Stand: 20.01.2015 16:35 Uhr

"Traumschiff"-Verkauf gescheitert

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Aus der Traum: Der Verkauf des ehemaligen "Traumschiffs" ist vorerst gescheitert.

Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber war sich lange Zeit sicher, das finanziell leckgeschlagene Kreuzfahrtschiff MS "Deutschland" an den Mann zu bringen. Doch daraus wird vorerst nichts. Die Verkaufs-Verhandlungen mit einem Investor, die Schmid-Sperber bereits als aussichtsreich bezeichnet hatte, sind zunächst gescheitert. Die seit mehreren Wochen laufenden Gespräche mit einem potenziellen Geldgeber seien abgebrochen worden, nachdem er mehrere Fristen versäumt habe, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters am Dienstag. Das bedeutet gleichzeitig das Aus für die Mitarbeiter der Deilmann-Reederei, die die Reisen mit dem "Traumschiff" vermarktete.

Drei Viertel der Deilmann-Mitarbeiter sofort freigestellt

Bei einer Betriebsversammlung in Neustadt wurden die Beschäftigten am Dienstagnachmittag über ihre Kündigung informiert. 30 der insgesamt 48 Mitarbeiter sind ab sofort freigestellt, 18 weitere Beschäftigte werden folgen. Es fehle sowohl an Beschäftigung als auch an Geld für die Löhne und Gehälter, sagte Insolvenzverwalter Schmid-Sperber. Zurzeit laufen noch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Die Stammbesatzung der MS "Deutschland" wird dagegen weiterbeschäftigt.

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Eigentümergesellschaft steckt in großen Schwierigkeiten

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Der Insolvenzverwalter gibt die Hoffnung nicht auf, dass das Kreuzfahrtschiff unter einer anderen Flagge weiterfährt. Es gebe weitere Interessenten, so Schmid-Sperber. Zu deren Anzahl und zur Höhe ihrer Angebote machte er keine Angaben. Das Amtsgericht Eutin hatte zum Jahreswechsel das Insolvenzverfahren über die Betreibergesellschaft des Kreuzfahrtschiffs und die Reederei Deilmann eröffnet. Nach Angaben von Schmid-Sperbers Sprecher belaufen sich die Verbindlichkeiten aktuell auf rund 60 Millionen Euro für die MS "Deutschland" - sowie weitere zwei Millionen Euro im Fall der Reederei. Der neue Besitzer müsste auch einen lang geplanten Werftaufenthalt finanzieren. Allein das soll zwei Millionen Euro kosten. Die Beteiligungsgesellschaft hat rund 1.500 Gläubiger. Sie sollen demnächst ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Die erste Gläubigerversammlung ist am 20. Februar in Eutin geplant.

Alle geplanten Reisen abgesagt

Der Insolvenzverwalter sagte auch alle geplanten Reisen ab. "Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um Gästen und Vertriebspartnern Planungssicherheit zu geben", sagte Schmid-Sperber. Passagiere, die bereits Zahlungen geleistet haben, bekämen ihr Geld über den Kundengeld-Absicherer zurück, versicherte er.

Die Eigentümer der MS "Deutschland"

Die MS "Deutschland" wurde von der Reederei Peter Deilmann mit Sitz in Neustadt in Holstein bei der Kieler Werft HDW in Auftrag gegeben. 1998 erfolgte die Taufe. Doch nach dem Tod des Namensgebers geriet die Reederei in wirtschaftliche Schieflage - 2009 ging das Unternehmen erstmals in Insolvenz. Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius übernahm die Firma und damit auch das Schiff. 2012 brachte die Reederei hochverzinste Unternehmensanleihen auf den Markt, um neues Geld zu sammeln.

Aurelius organisierte das Unternehmen auch um und gründete die MS-"Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft. Sie ist der Eigentümer des Schiffs und der Reederei. Im Januar 2014 übernahm schließlich der Finanzinvestor Callista Private Equity die Mehrheit des Unternehmens. Ende Oktober stellte die MS-"Deutschland"-Beteiligungsgesellschaft einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung. Im Januar 2015 eröffnete das Amtsgericht Eutin das Insolvenz verfahren für die Beteiligungsgesellschaft und die Reederei. Am 24. März 2015 gibt der Insolvenzverwalter den Verkauf des Schiffes an einen amerikanischen Investor bekannt. Das Schiff soll auch weiterhin unter dem Namen "Deutschland" auf den Meeren unterwegs sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.01.2015 | 16:00 Uhr