Sendedatum: 06.02.2014 06:38 Uhr

Sylt wehrt sich gegen Bordell-Pläne

Die Nordseeinsel Sylt ist für viele ein Synonym für einzigartige Natur, raues Klima und gastronomische Vielfalt. Doch das Angebot auf der Insel könnte bald erweitert werden. Zumindest, wenn es nach dem Stuttgarter Bordellbetreiber Jürgen Rudloff geht. Er will mitten in Westerland ein Edel-Bordell eröffnen. Den Syltern gefällt das überhaupt nicht.

Von Simone Steinhardt

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Die Sylter Idylle wird getrübt durch Bordell-Pläne.

In der Westerländer Strandstraße ist es ruhig dieser Tage. Nur wenige Touristen sind hier unterwegs. Doch in der Saison ist die beschauliche Straße mit ihren kleinen Geschäften, Boutiquen, Cafés und einem fünf-Sterne-Hotel gut besucht. Auch viele Familien mit ihren Kindern tummeln sich dann dort. Genau diesen Standort hat sich Jürgen Rudloff für sein Edel-Bordell ausgesucht.

Sylter sind skeptisch

Den Inselbewohnern gefällt das überhaupt nicht. In einer Umfrage von NDR Info äußert sich eine Anwohnerin: "Ich finde, das passt gar nicht hierher." Sorgen machen sich die Insulaner auch um die anderen gastronomischen Betriebe auf der Straße. Doch insbesondere die zentrale Lage des Etablissements in der Innenstadt von Westerland sorgt für Unmut: "Ich finde es zumindest unpassend, es im Zentrum von Westerland anzusiedeln", sagt ein Bewohner. "Ansonsten gibt es für alles einen Bedarf, und Sylt lebt davon, dass es viel Bedarf gibt." Auch eine andere Frau betont: "Wenn das jetzt außerhalb wäre, dann wäre das wahrscheinlich okay. Aber hier im Mittelpunkt Westerlands geht das nicht."

Doch, genau das geht. Denn sowohl der Bauausschuss in Westerland, als auch die Bauaufsichtsbehörde haben das Bordell bereits genehmigt. Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, erklärt, wie es dazu kam: "Was vor zwei Jahren, als der Bauantrag gestellt wurde, bekannt war, ist, dass es sich um einen Gentlemens-Club oder eine Exklusivbar handelt mit bordellähnlichem Charakter. Und unter bordellähnlichem Charakter kann man sich vieles vorstellen, das ist nicht so besonders greifbar."

Deutliche Absichten, pikante Details und ein Sperrbezirk

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Jürgen Rudloff plant einen "Exklusiv-Club mit bordellähnlichem Charakter".

Nicht nur von einem "Exklusiv-Club mit bordellartigem Charakter“, sondern auch von "der Erbringung kostenpflichtiger Erotikdienstleistungen an Dritte“ ist in dem Bauantrag die Rede. Das Pikante an der Angelegenheit: Wie Rudloffs Pressesprecher Michael Beretin verlauten lässt, habe er noch nie so schnell eine Genehmigung für eines seiner Etablissements bekommen, wie auf Sylt. Jetzt versucht die Gemeinde - trotz der bereits erteilten Genehmigung - das Bordell doch noch durch einen Sperrbezirk zu verhindern. Damit würde allerdings lediglich die Straßenprostitution verhindert - und die ist gar nicht Rudloffs Ansinnen.

Bürgermeisterin Petra Reiber gibt sich dennoch zuversichtlich: "Ich sehe das nicht ganz so, dass die Sperrbezirksverordnung ein zahnloser Tiger ist. Es gibt ja auch die Möglichkeit, Wohnungsprostitution mit zu erfassen in allgemeinen Wohngebieten, wo viele Familien mit Kindern wohnen."

Ausgang ungewiss

Die Sperrbezirksverordnung sei Schwachsinn, wettert Beretin. Die Gemeinde Sylt verhalte sich unprofessionell, und er habe schon jetzt keine Lust mehr auf das Theater. Petra Reiber sinnt unterdessen über weitere Auswege aus der Bordell-Nummer nach: "Ich weiß, dass es eine Verordnung in Baden-Württemberg gibt, die es Kommunen unter 30.000 Einwohnern erlaubt, Bordelle in ihrem Bereich generell abzulehnen. Unabhängig davon, ob das Baurecht das hergibt oder nicht."

Eine solche Verordnung müsste allerdings das Land Schleswig-Holstein erlassen. Ob es soweit kommt, ist ungewiss. Solange ist der "Skandal im Sperrbezirk" in vollem Gange.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 06.02.2014 | 06:38 Uhr