Stand: 23.03.2016 12:32 Uhr

Tönning verliert sein Krankenhaus

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100 Menschen vor dem Kreishaus in Husum demonstrieren für den Erhalt der vier Standorte.

Weil dem Klinikum Nordfriesland die Insolvenz droht, soll der Standort Tönning zum 30. Juni 2017 geschlossen werden. Das hat der Kreistag in Husum am Mittwoch auf einer Sondersitzung mit großer Mehrheit beschlossen. Dann besteht das Klinikum Nordfriesland nur noch aus den Häusern in Husum, Niebüll und Wyk auf Föhr. Voraussetzung der Schließung ist jedoch, dass der Klinik-Betrieb noch bis zu diesem Termin gewährleistet werden kann. Es gebe bereits Hinweise auf Personalabwanderungen in Tönning, sagte ein Kreistagsabgeordneter.

"Beste unter schlechten Entscheidungsmöglichkeiten"

Außerdem müssen die ambulante und die Notfallversorgung sowie der Rettungsdienst gewährleistet sein, hieß es in der gemeinsamen Beschlussvorlage von sechs der sieben Kreistags-Fraktionen. 44 Abgeordnete von CDU, SPD, Grüne, Wählergemeinschaft, SSW und FDP stimmten mit Ja. Die drei Abgeordneten der FSD (Freie Soziale Demokraten) sowie je ein Abgeordneter von SPD und SSW stimmten dagegen. "Dieser Beschluss ist der beste unter schlechten Entscheidungsmöglichkeiten", sagte Uwe Schwalm (Grüne).

800.000 Euro Ersparnis

Die Klinikum Nordfriesland GmbH hat insgesamt 405 Betten und rund 1.500 Mitarbeiter. Die Standorte sind in Husum, Niebüll, Wyk auf Föhr und - noch - Tönning. Jede Klinik kann rund um die Uhr Akutfälle, wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Unfälle versorgen. Eine Schließung des kleinen Tönninger Hauses würde dem Klinikum Nordfriesland jedes Jahr bis zu 800.000 Euro Ersparnis bringen. Alternativ könnte man die drei Standorte auf dem Festland aufgeben und mitten im Kreis eine neue Klinik in optimaler Größe bauen.

Demonstration für den Erhalt von Tönning

Vor der Sitzung hatten etwa 100 Menschen vor dem Kreishaus in Husum für den Erhalt der vier Standorte demonstriert. Sie hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie "Das Tönninger Krankenhaus muss bleiben" und "Krankenhaus-Sterben = Menschen sterben". "Wir müssen den Politikern ein ganz klares Zeichen setzen, dass wir nach wie vor kämpfen und uns nicht unterkriegen lassen", hieß es im Aufruf zu der Demo.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.03.2016 | 10:00 Uhr