Sendedatum: 22.11.2016 21:15 Uhr

Umweltschädliche Einwegflaschen bevorzugt

von Johannes Edelhoff & Kaveh Koorosy

Es ist ein absurder Auswuchs des Klimaschutzes: Ausgerechnet durch ein Gesetz, das unseren Strom umweltfreundlicher machen soll, werden umweltschädliche Wegwerfflaschen gefördert. Das Ergebnis: Der Anteil der von Einweg-PET-Flaschen steigt immer weiter an.

PET-Flaschen liegen in einem Sack.  Fotograf: Carolin Fromm

Umweltschädliche Einwegflaschen bevorzugt

Panorama 3 -

Eine Lücke im "Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien" führt dazu, dass PET-Einwegflaschen einen Kostenvorteil gegenüber Mehrwegflaschen aus Glas haben.

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Grund dafür ist eine Regelung im sogenannten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Eigentlich sollte die Regelung gut für die Umwelt sein, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien fördern und so die Abhängigkeit von der umweltunfreundlichen Kohle und dem gefährlichen Atomstrom verringern. Und tatsächlich hat das EEG dazu beigetragen, dass der Anteil an erneuerbaren Energien gestiegen ist. Doch es hat eine Lücke, die dazu führt, dass umweltunfreundliche PET-Einwegflaschen einen Kostenvorteil gegenüber den umweltfreundlichen Mehrwegflaschen aus Glas haben.

Energieintensive Konzerne von der Ökostromumlage befreit

Denn nach dem EEG müssen sämtliche Bürger und Firmen eine Extragebühr auf ihre Stromrechnung bezahlen - die sogenannte EEG-Umlage. Damit wird die Energiewende finanziert. Aber Firmen, die besonders viel Strom verbrauchen, sind von dieser Umlage so gut wie befreit. Der Grund: Sie sollen im internationalen Vergleich keinen Wettbewerbsnachteil haben.

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Energieintensive Einwegflaschen

Und zu diesen Firmen gehören die Abfüller vom Billigwasser in der Wegwerfflasche. Denn die PET-Einwegflaschen sind in der Herstellung sehr energieintensiv. So auch bei der Firma Hansa-Heemann. Das Unternehmen aus Schleswig-Holstein produziert laut eigener Aussage etwa zwei Milliarden Einwegflaschen im Jahr für Aldi, Netto oder Edeka. Der Energieverbrauch sei riesig, wie der Vorstandsvorsitzende German Reichert berichtet: "Die Maschinen heizen den Kunststoff auf und machen ihn flüssig, um ihn in Flaschen formen zu können. Zusätzlich brauchen wir Druck, um daraus eine große Flasche zu machen. Und dieser Luftdruck der mit 25 Bar erzeugt werden muss, ist ebenfalls energetisch sehr aufwendig."

Positive Energiebilanz bei Mehrwegglasflaschen

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Anstatt anzusteigen, sinkt die Mehrwegquote seit Jahren.

Dabei sind die Mehrwegglasflaschen aus der Region für die Umwelt eindeutig besser als die PET-Einwegflaschen aus Plastik. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls das Umweltbundesamt (UBA). Gerhard Kotschick, vom UBA, erklärt: "Die Mehrwegflasche muss nur einmal produziert werden. Sie kann immer wieder zurücktransportiert werden, neu gewaschen, gespült und befüllt werden. Und es müssen wesentlich weniger Flaschen produziert werden. Denn die Mehrwegglasflasche kann bis zu 50 mal wiederbefüllt werden und ersetzt dadurch sehr viele Einwegflaschen."

Höherer Kostendruck für umweltfreundliche Unternehmen

Die Flaschen des regionalen Erzeugers "Graf Metternich Quellen" sind solche Glasflaschen, die immer wieder nachgefüllt werden. Für den Vorstandsvorsitzenden des Getränkeherstellers, Andreas Schöttker, ist die EEG-Regelung wenig sinnvoll: "Das Ergebnis dieses Gesetztes ist, dass die kleinen Unternehmen einen Kostennachteil haben, der Verdrängungswettbewerb untereinander stärker wird und der Markt sich weiter konzentriert. Das bedeutet, regionale Unternehmen werden weniger und die Transportwege weiter."

So werden große, umweltschädliche Unternehmen, die sich nicht an den Kosten der Energiewende beteiligen, durch das Gesetz bevorteilt, während kleine, umweltfreundliche Unternehmen einem höheren Kostendruck ausgesetzt werden.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 22.11.2016 | 21:15 Uhr

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