Stand: 05.02.2014 20:18 Uhr

Unter Strom - Die weltweit größte Hybridfähre

von Sebastian Baak

Irgendwie eine ganz normale Fähre - diesen Eindruck macht die 142 Meter lange "Prinsesse Benedikte", als sie sich langsam in den Hafen von Puttgarden schiebt. Nur der Schriftzug "Hybrid Ferry" an der Schiffsseite verrät: Hier steckt Hightech drin. An Bord führt der erste Gang in den Maschinenraum. Dort, wo vor kurzer Zeit noch einer von ursprünglich fünf riesigen MaK-Schiffsdieseln stand, ist jetzt ein Batterieblock installiert. Zusammen mit dem Transformator bringen die 399 Akkumodule 50 Tonnen auf die Waage.

Batterien speichern überschüssige Energie

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399 Module hat die Batterie an Bord der "Prinsesse Benedikte". Nur 20 Minuten dauert es um sie aufzuladen.

Mit dem Umbau zur Hybridfähre betritt Scandlines Neuland - die "Prinsesse Benedikte" ist die zurzeit größte Hybridfähre weltweit. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt sind der norwegische Ableger des Technikkonzerns Siemens und der kanadische Batteriemodulehersteller Corvus Energy. "Es geht darum, die Schiffsmotoren leistungseffizient laufen zu lassen", sagt Odd Moen, einer der norwegischen Ingenieure. Das schone die Motoren, spare Treibstoff und belaste die Umwelt weniger. Entsteht überschüssige Energie, wird die in den Batterien gespeichert. Legt die Fähre dann ab oder muss sie die Geschwindigkeit erhöhen, steht die Energie aus den Akkus zur Verfügung. Fast drei Megawattstunden lassen sich in den Zellen speichern. Das reicht für 15 Minuten Fahrt nur mit dem Strom aus der Batterie.

Weniger Schiffsdiesel, weniger Schadstoffemissionen

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Im Hafen gibt es keinen schwarzen Rauch aus dem Schornstein.

Nach dem Ablegen fährt die "Prinsesse Benedikte" fast die Hälfte der Strecke nur mit einer Maschine - vier jeweils mehr als 5.000 PS starke Motoren gibt es. Den Grund nennt Chefingenieur Karsten Johansen: "Ein Generatorset reicht aus, der Rest kommt von den Batterien". Erst später wird der zweite Motor gestartet. Sofort lädt sich die Batterie wieder auf. "Das spart Treibstoff - und: der Diesel, den wir verbrauchen, wird besser verbrannt, so dass weniger Kohlendioxid aus dem Schornstein gepustet wird", sagt der Geschäftsführer von Scandlines Deutschland, Heiko Kähler. Die Reederei versucht, sich mit dem Konzept aber auf den Bau der festen Fehmarnbeltquerung vorzubereiten. Der Tunnel wird eine direkte Konkurrenz für Scandlines werden. Kosten zu senken helfe natürlich, um im Preiskampf zu bestehen, sagt Geschäftsführer Kähler. Außerdem könne man mit dem grünen Image durchaus bei Urlaubern punkten.

"Es war plötzlich still im Maschinenraum"

Ein weiterer Effekt des Hybridantriebs: Wenn genügend Energie in den Akkus gespeichert ist, müssen nicht alle Schiffsdiesel laufen. Allgemein ist es wesentlich ruhiger im Maschinenraum. "Als wir einmal nur mit Batterieantrieb gefahren sind, wurde es vollkommen still, das war schon sehr merkwürdig", sagt Chefingenieur Johansen. Das bestätigt auch der Kapitän der "Prinsesse Benedikte", Klaus Jensen. "Man spürt kaum Vibrationen im Schiff, wenn die Batterie zugeschaltet ist", sagt der Kapitän. Dass die Umrüstung auf den Hybridantrieb geklappt hat, liegt an dem Antriebskonzept. Die "Prinsesse Benedikte hat einen dieselelektrischen Antrieb, das heißt, die Schiffsdiesel haben die Funktion von Generatoren. Mit dem erzeugten Strom werden Elektromotoren angetrieben auf denen die Schiffspropeller sitzen.

Nach den guten Erfahrungen mit der "Prinsesse Benedikte" wird Scandlines bis Ende des Jahres auch die drei übrigen Schiffe auf der Vogelfluglinie auf den Hybridantrieb umrüsten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.02.2014 | 22:00 Uhr