Stand: 29.03.2016 17:56 Uhr

Umstrukturierung: Brandbekämpfung auf See in Not?

Wer löscht in Zukunft, wenn es auf Schiffen in Nord- und Ostsee brennt? Das Havariekommando in Cuxhaven prüft, die Zahl der Helfer und Standorte deutlich zu reduzieren. In Schleswig-Holstein sollen von drei Standorten nur zwei übrig bleiben: Kiel und Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen. Auf der Streichliste steht Flensburg. Das könnte bedeuten: Wenn es auf einem Schiff in der Flensburger Förde brennt, müssten Feuerwehrleute per Hubschrauber aus anderen Orten anrücken. Die neuen Maschinen könnten in Fuhlendorf (Kreis Segeberg) stationiert werden.

Chronologie: Frachter in Not auf Nord- und Ostsee

Flensburger Feuerwehrchef in Sorge

An den Standorten gibt es besonders ausgebildetes Personal und Spezialausrüstungen. In Flensburg steht etwa ein spezieller Einsatzcontainer mit Ausrüstung, und es gibt zweieinhalb zusätzliche Stellen für die Berufsfeuerwehr. Der Flensburger Feuerwehrchef Carsten Herzog sieht die Kürzung mit Sorge: "Es wird länger dauern, bis Hilfe am Einsatzort ist." Damit sinke die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Einsatz. "Das ist kein Sparkonzept", meint dagegen der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees: "Der Bund und die fünf Küstenländer schauen vielmehr, was wir künftig noch besser machen können."

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Mit der Umstrukturierung beim Havariekommando soll Geld eingespart werden, das an anderer Stelle investiert wird. Das Havariekommando plant, eigene Hubschrauber anzuschaffen, die im Ernstfall schnell ein Bild der Lage liefern sollen. "Wir wollen schneller am Einsatzort sein und dorthin mit Hubschraubern fliegen", sagte Monsees. So könnten in den kommenden Jahren drei fest planbare Hubschrauber bei der Bundespolizei-Fliegerstaffel in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt bereit stehen, um Spezialisten zu Brandherden auf See zu bringen. Monsees rechnet 2017 mit der Einführung der ersten Maschine für die maritime Notfallvorsorge.

Gründung Folge von "Pallas"-Unglück

Das Havariekommando in Cuxhaven gibt es seit dem 1. Januar 2003. Die Gründung ist eine Folge der Probleme bei einem großen Rettungseinsatz: Als der Holzfrachter "Pallas" 1998 verunglückte, gab es Abstimmungschwierigkeiten zwischen den zuständigen Behörden. Wichtigster Teil des Havariekommandos ist das Maritime Lagezentrum (MLZ) in Cuxhaven, das rund um die Uhr besetzt ist und in dem alle Informationen zusammenlaufen. Im Falle eines Unglücks wird ein Havariestab einberufen, der die Unfallbekämpfung auf See, die Einsätze an der Küste, die Versorgung der Verletzten und die Brandbekämpfung koordiniert. Bei kleineren Unfällen sind nur die lokalen Behörden zuständig, falls das Havariekommando nicht übernimmt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.03.2016 | 14:00 Uhr