte dem maroden Segelschulschiff der Untergang, da die Reparaturkosten enorm gestiegen sind. Das Aus hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einem kurzfristig angesetzten Pressetermin in Berlin medienwirksam verhindert. Als Retterin des "Stolzes der Marine" verkündete die Politikerin: Das Schiff wird mit Millionenaufwand instand gesetzt und soll noch über das Jahr 2030 hinaus als Segelschulschiff der Marine dienen.

Reparaturen für 75 Millionen Euro

Das Schiff liegt seit einem Jahr im Dock bei Bredo in Bremerhaven. Immer wieder tauchten neue Schäden auf - zuletzt alte Kabelkanäle, die seit dem Stapellauf nie erneuert wurden. Von zunächst kalkulierten knapp zehn Millionen Euro stiegen die Kosten bis Oktober 2016 auf mindestens 35 Millionen Euro. Dann zog der Projektleiter die Reißleine und stoppte die Arbeiten vorerst. Jetzt soll es noch einmal deutlich teurer werden: "Die Fortführung des Instandsetzungsvorhabens bedingt geschätzte Kosten von insgesamt bis zu 75 Millionen Euro", teilte das Verteidigungsministerium mit.

Die Ministerin nannte diese Summe bei ihrem gut einminütigen Auftritt nicht. Bereits zwölf Millionen Euro sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums im vergangenen Jahr für Reparaturen geflossen. Wegen der hohen Kosten war über eine Stilllegung des Schiffes diskutiert worden.

Fast alles muss ersetzt werden

"Mit der 'Gorch Fock' ist es wie mit einem alten sanierungsbedürftigen Haus", sagte von der Leyen. "Wir wollten erst Weniges reparieren, dann haben wir hinter die Planken geguckt und dann stellt man fest, dass sie grundsaniert werden muss. Bis auf den Kiel muss fast alles ersetzt werden." Und: "Die 'Gorch Fock' symbolisiert weit mehr als ein Segelschiff, sie ist das Segelschulschiff, sie ist unverzichtbar in der seemännischen Tradition, sie hat eine lange Ausbildungsgeschichte hinter sich und sie ist vor allem Botschafterin auf den Weltmeeren." Nach der Grundsanierung werde man wieder ein prachtvolles Segelschulschiff haben.

Kommt ein Neubau?

Landtagspräsident Klaus Schlie, der "Pate" des Segelschulschiffs, sprach von einem "wirklich guten Signal für die Marine, das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Kiel." Er würde sich auch freuen, wenn es zu einem Neubau käme, sagte Schlie. Zu Frage eines Neubaus nach 2030 äußerte sich ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zurückhaltend. Es würden parallel die Prozesse eingeleitet, um die besonderen Ausbildungsfähigkeiten der "Gorch Fock" in einer Nachfolge-Einheit zu erhalten.

Reparatur der "Gorch Fock" wird immer teurer

"Große Erleichterung" bei der Crew

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hatte am Dienstag die besondere Bedeutung des Schulschiffes für die Ausbildung unterstrichen. Außerdem sei es "ein Symbol, ein Wahrzeichen" der Marine und "ein Botschafter für Deutschland", so Bartels.

Auch die Marine hatte immer wieder die Bedeutung des Segelschulschiffes für die seemännische und charakterliche Ausbildung ihres Offiziersnachwuchses hervorgehoben - auch im High-Tech-Zeitalter, in dem Computertechnik auf Marineschiffen dominiert. "Gorch Fock"-Kommandant Nils Brandt sagte: "Die Entscheidung, die 'Gorch Fock' zu erhalten, hat bei meiner Besatzung und mir große Erleichterung ausgelöst. Nach langer Zeit der Flaute ist wieder Wind zu spüren und das tut gut, denn die 'Gorch Fock' erfüllt einen ganz wesentlichen Auftrag zur Ausbildung unseres Nachwuchses."

Ersatzschiff nicht sicher genug

Das Ministerium prüfte nach eigenen Angaben auch, ein Ersatzschiff als Übergangslösung zu mieten. Ergebnis: Die Offizieranwärter dürften auf anderen Schiffen nicht in der Takelage arbeiten, da nur die "Gorch Fock" über die gesetzten Sicherheitsstandards verfüge. Die Sicherheit ist in den vergangenen Jahren nach zwei tödlichen Unfällen von Kadetten verbessert worden. Eine Kadettin war bei der Ausbildung aus der Takelage aufs Deck gestürzt. Eine andere Kadettin schob nachts Wache und verschwand von Bord. Ihre Leiche wurde später im Meer gefunden - was passierte, wurde nie restlos aufgeklärt.

35 Mal um die Erde

Das Schiff ist der Marineschule Mürwik in Flensburg unterstellt. Heimathafen ist Kiel. Seit Jahrzehnten wird auf dem Dreimaster der Offiziersnachwuchs ausgebildet. Etwa 15.000 Männer und Frauen der Marine - darunter praktisch alle späteren Offiziere - haben ihre seemännische Basisausbildung auf der Bark absolviert. Schiff und Besatzung legten mehr als 750.000 Seemeilen zurück. Das entspricht etwa 35 Erdumrundungen. Seitdem das Schiff in der Werft ist, muss die Marine schweren Herzens ausweichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.01.2017 | 17:00 Uhr

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