Stand: 28.09.2014 11:56 Uhr

Sylt: Wind, Wellen - und jetzt auch noch Wein

von Simone Steinhardt

Die Nordseeinsel Sylt ist zwar für kulinarische Genüsse bekannt und beliebt, als Weinanbaugebiet aber eher weniger. Doch es gibt ihn, Deutschlands nördlichsten "Weinberg" am Breitengrad 55° in Keitum gegenüber der St. Severin Kirche. Hier hat das Hattenheimer Weingut Balthasar Ress vor fünf Jahren auf 3.000 Quadratmetern Solaris- und Rivaner-Rebstöcke gepflanzt. Etwa ein Drittel der Stöcke sind an Privatpersonen sowie Sylter Gastronomen und Geschäftsleute verpachtet. Die Idee dazu entstand vor 20 Jahren. "Mein Vater hat guten Kunden Rebstöcke geschenkt. Sie hatten so viel Freude damit, dass wir das Pachten als Produkt vermarktet haben", erzählt Christian Ress. Die Pächter haben die Wahl zwischen einem Drei-, Fünf- oder Zehn-Jahres-Vertrag. Dafür zahlen sie zwischen 269 und 499 Euro pro Jahr und bekommen am Ende je eine Flasche des seltenen Sylt-Weins Söl’ring.

Reife Trauben auf Sylt

Weinlese auf Sylt - Premiere im Vorjahr

Im vergangenen Jahr wurde mit 709 Flaschen der erste Jahrgang des  Söl’ring-Weins produziert. Trotz des Anbaus auf Sylt durfte er sich lediglich "Deutscher Wein" nennen. Das wird anders: Winzer Christian Ress keltert den Wein jetzt auch vor Ort. "Wir haben einen Keitumer Familienbetrieb als Partner gewonnen. Dort dürfen wir keltern und den Gärungsprozess durchführen", sagt Ress. Durch die Weiterverarbeitung auf der Insel kommt der Söl’ring-Wein dann im nächsten Jahr als "Schleswig Holsteinischer Landwein" auf den Markt. Mit den begehrten vier Buchstaben "Sylt" darf sich das Etikett dennoch nicht schmücken, weil "Sylt nicht zu den gesetzlich bestimmten Weinanbau-Gebieten gehört", erklärt Christian Ress.

Vor dem Keltern steht die Ernte

Rund  60 Rebstock-Pächter versammeln sich an diesem Tag in Keitum, um die sonnenverwöhnten Trauben für ihren Söl’ring zu ernten. Einer ist sogar extra aus der Schweiz angereist. "Den Rebstock habe ich meiner Lebensgefährtin geschenkt. Heute helfe ich ihr bei der Ernte", sagt der gebürtige Sylter Jürgen Lenz. Rebstock-Pächter Brigitte und Uwe Kalipke reisten für die Lese aus Essen an. Für die Sylt-Liebhaber ist der Söl’ring etwas ganz Besonderes. "Wir haben zwei Flaschen zusätzlich ergattert und werden im Oktober 15 Leute zum Fischessen einladen. Dazu gibt es dann unseren Wein", freut sich Uwe Kalipke.

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Den Pächtern wird vor der Weinlese gezeigt, wie die Trauben zu ernten sind.

Bevor die Rebstock-Pächter zur Ernte ausschwärmen, werden sie von einem Mitarbeiter des Weinguts in die Geheimnisse der Weinlese eingeweiht. Nach der Devise: nur die Guten ins Töpfchen. "Zu kleine oder verschimmelte Trauben bitte gleich auf den Boden werfen. Je sauberer sie arbeiten, desto besser wird ihr Wein", wird den Helfern erklärt. Jürgen Lenz hat sich freiwillig als Träger zur Verfügung gestellt: Auf dem Rücken die grüne, sogenannte Bütte geschnallt, läuft er Reihe um Reihe ab, um die Trauben einzusammeln. 50 bis 60 Kilogramm wiegt der volle Behälter - mehr als ein Sack Zement. "Heute muss ich leiden. Doch was tut man nicht alles für die Frauen", kommentiert der Wahl-Schweizer die harte Arbeit.

Doppelt so hohe Ausbeute in 2014

Nach der Ernte werden die Trauben zum Keltern gebracht. Der Traubenmost bleibt jetzt für weitere acht Tage auf der Insel, wo er gefiltert und für die Gärung mit Hefe versetzt wird. Der weitere Reifeprozess, ebenso wie die Abfüllung nächsten Sommer, findet jedoch im Weingut Ress in Hattenheim statt. Bedingt durch die vielen Sonnenstunden in diesen Sommer rechnet Christian Ress für den Jahrgang 2014 mit einer Produktion von etwa 1.400 Flaschen - doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Dennoch bleibt der Söl’ring eine Rarität. Die Pächter bekommen je eine Flasche, weitere sind teils in der Sylter Gastronomie, einem Lebensmittelmarkt in Keitum oder für 69 Euro direkt beim Weingut zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 29.09.2014 | 19:30 Uhr

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